Wie entsteht Emotionale Intelligenz

Schon in der Berufsausbildung erleichtert Emotionale Intelligenz den Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden. Als Auszubildender mit eigenen und fremden Gefühlen umgehen.

Was versteht man unter emotionaler Intelligenz?

Verschiedene Assoziationen drängen sich zu den Worten „emotionale Intelligenz“ auf: Gefühle, Stimmungen, emotionaler IQ, Erfolgsintelligenz, Persönlichkeitseigenschaften …

Populär wurde der Begriff „emotionale Intelligenz“ im Jahr 1996 durch das gleichnamige Buch des amerikanischen Psychologen Daniel Goleman.

Emotionale Intelligenz versteht man als einen Sammelbegriff für Fähigkeiten, die den Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen betreffen. Allerdings macht eine hohe emotionale Intelligenz nicht das bloße Vorhandensein von Gefühlen, Stimmungen und Affekten aus, sondern der bewusste Umgang mit Ihnen – beispielsweise in der gesamten Ausbildung, am Arbeitsplatz oder in der Berufsschule.

Emotionale Intelligenz füllt eine Lücke, die in der klassischen Intelligenzforschung bisher übersehen worden ist (vgl. Prof. Gardner, Harvard University). So galt lange Zeit der Intelligenzquotient als der Maßstab für Erfolg. Heute geht man vielfach davon aus, dass die emotionale Intelligenz eines Menschen viel ausschlaggebender für seinen persönlichen und beruflichen Erfolg ist – dies gilt auch schon in der Berufsausbildung.

Aus welchen Elementen setzt sich emotionale Intelligenz bei jungen Erwachsenen zusammen?

  • Eines der bekanntesten Elemente der emotionalen Kompetenz ist die soziale Kompetenz. Sie ist die Fähigkeit, Kontakte zu Kollegen (z. B. in Teams und Arbeitsgruppen) in der Ausbildung zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen. Solche Beziehungen zu anderen Mitarbeitern dauerhaft aufrechtzuerhalten, wird als Beziehungs- und Konfliktmanagement bezeichnet.
  • Auch eine gute Kommunikationsfähigkeit ist unerlässlich für emotionale Intelligenz. Zum einen ist es vorteilhaft, sich als Auszubildender klar und verständlich auszudrücken. Zum anderen ist die Fähigkeit gemeint, beispielsweise dem Ausbilder oder Chef aktiv und aufmerksam zuhören zu können.
  • Unter Selbstbewusstsein versteht man die Fähigkeit eines Auszubildenden, eigene Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse am Arbeitsplatz zu verstehen und deren Wirkung auf andere einzuschätzen. Gemeint ist auch, sich seiner persönlichen Stärken und Schwächen in der Ausbildung bewusst zu sein.
  • Selbststeuerung heißt, die eigenen Gefühle (z. B. Wut über das Misslingen einer Arbeitsaufgabe oder Fehler in einem Arbeitsergebnis) durch einen inneren Dialog zu steuern und so konstruktiv zu beeinflussen.
  • Ein weiteres Element ist die Selbstmotivation in der Berufsausbildung. Es geht darum, sich selbst als Auszubildender unabhängig von finanziellen oder sonstigen Anreizen anfeuern zu können und eine Begeisterungsfähigkeit für die Arbeitsaufgabe zu entwickeln. Wer sich selbst motivieren kann, findet immer wieder Kraft zum Weitermachen auch bei monotonen Arbeiten.
  • Empathie zeigt sich im Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeiten von Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden. Dies bedeutet, auch angemessen auf die Gefühle und Sichtweisen anderer Menschen reagieren zu können.

Es stellt sich auch die Frage: Kann man emotionale Intelligenz bei Auszubildenden messen? Die Wissenschaftler Mayer, Salovey und Caruso haben den MSCEIT (Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test) entwickelt. Er misst emotionale Intelligenz in den Bereichen „Wahrnehmung von Emotionen“, „Verwendung von Emotionen zur Unterstützung des Denkens“, „Verstehen von Emotionen“ und „Umgang mit Emotionen“. Die Testgütekriterien erwiesen sich in Untersuchungen mit 5.000 Datensätzen als gut.

Wie nützt emotionale Intelligenz für eine erfolgreiche Berufsausbildung?

Um eine Berufsausbildung erfolgreich absolvieren zu können, ist intensives Lernen am Arbeitsplatz und in der Berufsschule sowie ein guter Umgang mit anderen Auszubildenden, Ausbildern, Vorgesetzten, Berufsschullehrern und nicht zuletzt Kunden erforderlich. Dies kann durch emotionale Intelligenz besser gelingen, weil die wichtige Gefühlsebene berücksichtigt wird.

In der Ausbildung stellen sich Fragen – beispielsweise: Wie kann man Meinungsverschiedenheiten mit anderen Auszubildenden konstruktiv austragen und lösen? Wie gehe ich mit meinem Ausbilder um, wenn er einmal schlecht gelaunt oder frustriert ist? Wie reagiere ich bei eigenen Misserfolgen oder Fehlern in der Arbeit? Wie treffe ich den richtigen Ton bei meinem Chef, wenn ich ein paar Verbesserungsvorschläge durchsetzen will? Wie motiviere ich mich selbst im Berufsschulunterricht? Wie gehe ich mit aufgebrachten, reklamierenden Kunden um? Wie kann ich mir ausgeglichene, höfliche und freundliche Umgangsformen während der Berufsausbildung bewahren?

Emotional intelligente Auszubildende können leichter mit diesen und vielen anderen emotionalen Fragen umgehen. Dies wirkt sich unmittelbar auf den individuellen Arbeitsalltag und das gesamte Betriebsklima aus. Zudem zeigen Auszubildende so bereits erste Führungsqualitäten, was die berufliche Laufbahn im Betrieb positiv beeinflussen kann.

Was ist an emotionaler Intelligenz und beruflichem Erfolg umstritten?

Das Konzept der emotionalen Intelligenz wird in der Fachwelt durchaus auch kontrovers diskutiert. In einer Studie der Psychologen Zeidner und Roberts konnte bei 224 britischen Managern kein nennenswerter Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und beruflichem Erfolg nachgewiesen werden. Die Wissenschaftler halten deshalb die emotionale Intelligenz eines Bewerbers um eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle für ein ungeeignetes Auswahlkriterium.

Verschiedene Autoren (vgl. Rolf Degen) kritisieren, dass das Konzept der emotionalen Intelligenz nicht auf soliden wissenschaftlichen Grundlagen steht – vielmehr ist es nur ein verschwommenes Konstrukt, das mehr naivem Wunschdenken und Gefühlsduselei als methodischer Wahrheitsfindung entspringt.

Unter emotionaler Intelligenz verstehen einige Publizisten, Menschen im eigenen Sinn zu beeinflussen und beispielsweise Auszubildende in der Berufsausbildung durch Ansprechen von Gefühlen zu motivieren. Es wird die Gefahr gesehen, dass emotional intelligente Menschen andere manipulieren, um höhere Profite zu machen. Eine große Rolle dabei spielen die individuellen Wertorientierungen.

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