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Alkohol – vom Freund zum Feind zur Lebensgefahr

Schleichender Übergang vom Genuss zur Sucht und Abhängigkeit.

Ein Glas Wein? Danke, gern. Willste nen Bier? Klar doch. – Geselligkeit kann mit Alkohol noch schöner werden. Alkohol – Entspannung, Wohlbefinden, Genuss pur? Vorsicht!

Im Islam ist Alkohol verboten, die Christen bieten ihn sogar beim kirchlichen Abendmahl an. Allerdings ersetzen ihn viele Gemeinden inzwischen durch Traubensaft. So können auch trockene Alkoholiker teilnehmen, ohne rückfällig zu werden.

Alkoholiker kompensieren ihre Sucht und das schlechte Gewissen mit Bier, Schnaps und Wein

Alkoholiker sind verzweifelte Menschen, auch wenn es lange dauert, bis sie es vor sich selbst zugeben können. Zu stark ist der Drang, ihre Sucht zu kompensieren, zu verniedlichen, zu bagatellisieren. Da heißt es dann: Ich trink mir gern mal ein Bierchen. Oder die wohlmeinende Tante fragt: Na, noch ein Schnäpschen? Ist gut für den Magen. Dass trockene Alkoholiker schließlich sogar schon von einer Weinbrandbohne oder einem Esslöffel Rum im Kuchen in die Sucht zurück rutschen können, die ihr Leben zerstört hat – wer mag sich das schon vorstellen. Zunächst schmecken Wein, Bier, Likör und Coctail einfach nur gut. Bei Jugendlichen ist Kampftrinken angesagt, auf Mallorca trinkt man beim Ballermann gemeinsam Sangria mit Strohhalmen aus Eimern. Alles easy, oder etwa nicht?

Therapie und Entzug oft erst nach dem kompletten Zusammenbruch

Das Lesen der „Suchtfibel“ könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Doch bis Alkoholiker sich endlich Hilfe suchen können, muss der Zusammenbruch oft vollständig sein: Job weg, Frau weg, Geld weg. Erst dann können sie sich auch mit dem Ekel vor sich selbst und mit der Verachtung anderer Menschen konstruktiv auseinander setzen und mit einem Entzug beginnen. Der Weg zum Erfolg jedoch ist steinig, die Rückfallgefahr hoch. Viel besser ist es also, die Gefahren im Vorfeld zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Aufklärung der eigenen Kinder und als Eltern ein gutes Vorbild abzugeben, gehört unbedingt zur Prävention dazu.

Vom Alkoholmissbrauch zum Alkoholimus

Der Alkohol ist ein tückischer Freund, der schnell zum Feind werden kann. Der Übergang von Spaß und Genuss zur quälenden Abhängigkeit, die das Denken bestimmt, ist schleichend. Was für viele Konsumenten ganz normal ist, gilt in Fachkreisen längst als Missbrauch. Es gibt vier Indizien, die darauf hindeuten, dass es um mehr geht als um das Gläschen nach Feierabend:

  1. Man trinkt auch dann, wenn es eigentlich nicht passt: bei der Arbeit, beim Sport, in Schwangerschaft und Stillzeit, vor oder sogar während einer Autofahrt.
  2. Man trinkt mehr, als man verträgt. Spürt eine leichte Irritation, Schwindel, Enthemmung bis zur Albernheit – und trinkt doch weiter, bis zum Vollrausch. Mann, war das lustig gestern! Aber mein Kopf brummt wie nix Gutes.
  3. Der Alkohol mutiert zum Seelentröster. Jederzeit verfügbar und universal einsetzbar bei Stress, Unruhe, Einsamkeit, Frust , Angst, Hemmungen und sogar bei schlechtem Gewissen, weil man wieder mal einen über den Durst getrunken hat.
  4. Wer regelmäßig übermäßig viel trinkt, treibt Alkoholmissbrauch. Bei Männern bedeutet das: mehr als 40 Gramm Alkohol täglich. Frauen haben schon bei 20 Gramm die Grenze erreicht.

Wer ehrlich mit sich selbst und anderen ist, wird feststellen, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung mit dem Genussmittel Alkohol nicht mehr eigenverantwortlich umgehen kann. Um sich selbst auf die Probe zu stellen, sollte man wenigstens an zwei Tagen in der Woche strikt auf Alkohol in jeder Form verzichten. Wer das nicht kann, hat ein echtes Problem!

Warum viele Menschen so gern trinken

Alkohol hat auf den ersten Blick durchaus angenehme Wirkungen:

  • beruhigt den Magen und mildert Völlegefühl nach übermäßigem Essen
  • erleichtert das Einschlafen – auch wenn das Durchschlafen schwieriger wird
  • holt Menschen „runter“, wenn sie vor Wut platzen könnten
  • kann bei sexuellen Schwierigkeiten helfen – auch wenn echte Alkoholiker irgendwann impotent sind
  • nimmt die Sorgen für eine Weile mit sich fort
  • regt den Appetit an
  • vertreibt graue Wolken am Stimmungshimmel

Alkohol zerstört Beziehungen, Gesundheit, die Arbeitsfähigkeit und das Denken

Die positiven Wirkungen sind von begrenzter Dauer. Auf Dauer zerstört Alkohol nicht nur die Leber, sondern auch Ehen und Beziehungen. Das Korsakow-Syndrom mit massiven Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit macht arbeits- und beziehungslos. Alkohol kann zu Gewaltexzessen führen – auch gegenüber dem eigenen Partner und den Kindern.

Alkoholismus ist eine schwere und letztlich lebensbedrohliche Erkrankung, keine Charakterschwäche. Vorbeugung ist das wichtigste Mittel im Kampf gegen die Droge. Wer die Gefahren im Umgang mit Freund und Feind Alkohol nicht einfach negiert, sondern sich ernsthaft damit auseinander setzt, wird in Zukunft weniger unbeschwert trinken können. Und vielleicht auch einmal „Ein Wasser oder ein Saft, bitte.“ sagen können, wenn ihm etwas zu trinken angeboten wird.

In der „Suchtfibel“ von Ralf Schneider wird Blaise Pascal zitiert mit dem Satz: „Nie tut man so vollständig das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut.“ Ein bisschen schlechtes Gewissen sollte also unbedingt sein. Man darf es nur nicht einfach runterspülen.