X

Kann eine Liebe bedingungslos sein? Welche Rolle spielt der Verlust?

Liebe – Verlangen – Verlust. Was würden Sie sagen, wenn Sie jemand fragt, wieso Sie ihren Partner oder irgendeinen anderen Menschen lieben. Ist Liebe Begehren? Ein Begehren nach der menschlichen Nähe, nach Lust, Genuss und nach einer sexuellen Bindung?

In einem anderen Artikel schrieb der Autor über die Gefahr der Sucht, wenn es um Sexualität geht. Die während des Geschlechtsverkehrs innewohnende Zweisamkeit gibt ein ganz bestimmtes Gefühl der Geborgenheit und Nähe, doch sobald dieses Gefühl nachgelassen hat, beginnt wieder eine Form der inneren Unruhe. Diese Unruhe lässt den Wunsch, den Drang aufkommen, jenen Zustand der Nähe und der Selbstaufgabe zu wiederholen. Wenn eine Partnerschaft entsteht und man eine Liebe gegenüber dem Partner empfindet, dann beinhaltet diese Liebe meist sexuelle Lust und ein ganz bestimmtes Gefühl der Absicherung, nämlich, dass jemand da ist, auf dem man sich verlassen kann. An dieser Stelle sind Sie abhängig, denn sie „brauchen“ den Partner für ihr eigenes Wohl, Ist das Liebe? Tritt eine Störung ein, so wird Eifersucht wach, ist das Liebe? Verlustangst, Eifersucht, Zorn, Neid, sind das die Dinge, die man als Liebe finden kann?

Bedingte Liebe

Im Grunde scheint es so zu sein, dass wenn Sie einen Partner haben, innerlich sagen: „Solange du in meinem Leben bist, liebe ich dich, aber sobald du nicht mehr mir gehörst, kann ich dich nicht mehr lieben.“ Diese Aussage soll nicht pauschal sein, sondern lediglich eine Erfahrung des Autors widerspiegeln und einen Zugang zur Thematik eröffnen.

Vielen Menschen scheint es so zu gehen. Solange der Partner die eigenen Wünsche erfüllt, kann man ihn lieben. Aber sobald er die Wünsche nicht mehr befriedigt, ist es um die Liebe geschehen.

Ist es möglich, eine Liebe zu führen, in der es keine Wünsche gibt? Eine Liebe, in der die Partner frei sind und nicht an den anderen gebunden? Ist dies vorstellbar? Wenn ja, was für einen Nutzen hätte eine Partnerschaft, in der es keine Wünsche gäbe?

Einige Philosophen haben sich dieser Frage gestellt. Hierbei wird stets betont, dass es wichtig ist, keine Anforderungen an eine Liebe zu haben, denn damit würde man sie zerstören. Zu einem Menschen zu gehören, von ihm abhängig zu sein, ist der Grund für Furcht, Eifersucht, Unruhe und Angst. Die größte Angst ist dabei wohl die Verlustangst. Entweder hat man Angst, den Partner zu verlieren oder man hat Angst irgendwelche Teile des eigenen Lebens zu verlieren. Solange man Angst hat, ist es schwer, einer Liebe nachzugehen, da diese stets von einer inneren Unruhe her begleitet wird. Dabei ist die Frage doch so einfach: Wovor hat man eigentlich Angst? Was wäre so schlimm, einen Menschen zu verlieren? Ist es die Angst vor Veränderung? Die Nagst vor möglichen unbekannten Situationen? Das Gefühl der Einsamkeit? Was ist daran so schlimm, sich einsam zu fühlen? Ist man wirklich einsam? Ganz allein?

Bedingungslose Liebe

Wäre es nicht eine enorme Erleichterung für einen selbst und für den Partner, wenn man sich frei machen würde von Ängsten, Zwängen und Wünschen. Kierkegaard schrieb schon, dass alles Übel beim Vergleich anfängt, beim Abwägen von „Gut“ und „Schlecht“. Welchen Sinn hat es denn, das Verhalten des Partners in die Kategorien von „Gut“ und „Schlecht“ einzusortieren? Wem ist damit geholfen? An dieser Stelle seien Extremfälle wie Misshandlung etc. außenvorgelassen. Es geht um eine durchschnittliche Partnerschaft.

Wozu vergleicht man eine jetzige Beziehung mit einer vorherigen oder die eigene Beziehung mit der von den Nachbarn? Muss man sich selbst einordnen, um sagen zu können, man sei besser oder schlechter dran?

Liebe und Verlust

Wenn ein Mensch, den man liebt, geht, warum wird geweint? Weint man um den anderen oder weint man um das eigene Leben, weil dieses etwas verloren hat? Ist es nicht eher das Mitleid mit sich selbst, das diese Tränen auslöst? Ein indischer Philosoph sagte diesbezüglich, dass die Trauer um einen Menschen, in den man viel Zuneigung investiert hat, keine echte Trauer ist, sondern nur Selbstmitleid.