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Bekommen Minderbegabte öfter einen Herzinfarkt?

Der IQ als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Studienergebnis bestätigt, dass sozial unterprivilegierte Menschen ein erhöhtes Risiko haben, Krankheiten zu erleiden und an ihnen zu sterben.

Ein niedriger Intelligenz-Quotient (IQ) ist nach dem Rauchen der wichtigste Risiko-Indikator für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bedeutsamer noch als Übergewicht und Bluthochdruck. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich im Hinblick auf die Gesamtsterblichkeit. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, vom britischen Medical Research Council finanzierten wissenschaftlichen Untersuchung von 1.145 Männern und Frauen im Alter von rund 55 Jahren, die über einen Zeitraum von 20 Jahren beobachtet worden waren. Sie wurde unter dem Titel „West of Scotland Twenty-07“ in der Februar-Ausgabe 2010 des „European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation“ veröffentlicht.

Untersucht wurden im Rahmen der Studie die Auswirkungen sozialer Faktoren auf die Gesundheit in der Allgemeinbevölkerung. Dabei wurden Daten zu Körpergröße, Gewicht, Blutdruck, Tabakkonsum, körperlicher Aktivität, Bildung und Beruf erfasst. Die geistigen Fähigkeiten (IQ) wurden ebenfalls ermittelt, und zwar mit einem der üblichen Intelligenztests.

Wie kann sich fehlende Intelligenz auf die Gesundheit auswirken?

Der Studienleiter Dr. David Batty nennt mehrere Mechanismen, wodurch ein niedriger IQ das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Zusammenhang von geringer Intelligenz und gesundheitsschädigendem Verhalten. Hier fehlt oft die Einsicht. Die Betroffenen rauchen, bewegen sich wenig und leiden oft unter den damit verbundenen Folgen wie Übergewicht oder Bluthochdruck. Eine weitere mögliche Erklärung sei der Umstand, dass der IQ eines Menschen als Indikator der Summe der im Laufe seines Lebens erfolgten körperlichen Schäden angesehen kann, wie sie etwa durch Krankheit oder Fehlernährung entstehen können.

Wie aber werden sich die Studienergebnisse auf das Gesundheitswesen auswirken? Jedem behandelnden Arzt ist schließlich klar, dass ein fehlender IQ den Patienten daran hindert, eine Krankheit zu „managen“ – egal, welche. Doch da der Intelligenzquotient nicht alleine von der Begabung, sondern auch von der Bildung und Ausbildung abhängt, sieht Dr. Batty Möglichkeiten zur Prävention: „Es besteht durchaus die Möglichkeit, den IQ anzuheben, wobei aber die Ergebnisse aus Studien zu Frühförderung und schulvorbereitenden Programmen noch keine eindeutigen Rückschlüsse erlauben.“

Wer wenig verdient, stirbt zuerst

„Die Konsequenzen für eine Prävention liegen ganz klar in erster Linie im gesellschaftspolitischen Bereich“,bestätigt auch Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Chefarzt Abt. Klinische Kardiologie II; Herz-Zentrum in Bad Krozingen die Studienergebnisse. „Empfehlungen zur Prävention müssen unbedingt auf die geistigen Aufnahme-Fähigkeiten und auf die realen Lebens- und Arbeits-Bedingungen des Adressaten abgestimmt sein.“

Dass sozial unterprivilegierte Menschen eine erheblich geringere Lebenserwartung haben als Bevölkerungsgruppen in den oberen sozialen Schichten ist bereits seit einigen Jahren bekannt. Prof. Gohlke dazu: „In Deutschland ist das Mortalitätsrisiko der niedrigeren Einkommensgruppen, bei vergleichbarem Alter im Vergleich zur ökonomisch am besten gestellten Gruppen um den Faktor 2,5 erhöht, und damit liegt die Bedeutung des sozialen Status – gemessen am Einkommen – in der gleichen Größenordnung wie diejenige des IQ. Das Verdienst der jetzt veröffentlichten Arbeit ist, auf die relative Bedeutung des Intelligenz-Quotienten im Vergleich zu einigen bekannten Risikofaktoren hingewiesen zu haben“, so Prof. Gohlke. „Der niedrige IQ ist nicht zwangsläufig ein Risikofaktor, sondern lediglich ein Indikator für eine höhere Gefährdung!“