X

Der Trend zu weniger Kohlenhydraten

Weniger Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln zu essen soll schlank und gesund machen. Stimmt das?

Low Carb, Anti-Krebs-Diät, Steinzeitdiät, LOGI und viele andere Ernährungsformen, die in der letzten Zeit aufgekommen sind, haben eines gemeinsam. Sie alle propagieren ein Essen mit deutlich weniger Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln, kurz mit weniger Kohlenhydraten.

Kohlenhydrate sind nicht essentiell

Tatsächlich braucht der Körper so gut wie keine reinen Kohlenhydrate oder Lebensmittel mit einem hohen Kohlenhydratanteil. Er ist durchaus in der Lage, die für das Gehirn und die Muskeln nötigen Kohlenhydrate selbst herzustellen. Dafür schaltet er auf die sogenannte Ketogenese um. Das dauert etwa zwei Tage, danach funktioniert der Mensch wieder mit voller Leistung. Einen Mangel an gesunden Fetten wie z.B. an Omega-3-Fettsäuren oder ein Defizit an Eiweiß kann er jedoch ebenso wenig ausgleichen, wie einen anderen Nährstoffmangel. Da hilft nur eine Ernährungsumstellung.

Kaum Vitalstoffe in industriell verarbeiteten Lebensmitteln

In der Natur sind Kohlenhydrate vor allem in Getreide, Kartoffeln und Obst enthalten. Letzteres enthält reichlich Vitamine, Antioxidantien, Ballaststoffe und Mineralien. Der Körper nimmt mit den natürlich enthaltenen Zuckern also gleichermaßen ein ganzes Arsenal von Wirkstoffen auf, die ihn fit und gesund erhalten. Auch Getreide ist ein Naturprodukt, doch wird es in der modernen Gesellschaft überwiegend raffiniert verarbeitet, gekocht oder gebacken. Sämtliche Vitalstoffe gehen dabei meist gänzlich verloren. Auch beim Backen eines Vollkornbrotes werden Vitamine und Antioxidantien zerstört. Einige Antioxidantien halten zwar mitunter Temperaturen bis 180 Grad aus, doch wird Brot meist bei deutlich höheren Temperaturen gebacken. So verarbeitete Getreideprodukte sind nur noch reine Energielieferanten. Mit gekeimtem Getreide und Vollkornflocken ist das anders. Hier ist noch alles drin.

Das metabolische Syndrom

Die amerikanischen Wissenschaftler Richard Feinman und Jeff Volek kamen zu dem Schluss, dass Symptome wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker und Übergewicht, die unter dem Fachbegriff „metabolisches Syndrom“ zusammengefasst werden, unter einer kohlenhydratarmen Ernährungsweise verschwinden können. Viel frisches Gemüse und Obst sowie hochwertiges Eiweiß aus Milchprodukten, Fleisch und Fisch tragen ihr Übriges zu einem gesunden Leben bei.

Kohlenhydrate nicht über einen Kamm scheren

Bei Fett machte man schon den gleichen Fehler: Die Ernährungswissenschaftler scherten sie alle über einen Kamm. Dieser Fehler darf sich bei Kohlenhydraten nicht wiederholen. Vor allem die leeren Kohlenhydrate gilt es, zu reduzieren. Ein Blick auf die Zutatenliste der meisten handelsüblichen Lebensmittel lohnt sich. Denn nicht nur auf Zucker sollte man achten. Auch hinter Begriffen wie Glukose, Glukosesirup, Stärke, Sorbit-Sirup, Dextrose, modifizierte Stärke und Weizenmehl, Karamelzuckersirup, Laktose und Maltodextrin verbergen sich die leeren Kohlenhydrate. Gegen die Zucker aus Obst und Gemüse, aus gekeimtem oder unraffiniertem Getreide ist hingegen nichts zu sagen. Ihre „Verpackung“ bringt viel Gutes für den Körper mit. Ähnlich verhält es sich mit Vollkornprodukten, die bei relativ geringen Temperaturen verarbeitet werden, sofern sie nicht zu sehr raffiniert wurden. Und wer die Woche über mit Joghurt und Müsli frühstückt, freut sich am Sonntag auch mal auf das „Ausnahmebrötchen“.