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Krebs im Kindesalter – Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit

Strahlen- und Chemotherapie führen zu Unfruchtbarkeit. In einigen Fällen ist es möglich, Eizellen einzufrieren, um einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen.

Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind selten und das Langzeitüberleben liegt bei mehr als 70%. Dennoch leiden Betroffene als Erwachsene häufig unter eingeschränkter Fruchtbarkeit oder sogar Unfruchtbarkeit, da Chemo- und Strahlentherapie die Eierstöcke bzw. Hoden schädigen. Dieses Risiko kann vor Therapiebeginn erkannt und umfassend mit Eltern und Betroffenen diskutiert werden. In einigen Fällen könnten Spermien oder Eizellen eingefroren und konserviert werden, um die Chance auf ein eigenes Kind im Erwachsenenalter zu erhöhen.

Schädigung von Eierstöcken und Gebärmutter

Die Zahl reifungsfähiger Follikel in den Eierstöcken nimmt mit steigender Strahlungsdosis ab. Dies geschieht bei Ganzkörperbestrahlung ebenso wie bei Bestrahlung des Bauchraumes oder des Beckens. Die Toleranz der Eierstöcke und Follikel gegenüber Strahlung ist sehr gering. Diese wirkt in den Eierstöcken direkt auf die Follikel ein und lässt sie absterben. Langfristig kommt es daher im Ergebnis bei einer Vielzahl der behandelten Mädchen zu einer dauerhaften Schädigung der Eierstöcke mit Unfruchtbarkeit. In gleicher Weise kann eine Chemotherapie zur dauerhaften Einschränkung der Funktion der Eierstöcke führen. Als Folgen treten Unfruchtbarkeit, frühe Menopause noch vor dem Erwachsenenalter oder Entwicklungsstörungen bei einem zukünftigen Embryo auf.

Im Uterus hingegen schädigt die Bestrahlung vor allem die Muskulatur und damit die Elastizität der Gebärmutterwand sowie deren Durchblutung. Als Spätfolge besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten oder geringere Geburtsgewichte der Neugeborenen. Bisher liegen keine Berichte vor, dass eine Chemotherapie die Gebärmutter schädigt.

Schädigung der Hoden

Die Hoden sind im besonderen Maße strahlungsanfällig. Bereits geringste Dosen können die Spermienbildung beeinträchtigen oder dauerhafte Schäden verursachen. Die Leydig-Zellen, die in den Hoden die Testosteron-Produktion übernehmen, sind strahlungsresistenter. Dadurch kann die Strahlentherapie bei Jungen zur Zeugungsunfähigkeit führen, obgleich testosteronabhängige, sekundäre Geschlechtsmerkmale (z.B. Bartwuchs, breite Schultern, Körperbehaarung) normal ausgebildet werden. Ebenso sensitiv reagiert das spermienbildende Hodengewebe auf die Chemotherapie. Derzeit wird mit einigem Erfolg an neuen Zusammensetzungen gearbeitet, um die Schädigung des Hodengewebes und damit das Risiko für eine spätere Zeugungsunfähigkeit zu verringern.

Kryokonservierung und Fortpflanzungserhalt bei Mädchen

Momentan gibt es für Mädchen nur zwei etablierte Verfahren zur Erhaltung der Reproduktionsfähigkeit. Bei der ersten Methode, der Eierstock-Verlagerung (= Ovarien-Transposition, Oophoropexy), werden die Eierstöcke vor Therapiebeginn operativ aus dem Bestrahlungsfeld verlegt, um sie vor einer Schädigung zu schützen. Das zweite Verfahren nutzt im Falle erwachsener Frauen die Möglichkeit, Embryonen einzufrieren und so zu konservieren. Für Mädchen gibt es den vielversprechenden Ansatz, Eierstockgewebe mit enthaltenen Follikeln chirurgisch zu gewinnen und für eine zukünftige Rückverpflanzung (= Reimplantation) einzufrieren.

Möglichkeiten zur Erhaltung der Fortpflanzungsfähigkeit bei Jungen

Das Gewinnen und Einfrieren von Spermien ist bei erwachsenen Männern problemlos möglich. Hingegen ist dieses Verfahren bei Kindern und Jugendlichen nur sehr schwer anzuwenden. Die Spermien von pubertären Jugendlichen sind häufig unzureichend entwickelt und somit von geringer Qualität für den Einfrierprozess. Die Gewinnung von Keimzellen aus vorpubertären Jungen befindet sich in einem experimentellen Stadium. Derzeit gibt es demnach noch kein anerkanntes Verfahren, um die Zeugungsfähigkeit dieser Kinder während und nach einer Krebstherapie zu erhalten.