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Problem Reizblase

Ist die Blase ständig gereizt, schwindet schnell die Lebensqualität. Menschen mit einer Reizblase stehen oft am Rande ihrer Belastbarkeit. Das Gefühl ständig zur Toilette zu müssen, zerrt an den Nerven. Doch es gibt Therapiemöglichkeiten.

Wer kennt das Gefühl nicht: Die Blase ist voll und muss dringend entleert werden. Ein Vorgang der mehrmals am Tag wiederholt werden muss, extreme Erleichterung bringt und zu unserem Leben dazu gehört. Anders ist es aber bei den Menschen, die nach dem Toilettengang schon wieder den Drang nach einer erneuten Harnentleerung verspüren.

Patienten mit einer Reizblase quält der Harndrang schon nach kürzester Zeit, daneben empfinden viele auch ein Ziehen in der Harnröhre und ein dumpfes Druckgefühl beim Sitzen. Grund ist das Zusammenziehen der Blasenwandmuskulatur, obwohl die Blase kaum gefüllt ist. Etwa sieben Millionen Deutsche, darunter 90 Prozent Frauen, sind betroffen. Die überaktive Blase mindert nicht nur die Lebensfreude, sondern bereitet auch schlaflose Nächte. Überaktiv ist jedoch wie viele Patienten glauben nicht die Blase, sondern die Nerven, die die Blase auskleiden. Sie sind es auch, die dem Gehirn falsche Botschaften senden.

Ursachen der Reizblase

Die Ursachen der Reizblase können ganz unterschiedlicher Natur sein und müssen zuvor immer von einem Arzt oder Facharzt abgeklärt werden. Grund für die Hyperaktivität der Nervenfasern ist in vielen Fällen eine vorangegangene Blasenentzündung, so dass die Blase nach der Behandlung überreagiert. Doch auch hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren können die Blase irritieren und auch Stress oder ernsthafte seelische Probleme können die Blase aus dem Gleichgewicht bringen. Schreitet das Leiden fort, ohne behandelt zu werden, kommt es oft zu einer Drang-Inkontinenz, bei der die Betroffenen den Harn schließlich nicht mehr halten können.

Sollte man bei einer Reizblase viel trinken?

Menschen mit einer Reizblase nehmen leider viel zu wenig Flüssigkeit auf, weil sie annehmen, dass sie so ihre Probleme wie – häufiger Toilettengang, unkontrollierbarer Harndrang und unfreiwilliger Harnverlust – besser lösen können. Doch was sie nicht wissen: Genau das Gegenteil wird damit erreicht, denn die Blasenwand besteht aus einer Muskelschicht und jeder Muskel will trainiert werden! Durch zu wenig Flüssigkeit und die daraus resultierende geringe Blasenfüllung sinkt das Fassungsvermögen der Blase nach und nach immer weiter ab und verschlimmert so den Harndrang noch mehr. Resultat des Flüssigkeitsmangels ist ein konzentrierter Urin, der den Blasenwandmuskel zusätzlich reizt. Um die hohe Konzentration des Urins zu vermeiden, sollte eine Flüssigkeitsmenge von mindestens zwei Litern, besser noch drei Litern getrunken werden.

Medikamentöse Hilfe bei gereizter Blase

Abhilfe bei einer Reizblase können Medikamente schaffen, die vom Arzt verschrieben, die Nervenfasern der Blase entspannen und mehrere Wochen eingenommen werden müssen. Zu den Mitteln mit dem größten Behandlungserfolg gehören die sogenannten Anticholinergika und Spasmolytika. Hilfreich ist aber auch ein Blasentraining, bei dem die Abstände zwischen den Toilettengängen immer mehr vergrößert werden unter Kontrolle der Harnmenge. Wer nicht gleich mit chemischen Keulen Abhilfe schaffen möchte, dem bietet die Natur eine Fülle von Möglichkeiten.

Heilende Kräuter aus der Natur schaffen bei Blasenproblemen schnell Erleichterung

Genutzt werden gegen die Beschwerden der Blase gerne Kräuter, die entwässernd wirken und die Blase durchspülen. Mindestens zwei Liter Flüssigkeit – aber eher noch mehr – als Tee zubereitet sollten Patienten mit Blasenproblemen trinken. Hier haben sich die Brennnessel, der Löwenzahn und die Goldrute durchgesetzt, die mit heißem Wasser überbrüht wirkungsvoll eingesetzt werden können. Sinnvoll sind aber auch Pflanzen, die eine entzündungs- und keimhemmende Wirkung mitbringen. Hier steht an erster Stelle der Kürbissamen, der gekaut schnell seine heilende Wirkung entfaltet. Krampflösend und beruhigend wirkt dagegen der Wacholder oder der Hopfen. Ob als Tee, Aufguss oder Fertigpräparate aus der Apotheke ist dabei Geschmackssache.

Wie wirkt Akupunktur auf die Reizblase?

Gerade bei der Reizblase kann die Akupunktur, ausgeführt durch einen Heilpraktiker oder Arzt, gute Ergebnisse erzielen. Dabei werden durch die Nadelung der Akupunkturpunkte nicht nur die übererregten Nerven der Blase beruhigt und normalisiert, sondern der ganze Körper harmonisiert. Durch die Harmonisierung des Körpers entsteht während der Sitzung eine tiefe, ruhige Atmung, bei der alle An- und Verspannung losgelöst wird. Die Grundlagen der Akupunktur wurden bereits vor über 2.000 Jahren im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin formuliert. Im Mittelpunkt dieses Medizinsystems steht die Vorstellung von einer im Körper fließenden Lebenskraft, auch Lebensenergie genannt, auf deren Wirkung alle Lebensäußerungen beruhen. In der Regel werden zwei Akupunkturbehandlungen in der Woche durchgeführt, in Serien von 10 bis 12 Behandlungen. Die meisten Patienten empfinden die Akupunktur bei einer Reizblase schon nach der ersten Behandlung als sehr wohltuend und entspannend.

Über die Krankheit sprechen

Findet sich keine körperliche Erkrankung und hält der Arzt eher seelische Ursachen für möglich, so sollte man sich nicht davor scheuen, professionelle Hilfe von Psychotherapeuten, Psychologen oder Psychiatern anzunehmen. In Europa bleiben zwei Drittel der Patienten mit einer Reizblase unbehandelt, darunter viele Betroffene, die nicht über ihr Leiden sprechen möchten. Denn was viele Patienten nicht wissen: Übermäßiger Leistungsdruck und Stress in der Familie oder am Arbeitsplatz können ebenfalls eine Reizblase hervorrufen. Dazu kommen Bewegungsarmut und der ständige Mangel an Entspannung, die letztendlich „das Fass zum überlaufen“ bringen. Durch das Erlernen von Konfliktlösungen und Entspannungstechniken soll der Körper wieder harmonisiert werden und zu seiner Mitte finden.