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Der Mond und die Liebe

Viele Menschen schlafen bei Vollmond schlecht. Warum? Sind Vollmondnächte deshalb Nächte von Liebe und Leidenschaft? Was passiert, wenn wir uns lieben?

Es ist Vollmond. Viele Menschen wälzen sich in einer solchen Nacht ruhelos von einer Seite auf die andere. Schuld an der Schlaflosigkeit ist der Mond. Da hilft allen, die einen Partner haben, diesen zu wecken und zu verführen. Allein die Berührung tut gut, nackte Haut auf nackter Haut, Streicheleinheiten, Liebe, Leidenschaft. Dann Entspannung und ein tiefer Schlaf. Da hat auch der Mond keine Chance mehr. Danach schläft es sich gut! Warum ist das so? Gemeint sind gleich zwei Fragen. Warum sorgt der Mond für schlaflose Nächte und was passiert bei Liebe und Leidenschaft in unserem Körper? Hier soll nach gänzlich leidenschaftslosen Antworten gesucht werden.

Bei Vollmond schlafen viele Menschen schlecht

Laut dem Soziologen Edgar Wunder lässt sich die Schlaflosigkeit bei Vollmond leicht erklären. Er hat über 500 wissenschaftliche Studien zum Thema Mond, Mondsüchtigkeit und ähnlichem ausgewertet. Die Antwort ist ernüchternd einfach und auch logisch. Es liegt am Licht. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass durch zu viel Licht bei Nacht zu wenig vom Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet wird. Daher schlafen viele Menschen schlecht. Auch die Mondwandler werden nicht nur vom Mond, sondern allgemein vom Licht angezogen. Eine helle Straßenlaterne vor dem Fenster kann also wie ein Vollmond wirken. Viele Regeln, die in Mondkalendern aufgestellt werden, lassen sich wissenschaftlich nicht bestätigen. Dennoch ist das Gärtnern und vieles mehr nach dem Mond fest im Glauben der Menschen verankert. Auch die Liebe ist so wie das Wissen um den Mond ein oft unerklärliches Phänomen.

Die Haut braucht Berührung und Streicheleinheiten

Die Berührung der Haut tut gut. Sie ist das sensibelste Sinnesorgan und hat mehr Einfluss auf unser Wohlbefinden, als allgemein bewusst ist. Haut und Psyche stehen in engem Zusammenhang. Seelischer Stress widerspiegelt sich oft auf der Haut. Die alltäglichsten Reaktionen sind das Erröten und die Gänsehaut. Aber nicht nur die Haut reagiert auf die Psyche, sondern auch andersherum die Psyche auf die Haut. Nach einer guten Massage fühlen sich viele entspannt. Bei Frühchen ist erwiesen, dass sie sich besser entwickeln, wenn man sie regelmäßig berührt. Und Verliebte, die sich ständig umarmen und liebkosen, stärken ihr Immunsystem, senken den Blutdruck und stabilisieren die Verdauung. Dies dürfte die Liebenden wenig interessieren. Wäre es anders, könnten sie dem Reiz des Partners trotzdem nicht widerstehen. Kuscheln und Streicheln sorgen für reichlich Glückshormone im Körper.

Leidenschaft und Sex – Hormone und mehr spielen mit

Menschliche Lust funktioniert zum Glück nicht nur nach den Regeln der Biochemie. Dennoch sind die Ergebnisse der Forscher spannend, die den Hormoncocktail inzwischen genau kennen, der sich vor, während und nach dem Sex im Körper einstellt. Beginnt das Liebesspiel, kommen alle Sinne auf ihre Kosten. Die Augen nehmen dunkle, große Pupillen wahr – ein Zeichen für sexuelle Erregung. Die Nase erschnuppert anregende Sexuallockstoffe (Pheromone), 3000 Sinneszellen pro Kubikzentimeter Haut leiten zartes Streicheln an das Gehirn weiter. Die Ohren vernehmen tiefes Atmen und der Mund beginnt den des anderen zu erkunden. So kommt im Gehirn ein Strauß sexueller Reize an, der es anregt, Hormone auszuschütten, die die Liebenden noch empfänglicher für diese machen. So wird aus Lust Leidenschaft. Die wichtigsten Stoffe, die das dazugehörige Glücksgefühl auslösen, sind Endorphine, Botenstoffe zwischen den Nervenzellen, das Hormon Oxytocin, welches beim Orgasmus freigesetzt wird und das Hormon Adrenalin, ein Aktivitätshormon. Dennoch spielt der Kopf bei allem erheblich mit. Fast 4 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte des Menschen führten zu einem komplexen System seiner Erotik, in dem Erwartungen, Ängste, Erfahrungen und selbst gesellschaftliche Normen eine Rolle spielen. Alle Erkenntnisse der Biochemie lassen zahlreiche Fragen zum Thema Liebe und Leidenschaft offen. Beides lässt sich nicht auf biologische Prozesse reduzieren. Fakt ist, egal ob wissenschaftlich bewiesen oder nicht, Männer schlafen nach dem Sex beinahe sofort ein (Ausnahmen bestätigen die Regel). Inwieweit sich Männer über ihre gleich einschlafenden Frauen beschweren, kann vernachlässigt werden, denn diese Männer würden zur besagten Ausnahme zählen.

Ob es der Mond so wollte?

In Vollmondnächten ist der Mensch aktiver. Der Psychiater Arnold L. Lieber prägte den Begriff des Lunar-Effektes. Er untersuchte den Zusammenhang zwischen Vollmond und kriminellen Handlungen. Auch in Psychiatrien und Krankenhäusern wird bestätigt, dass in Vollmondnächten die Unfall- und Tötungsrate steigt. Angesichts sinkender Kinderzahlen kann eine erhöhte sexuelle Aktivität in Vollmondnächten sicher als positiver Effekt gesehen werden. Tiere bauen durch sexuelle Aktivität ihre Aggressionen ab. Dies ist gut erforscht. Die Menschen sollten es mit Streicheleinheiten und Liebe ebenso versuchen. Lustbefriedigung gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen. Die größte Lust erreichen sie dabei immer, wenn sie sich lieben. Wenn es mal wieder Vollmond ist und Sie liegen wach, wecken Sie Ihren Partner. Der Mond will es so!