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Sturzprophylaxe für Senioren – individuelle Maßnahmen

Individuell auf den Menschen zugeschnittene Lösungen bei degenerativen Einschränkungen im Alter minimieren das Sturzrisiko von Senioren.

Um das Sturzrisiko von Senioren zu senken, ist es hilfreich, das Lebensumfeld so zu gestalten, dass kein erhöhtes Risiko für Stürze besteht. Aber auch individuelle Faktoren spielen in der Sturzprophylaxe eine wichtige Rolle. Die altersbedingten Einschränkungen, die den Alltag von Senioren verändern, können oft mit geeigneten Mitteln individuell ausgeglichen werden.

Sensorische Einschränkungen von Senioren

Durch Altersweitsichtigkeit ist die Sehschärfe im Nahbereich verringert, somit können Stolperfallen auf dem Boden nicht sicher wahrgenommen werden, eine angepasste Brillenversorgung kann hier Abhilfe schaffen. Die Anpassung an veränderte Lichtverhältnisse ist verlangsamt, was insbesondere beim Betreten von hellen aus dunklen Räumen zum Problem werden kann. Da auch die Blendempfindlichkeit mit dem Alter zunimmt, ist es hilfreich, für blendungsfreie Lichtverhältnisse zu sorgen, die sich in der Helligkeit nicht wesentlich unterscheiden. Auch Dunkelfelder sollten in der Wohnung vermieden werden.

Viele Senioren haben eine verringerte Hörschärfe, die zunächst die oberen Frequenzbereiche betrifft, später auch die unteren. Auch die räumliche Wahrnehmung verringert sich. Eine Hörgeräteversorgung kann hier Schwächen ausgleichen und dafür sorgen, dass Gefahrensignale frühzeitig erkannt werden und nicht mit übermäßiger, sturzprovozierender Eile reagiert werden muss oder bei scheinbar plötzlich auftauchenden Geräuschen Schreckreaktionen zu Stürzen führen.

Veränderungen des Bewegungsapparates

Die wichtigste Veränderung des Bewegungsapparates, die bei Stürzen Komplikationen mit sich bringt, ist die abnehmende Knochendichte bei älteren Menschen. Daraus resultiert ein erhöhtes Frakturrisiko, bei vergleichbar geringem Einwirken auf die Knochen brechen diese bereits.

Muskulatur, Bindegewebe und Knorpel weisen einen Elastizitätsverlust auf, so wird der Bewegungsspielraum permanent eingegrenzt und das Verletzungsrisiko erhöht sich. Auch die Koordinations- und Reaktionsfähigkeit der Muskulatur nimmt ab, Unebenheiten können also weniger gut kompensiert werden, das Gleichgewicht zu halten wird zum Leistungssport. Hier kann nur ein angepasstes körperliches Training unterstützen. Dieses kann in allgemeinen Gruppen für Senioren im Bewegungsbad oder aber in Hockergymnastikgruppen für Senioren stattfinden. Darüber hinaus ist es gelegentlich indiziert, in Einzelterminen mit Physiotherapeuten individuelle Kräftigungen zu lernen oder das angemessene Aufstehen vom Boden zu üben.

Veränderungen der kognitiven Funktionen

Die verringerte Nervenleitgeschwindigkeit im Alter zieht eine Verlangsamung der Reaktionen nach sich, die bis zu einem gewissen Grade aber vom immensen Erfahrungswissen von Senioren kompensiert werden kann und daher oft kein Problem darstellt.

Anders verhält es sich aber mit den häufig eintretenden Zuständen von Verwirrtheit. Diese können akut auftreten, zum Beispiel in Folge von Dehydrationen oder aber chronisch in Folge von dementiellen Syndromen. Für die Betroffenen ist es daher teilweise sehr schwer, sich an Regeln zu halten oder aber sich zu erinnern, wie sie welche Vorgänge sturzverhindernd ausführen sollten. Eine angemessen formulierte Anweisung oder Erinnerung (kurz, deutlich, einfach) ist hier der Schlüssel zur Kommunikation und die Brücke zum Verständnis der Wichtigkeit von Sturzverhinderung.

Medikamenteninduzierte Veränderungen bei Senioren

Besonders multimorbide Senioren nehmen oft viele Medikamente ein. In Kombination mit einem reduzierten Allgemeinzustand und den Grunderkrankungen an sich, kann dies ein hohes Sturzrisiko zur Folge haben. Medikamente können sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen oder bei falscher Einstellung zu Ohnmachten, Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Benommenheitszuständen und Tagesschläfrigkeit führen. All diese Nebenwirkungen können Stürze provozieren, die von den Senioren nicht aktiv verhindert werden können. Daher ist es wichtig, dass die Medikamente in ihrer Auswirkung auf die anderen Medikamente und individuell auf die Person gut überwacht werden und somit zu einer Unterstützung und nicht zu einer zusätzlichen Gefahrenquelle werden.