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Ein Loblied auf die Siesta

Die lange Mittagspause zwischen 14 und 17 Uhr gehört zur Kultur Spaniens und anderer südlicher Länder. Doch europäische Arbeitsnormen stehen dem entgegen.

Es soll ja Leute geben, für die ist nicht nur das bessere Wetter ein Auswanderungsgrund in den Süden Europas, sondern auch die Siesta, die lange Mittagspause zwischen 14 und 17 Uhr. Doch ist dieser Tagesablauf für Mittel-und Nord-Europäer erst einmal gewöhnungsbedürftig. Die normale Arbeitszeit in Spanien geht in Büros und Geschäften so ab 9 .00 oder 10.00 bis 14.00 Uhr und dann wieder ab 17.00 bis 20.00 oder 21. 00 Uhr. Ökonomisch und ökologisch bedeutet das erst einmal Nachteile:

  • Man muss vier Mal ins Auto oder die öffentlichen Verkehrsmittel steigen, um zum Arbeitsplatz zu kommen, ergo
  • vier Mal Berufsverkehr, Stau und entsprechend mehr Energieverbrauch und Umweltbelastung
  • ein Wettrennen bei der Kommunikation im internationalen, vor allem europäischen, Bereich: Bis 12.00 Uhr oder 12.30 Uhr erreicht man die europäischen Partner im Büro, ab 17.00 aber meist gar nicht mehr: Bleiben pro Tag nur zwei sich überlappende Stunden der Arbeitszeit.
  • Ergonomisch zu lange Pause. Man ist aus dem Arbeitssachverhalt herausgerissen und findet nur schwer wieder den Anknüpfungspunkt, oft nur verbunden mit langer Anlaufzeit.

Spanien diskutiert die Abschaffung der Siesta, die Ungarn wollen sie einführen

Während Spanien über die Abschaffung beziehungsweise Angleichung an europäische Arbeitsnormen diskutiert, nimmt man in Ungarn eine Volksbefragung in Angriff, nach der die Siesta gesetzlich verankert werden soll. Kein Wunder, das Balkanvolk hat im Sommer in den schattenlosen Steppen Temperaturen von 45-48 Grad!

Die lange Mittagspause lässt genügend Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen zuhause und noch obendrein für ein Nickerchen. Wissenschaftler stellten fest, wie gesund doch so ein Mittagsschlaf ist:

  1. Es kommt unserer inneren Uhr entgegen,
  2. reduziert Stress,
  3. steigert die Konzentration
  4. und die Lernfähigkeit anschließend.
  5. Außerdem sei es besser, seinen Schlaf zwei zu teilen als in einem Nachtblock zu nehmen.

Siesta-Anhänger sind nicht faul, sondern leben gesünder

Der Mensch hat zwei biologische Tiefpunkte: Einen um etwa zwei Uhr nachts, den anderen aber um zwei Uhr mittags, dann, wenn die nördliche Arbeitsbevölkerung aus der Kantine kommt und wieder laut dem Arbeitsplan in den Industriestaaten froh weiter schaffen soll. Dies aber läuft Mutter Natur zuwider.

Laut Dr. Paula Anthony vom Klinikum Santa Cecilia in Nerja an der Costa Tropical östlich von Málaga entspräche das Mittagsschläfchen unserer evolutionären Entwicklung: schließlich komme der Homo sapiens aus Afrika und je mehr man sich dem Äquator nähere, umso mehr gehört die Mittagsruhe zur Kultur, um die starke Mittagssonne zu vermeiden. Kinder und ältere Leute, die gern nachmittags schlafen, sind uns da eindeutig voraus.

Eine wichtige Information aber noch: das erfrischende Nickerchen sollte idealerweise 20 Minuten dauern, länger als 30 bis 40 Minuten erzeugt dann schon wieder ein Gefühl der Schlappheit.

Fazit: Sollten wir nördlich der Pyrenäen und Alpen uns nicht lieber aus Gründen des Wohlbefindens an der spanischen Siesta ein Beispiel nehmen und umgekehrt fordern: Siesta in allen Ländern der Europäischen Union?