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Fernbeziehungen – Liebe auf Distanz

Wie lebt und liebt es sich, wenn der Partner im Alltag buchstäblich meilenweit entfernt ist?

Mobilität und Flexibilität sind heutzutage besonders in der Arbeitswelt nahezu selbstverständlich. Gibt es am jeweiligen Wohnort keinen geeigneten Arbeitsplatz, wird häufig ein Umzug oder alternativ der Aufenthalt in einer anderen Stadt unter der Woche in Kauf genommen. In modernen Beziehungen ist es daher nicht mehr ungewöhnlich, dass man den Partner mehrere Tage oder gar Wochen nicht sehen kann. Eine ähnliche Situation kann eintreten, wenn man sich, heute weit verbreitet, beispielsweise übers Internet kennen- und lieben lernt.

Ganz gleich, aus welchem Grund man eine Fernbeziehung eingeht, man hat immer mit denselben Problemen zu kämpfen: mangelnde körperliche Nähe, Eifersucht, die aufgrund fehlender gemeinsamer Erlebnisse ständig drohende Gefahr, sich auseinander zu leben. Und, ganz banal, schlicht und ergreifend die Tatsache, dass man sich manchmal wie ein Single fühlt, obwohl man keiner ist.

Allein im Alltag trotz Partnerschaft

Menschen, die in unmittelbarer Nähe mit ihrem Partner leben, fällt es oft schwer, sich in die Lage derjenigen hineinzuversetzen, die nur davon träumen können, nach einem anstrengenden Arbeitstag mit dem/der Liebsten auf dem Sofa zu kuscheln. Wie man „so was denn aushält“, wird nicht selten gefragt. So genau weiß man das wahrscheinlich selbst nicht, genauso wenig, wie man weiß, wie man überhaupt da hineingeraten ist. Aber es ist eben so, und man hält es aus.

Man hat kleine Rituale entwickelt, die fester Bestandteil eines jeden Tages werden, wie zum Beispiel die Guten-Morgen-SMS oder das kurze Telefonat/der Chat am Abend. Die Zeiten, in denen man tagelang auf einen handgeschriebenen Brief der/des Geliebten warten musste, gehören glücklicherweise der Vergangenheit an; gepriesen seien das Mobiltelefon und das Internet, das es uns ermöglicht, dem anderen beim Videochat sogar in die Augen zu sehen. Was einem das Gefühl gibt, dem anderen nahe zu sein, auch wenn hunderte oder tausende Kilometer dazwischen liegen.

Eins ist ganz klar zu sagen; einen Ersatz für die körperliche Nähe gibt es nicht, kann es nicht geben. Aber ein paar liebe Worte per SMS, ein kurzer Chat machen den Alltag erträglicher und verkürzen zumindest die gefühlte Zeit bis zum nächsten Treffen.

Vertrauen ist das A und O

Voraussetzung für eine gut funktionierende Liebe auf Distanz ist aber, dass man einen Partner hat, dem man vertrauen kann. Ständige Befürchtungen, der/die andere könnte fremdgehen, während man selbst nicht da ist, vertreiben auf Dauer selbst die hartnäckigsten Schmetterlinge aus den Bäuchen der Verliebten, und ist das erst einmal passiert, sind Streitereien programmiert. Was nicht heißt, dass man blauäugig über alle eventuellen Unstimmigkeiten hinwegsehen darf. Auch wenn es schwer fällt, die knapp bemessene gemeinsame Zeit mit Problemen zu belasten, sollte man lieber rechtzeitig über das sprechen, was einen beschäftigt. Im Idealfall lösen sich dann die Zweifel in Luft auf, und man kann seinen Schmetterlingen freien Lauf lassen.

Die positiven Seite des Alleinseins

Wie alles im Leben hat eine Fernbeziehung natürlich auch ihre positiven Seiten. Beide Partner haben die Chance, ihr eigenes Leben zu führen und sich uneingeschränkt den eigenen Interessen zu widmen. Streitereien des Alltags über banale Dinge wie herumliegende Socken oder zusammengerollte Zahnpastatuben bleiben aus. Und auch für die Freunde und Hobbies ist immer genug Zeit. Wenn man es so will, ist das unfreiwillige Single-Leben trotz Beziehung nicht immer nur lästig.

Besonders freiheitsliebende Persönlichkeiten werden zu schätzen wissen, wenn sie ihren Alltag alleine strukturieren können und sich dabei nicht mit jemand anderem absprechen müssen. Und letztendlich tragen die Distanz und das Warten dazu bei, dass die seltenen gemeinsamen Stunden umso intensiver empfunden werden. Das kann die Liebe länger frisch halten, als wenn man bereits in den ersten Wochen oder Monaten der Beziehung mit Alltagsproblemen konfrontiert wird.

Ein großer Schritt: von der Fernbeziehung in die gemeinsame Wohnung

Inwiefern sich die Gefühle füreinander dann auch im täglichen Leben bewähren, wird jedes Paar spätestens dann herausfinden, wenn die Entscheidung getroffen wird, zusammenzuziehen. Darauf läuft es beinahe zwangsläufig hinaus, wenn beiden Partnern die Beziehung ernst ist. Vielleicht gibt es ein böses Erwachen, vielleicht läuten bald die Hochzeitsglocken. Die Chancen dafür stehen ebenso gut wie schlecht – wie bei jeder anderen Beziehung.

All denjenigen, die das Wagnis „gemeinsamer Alltag“ eingehen, sei an dieser Stelle viel Glück gewünscht. Einen todsicheren Tipp, wie so was funktioniert, gibt es (leider) nicht, aber mit einer guten Portion Vertrauen, Verständnis und Kompromissbereitschaft ist man sicher auf dem richtigen Weg – genau wie in jeder anderen Beziehung.