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Selbstgespräche führen? Aber ja!

Über die positiven Effekte der Selbstkommunikation. Sprechen Sie manchmal mit sich selbst? Kein Grund zur Beunruhigung. Forscher haben herausgefunden, dass der Dialog mit sich selbst viele Vorteile hat.

„Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele“ (Platon)

Innerer Dialog und Selbstgespräch

Kinder reden sehr häufig mit sich selbst. Je erwachsener wir werden, desto mehr wird das laute Aussprechen der Gedanken zu einem inneren Dialog. Und solche inneren Selbstgespräche führen wir laufend. Wer in der Öffentlichkeit allerdings lautstarke Diskussionen mit sich selbst führt, der wirkt auf seine Umwelt meist etwas befremdlich. Kein Wunder also, dass laute Selbstgespräche meist nur dann geführt werden, wenn man sich unbeobachtet fühlt. US-Forscher haben ermittelt, dass immerhin 96 Prozent aller Erwachsenen hin und wieder laut mich sich selbst reden. Leider sehr häufig nur dann, wenn sie sich über sich selbst ärgern und sich Vorwürfe machen in der Art: „Wie konnte ich mich nur so dumm anstellen!“ Dabei hat die intrapersonelle Kommunikation wie Psychologen das Selbstgespräch nennen, sehr viel mehr zu bieten als verbale Selbstattacken. Sie hat durchaus positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden.

Vom positiven Wert der Selbstgespräche

  • Beruhigung: Wenn sonst keiner da ist, der einem gut zuredet, wenn man nervös ist, dann sollte man sich selbst Mut zusprechen. Selbstgespräche können helfen Stress abzubauen und sich zu beruhigen.
  • Klarheit gewinnen: Das Gespräch mit sich selbst hilft, die Gedanken zu sortieren und die Konzentration zu steigern. Ablenkung von außen wird dabei ausgeblendet. Dieses laute lösungsorientierte Denken führt tatsächlich auch zu besseren Ergebnissen wie in der Studie Reimann/Dörner* bewiesen wurde. Den Teilnehmern wurde eine Konstruktionsaufgabe gestellt und die besten Ergebnisse wurden von jenen Studenten erzielt, die mit sich selbst redeten und während des Lösungsprozesses häufig analytische Fragen an sich selbst richteten. Wer also nicht gerade im Großraumbüro arbeitet, sollte sich bei einer verzwickten Aufgabe ruhig Schritt für Schritt selbst Fragen stellen und sich so zur Lösung vortasten.
  • Verarbeitung von Erlebnissen: Gerade dann, wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, kann die Kommunikation mit sich selbst helfen, sich den Frust oder die Enttäuschung von der Seele zu reden. So hat sich gezeigt, dass Menschen, die häufig mit sich selbst in Dialog sind, die die Dinge laut aussprechen und nicht in sich hineinfressen, weniger unter Depressionen und Ängsten leiden.
  • Aggressionen abbauen: Das, was man z.B. seinem Vorgesetzten nicht direkt ins Gesicht sagen sollte, sollte zu Hause ruhig laut ausgesprochen werden. Auch wenn vielleicht gerade keiner da ist, dem man seine Wut mitteilen kann, so hilft es trotzdem, es laut auszusprechen, zu schimpfen, Dampf abzulassen.
  • Merkfähigkeit verbessern: Wer seine Einkaufsliste laut vor sich hinsagt oder eine Telefonnummer laut wiederholt, hat bessere Chancen, sich wieder daran zu erinnern als einer, der das nur in Gedanken tut.

Sind Sie nett zu sich selbst?

Negative Selbstkommunikation gilt es allerdings zu vermeiden. „Du bist, was du denkst“, heißt nichts anderes, als dass wir mit unseren Gedanken unser Selbstbild prägen. Das heißt: Zu uns selbst sollten wir nett sein. Wer sich mit „Mann, bist du blöd!“ selbst geißelt, fördert nur Minderwertigkeitskomplexe.

Nehmen Sie Ihre Selbstdialoge einmal kritisch unter die Lupe: Achten Sie darauf, wie Sie mit sich selbst umgehen. Machen Sie häufig abwertende Bemerkungen über sich selbst? Wenn dem so ist, dann sollten Sie bewusst „Gedankenhygiene“ betreiben. Wenn Sie das nächste Mal dabei sind, sich in unfreundlicher Weise zu kritisieren, sagen Sie laut „Stopp“ und setzen Sie dem Negativen etwas Positives entgegen.

Reden Sie so mit sich selbst, wie Sie mit einem guten Freund oder einer Freundin sprechen würden: einfühlsam, verständnisvoll, liebevoll. Machen Sie sich selbst jeden Tag ein Kompliment und rufen Sie sich in Erinnerung, was Ihnen gut gelungen ist. Sprechen Sie es laut aus und ersetzen Sie so Stück für Stück die negative Selbstkommunikation durch Eigenlob und positive Selbstgespräche. Bedenken Sie: „Zur Lebensart gehört, dass man auch gegen sich höflich sei.“ (Jean Paul)