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Multiple Sklerose: Anzeichen und Diagnose

Die MS ist in Verlauf und Beschwerdebild von Patient zu Patient unterschiedlich, so dass allgemeingültige Aussagen nur bedingt gemacht werden können-

Eine Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann das Gehirn, das Rückenmark und auch die Sehnerven befallen. Die MS gehört zu den Immunerkrankungen, das bedeutet, Entzündungs- und Abwehrzellen des Körpers sind fehlreguliert und greifen fatalerweise körpereigene Gewebe an. Im Falle der Multiplen Sklerose werden die Nerven geschädigt, inklusive der umhüllenden Schicht. Diese Schicht ist vergleichbar mit der Isolierschicht elektrischer Kabel. In diesem Falle sorgt diese Schicht, dass die Nervenimpulse mit der richtigen Geschwindigkeit an den gewünschten Ort gelangen.

Multiple Sklerose: erste Krankheitszeichen

Eine Multiple Sklerose entwickelt sich weniger schleichend, sondern erste Zeichen entstehen aus meist völligem Wohlbefinden heraus. Eine schrittweise Entwicklung ist eher selten. An allererster Stelle der Symptomatik stehen Gefühlsstörungen, die sich bei mehr als jedem dritten Betroffenen entwickeln. Beine oder Arme fühlen sich beispielsweise taub an oder kribbeln. Bei jedem fünften entwickelt sich eine extreme Müdigkeit, Probleme bei der Verdauung oder die Betroffenen können nicht mehr richtig gehen oder stehen. Bei circa sechzehn Prozent der Erkrankten entwickelt sich als erstes Symptom Sehstörungen. Multiple Sklerose führt auch zur Muskelbeeinträchtigung der Arme und Beine Zuerst entwickelt sich Kraftlosigkeit. Spastik, Steifheit und Lähmungserscheinungen können folgen.

Missempfindungen bei MS

Die meisten Patienten berichten von spontanen Missempfindungen, in der medizinischen Terminologie auch Parästhesien genannt. Äußern können sie sich als Kribbeln, Taubheitsgefühle, aber auch als Brennen oder Schmerzen. Betroffen sind häufig die Hände oder Füße. Die Bereiche werden charakteristisch oft als handschuh- oder sockenförmig beschrieben. Eine fleckförmige Ausbreitung ist auch möglich. Missempfindungen, beziehungsweise Gefühlsstörungen sind zwar ein häufiges Erstsymptom, werden jedoch oft nicht direkt als Anzeichen einer MS erkannt, da sie auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können. Anfänglich werden sie vom Patienten auch eher als diffus beschrieben und können daher nicht gut eingegrenzt werden.

Multiple Sklerose: Weitere Anzeichen

Die drei wichtigsten Anzeichen einer Multiplen Sklerose sind Gefühlsstörungen, Sehstörungen und Muskellähmungen. Es gibt jedoch noch weitere Symptome. Anzeichen können sein:

  • Geschmacksstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Gestörte Stuhlentleerung
  • Gestörte Sexualfunktionen
  • Gestörte Schweißsekretion
  • Facialisparese
  • Trigeminusneuralgie

Multiple Sklerose und Psyche

Menschen mit MS neigen zu Stimmungsschwankungen und depressiven Symptomen wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Schlaflosigkeit. Es können sich jedoch auch euphorische Episoden entwickeln, die völlig konträr zum eigentlichen Krankheitsbild stehen.

Grundsätzlich kann eine Multiple Sklerose alle genannten Symptome einzeln oder aber auch in Kombinationen zeigen.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Wie bei jeder anderen Erkrankung kann eine Multiple Sklerose leicht erkannt werden, wenn denn Symptome und der Krankheitsverlauf eindeutig sind. Wenn die MS jedoch atypisch verläuft, was leider nicht selten ist, stellt sie immer wieder selbst erfahrene Neurologen bezüglich der Diagnose vor große Schwierigkeiten. Nicht umsonst wird die MS auch als „Krankheit mit 1.000 Gesichtern“ bezeichnet. Die Beschwerden können stark variieren und individuell sehr unterschiedlich sein. Außerdem sind sie gerade im Anfangsstadium teilweise so unspezifisch und gering ausgeprägt, dass die Diagnose erst nach geraumer Zeit gestellt wird.

Zur Diagnose einer Multiplen Sklerose sind umfangreiche diagnostische Verfahren notwendig. Zu diesen gehören neben der ausführlichen Anamnese, eine klinische, eine elektophysiologische und eine MRT-Untersuchung. Weitere Aufschlüsse geben Blutuntersuchungen und die Entnahme von Liquor (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit). In klinischen Tests werden Sehfunktion, Motorik und Reflexe des Erkrankten überprüft. Bei den elektrophysiologischen Kontrollen wird unter anderem die Empfindungsfähigkeit der Extremitäten (Arme und Beine) überprüft und somit auch die Leitfähigkeit der Nerven. Dies ist ein wichtiges Verfahren, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie der MS

Es gibt derzeit immer noch kein spezifisches Medikament gegen Multiple Sklerose, deshalb gilt sie auch als noch nicht heilbar. Dies sollte jedoch keinen Betroffenen verzweifeln lassen, denn zahlreiche Medikamente und andere Therapien können den Verlauf der MS sehr günstig beeinflussen. Das bedeutet, Beschwerden können gelindert und das Fortschreiten der Erkrankung für lange Zeit hinausgezögert werden.