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Hochzeit im Vintage-Stil: Nicht nur Stars heiraten klassisch 

Viele wollen ihr neues Eheglück in einem alten Hochzeitskleid beginnen: Über Charme, Botschaft und Geschichte alter Hochzeitsmoden.

Wie Prinz und Prinzessin

Wer einfach nur heiraten möchte, der kann das auch in Jeans und T-Shirt. Standesämter scheren sich wenig darum, wie die zukünftigen Eheleute gekleidet sind, wenn sie zur Trauung kommen. Die meisten möchten den schönsten Tag ihres Lebens aber gern aufwändiger gestalten, viele haben sogar seit ihrer Kindheit klare Vorstellungen davon, wie sie einmal heiraten wollen.

Vor allem Frauen träumen von einer romantischen Hochzeit: Wie eine Prinzessin wollen sie mit ihrem Prinz zum Altar schreiten, in einem klassischen Kleid mit Schleier, den Brautstrauß in der Hand, die Schleppe von Brautjungfern getragen.

Ist das kitschig? Keineswegs. Im Idealfall ist die erste Hochzeit für das Brautpaar auch die letzte. Für den Rest ihres Lebens wollen Braut und Bräutigam als Mann und Frau zusammenbleiben, fette und magere Jahre teilen, Unwetter, Krisen und Schicksalsschläge gemeinsam überstehen. Und nie werden sie den Tag vergessen, an dem sie sich ewige Treue geschworen und ihre Liebe vor der Welt bekannt und besiegelt haben.

Schöne Traditionen

Früher war es in vielen Gemeinden Brauch, dass die Mutter des Bräutigams das Brautkleid aussuchte und auch bezahlte. Die Brautmutter kümmerte sich traditionell um das Essen, entschied über die Speisenfolge und buk den Hochzeitskuchen. Der Bräutigam trug in der Kirche Frack und Zylinder, die Braut ging in Weiß. Zum langen Kleid gehörten feine, gehäkelte Handschuhe, Schmuck aus der Familienschatulle und der klassische Myrtenkranz auf dem Kopf. Die Kirchentreppen und der erste Weg des frischgebackenen Ehepaares wurden von Kindern mit Blumen oder Tannengrün bestreut.

Den Brautstrauß bekommt die Braut vom Bräutigam. Noch heute ist es vielerorts üblich, glücksbringende Symbole einzubinden, beispielsweise Pfeffer, Salz, Brot oder Münzen.

Something old, something new …

… something borrowed, something blue and a lucky six-pence in your shoe: Ein englischer Hochzeitsbrauch, der in Deutschland durch die Hochzeit von Lady Diana und Prince Charles bekannt geworden ist, erfreut sich inzwischen auch hierzulande großer Beliebtheit.

Die Braut trägt bei der Hochzeit etwas Altes als Symbol ihres bisherigen Lebens, beispielsweise ein Familienschmuckstück. Neu ist meist das Brautkleid und steht für das neue Eheleben. Etwas Geliehenes bekommt die Braut als Zeichen von Freundschaft und Eheglück von einer Freundin, die bereits glücklich verheiratet ist, und etwas Blaues steht für die Treue. Der Glückspfennig im Schuh ist das Sahnehäubchen, das den materiellen Wohlstand symbolisieren soll.

Hochzeit im edlen Vintage-Kleid

Nirgends steht geschrieben, dass das Hochzeitskleid neu sein oder der neuesten Mode entsprechen muss. Das Heiraten in klassischen Vintage-Kleidern ist nicht nur unter Hollywoodstars Trend. Den alten Hochzeitsroben wohnt ein besonderer Zauber inne, sie haben ihre eigene Geschichte, jede ist so einzigartig und wertvoll wie Trägerin und Anlass. Pompös oder skulptural geschnitten, mit imposantem oder filigranem Faltenwurf, verziert mit aufwändigen Stickereien oder Spitzen: Vintage-Kleider verwandeln jede Braut in eine Prinzessin. Dabei ist es ganz Geschmacks- und Gefühlssache, ob im Kleid aus den 1920er oder 1950er Jahren geheiratet wird, im amerikanisches Ballkleid, in mittelalterlicher Tracht oder mit einem viktorianischen Kunstwerk auf der Pfirsichhaut: Jede frühere Braut, die das Kleid schon getragen hat, geht mit. In Schleier und Schleppe sind alte Geschichten und neue Hoffnungen miteinander verwoben: Eine wunderschöne Vorstellung.

Farben, Schnitte und Schwachstellen

Bei Vintage-Hochzeitskleidern sind Cremetöne sehr gefragt und auch häufiger zu finden, da Reinweiß mit den Jahren eine natürliche und reizvolle Patina bekommt. Zartes Rosa, Juwelen- und Champagnerfarben schmeicheln jedem Teint. Aus den 1950er Jahren sind Träume aus Tüll, Taft und Spitze erhalten geblieben, die auf den Listen vieler Vintagefans ganz weit oben stehen.

Wer sich nach einem Traumkleid im Vintage-Stil umsieht, darf sich nicht blenden lassen: Auch das schönste gebrauchte Kleid kann Fehler haben. Zwischen alten, nicht mehr herauswaschbaren Schweißspuren und einem losen Fädchen am Saum liegt eine großzügige Grauzone, die das zukünftige Brautpaar selbst ausloten muss. Einem Kleid, in das sich die Braut verliebt hat, wird dabei natürlich am meisten verziehen.