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Arbeitsgemeinschaft 60plus: Auch im Alter politisch tätig

Ältere Sozialdemokraten mischen in ihrer Partei häufig kräftig mit. In ihren Zielvorstellungen sind sie der SPD oft ein Stück voraus.

Sie ist nach den Angaben der Parteiführung die rührigste unter den insgesamt neun Arbeitsgemeinschaften, sie ist mit 250.000 Mitgliedern die stärkste – und unter diesen Parteigängern gibt es auch heute noch etliche, die von sich behaupten können, Erich Ollenhauer persönlich gekannt zu haben. Das ist die Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD, eine Gliederung, die vom Ortsverein bis zur Vorstandsetage tätig ist, wo nach eigenem Selbstverständnis „Zielvorstellungen für eine älter werdende Bevölkerung, Positionen und Programme der SPD vorgedacht und vorformuliert werden“. Älter werdende Menschen, in diesem Fall Sozialdemokraten, die sich auf politischem Feld tummeln, das wirkt manchmal allerdings im Umkehrschluss so, als handele es sich um Jusos: Sie sind nicht selten aufmüpfig, ideenreich, mit festem Willen, durchsetzungsstark. Die Arbeitsgemeinschaft 60plus sagt von sich selbst, ihr Programm sei „nicht immer in allen Teilen identisch mit dem, was die Partei will“. Oder, in eigenem Selbstbewusstsein anders ausgedrückt: „Die AG 60plus ist in ihren Positionen der SPD oft auch ein Stück voraus“.

Zum Start wurde Hans-Ulrich Klose vorgeschickt

Diese Sozialdemokraten, die im Alter, auch im hohen Alter, politisches Handeln lebensnah vermitteln und Politik, häufig Kommunalpolitik, mit Verve – ja, auch als Nervensägen – selbst betreiben, sie lassen sich selten etwas vormachen. „Unser Ziel ist ganz klar, wir wollen uns überall einmischen“, sagt die im Herbst 2011 neu gewählte Bundesvorsitzende Angelika Graf, 64 Jahre alt und Bundestagsabgeordnete aus Rosenheim. Sie ist damit – Hut ab vor dem Beschluss der AG -, die erste Vorsitzende einer sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, die aus sozialdemokratischer Diaspora kommt, nämlich aus Bayern. Solche Wahlen zeugen von Fingerspitzengefühl und einem Feeling für Ausgewogenheit: Vorgängerin Erika Drecoll stammte aus Rostock, kam also aus dem Osten der Republik. Als die Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1994 gegründet wurde – sechs Jahre nach der christdemokratischen Senioren-Union -, war das allerdings anders gewesen und hatte zunächst nach einer Verlegenheitslösung ausgesehen: Zum Start wurde einer an die Front geschickt, der Hamburger Bürgermeister, Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Schatzmeister der SPD gewesen war – nämlich Hans-Ulrich Klose. Er hatte einen Makel. Er wurde erster Vorsitzender von 60plus und musste in dies Amt in wahrstem Sinne des Wortes erst hineinaltern. Denn bei seiner Wahl war er erst 58 Jahre alt.

Zum 100. Geburtstag die Willy-Brandt-Medaille

Politische Betätigung auch im hohen Alter erhält jung. Das beweisen Notizen aus der SPD-Mitgliederzeitung „Vorwärts“, willkürlich herausgegriffen aus der Oktober-Ausgabe 2011. „Tod des Treuesten“ ist hier eine Meldung überschrieben, in dem Leben und politisches Wirken des Düsseldorfers Theo Wilhelmy gewürdigt werden. Er hatte der SPD 90 Jahre lang angehört und starb nun im Alter von 105 Jahren! 80 Jahre SPD-Mitglied ist der Heidelberger Hans Moses, der jetzt zum 100. Geburtstag die Willy-Brandt-Medaille erhielt und bei der feierlichen Ehrung gerne erzählte, dass er in jungen Jahren im Heidelberger Gewerkschaftshaus nicht selten Friedrich Ebert begegnet war…