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Subversive Mode

Wer sind „House of the very island’s club division middlesex…“ Ein Modedesignquartett schwimmt gegen den Strom.

Hinter dem langen Titel, „House of the very island’s club division middlesex klassenkampf but the question is where are you, now?“, verbirgt sich ein innovatives Projekt mit radikalen Ansprüchen. Die InitiatorInnen Jakob Lena Knebl, Karin Krapfenbauer, Markus Hausleitner, Martin Sulzbacher haben gemeinsam studiert. Als AbsolventInnen der Wiener Hochschule für angewandte Kunst wählten sie Genderdiskurse und Crossdressing als Grundthemen ihrer Kollektion. Auf diese Weise wurde das Designprojekt mit der überdrehten Bezeichnung ins Leben gerufen, welches mit sämtlichen Klischees aufräumt. Das kreative Kollektiv ist in ein Netzwerk von UntergrundkünstlerInnen, MusikerInnen und FilmemacherInnen integriert.

Sie führen die Dekonstruktion der Genderrollen in die Welt der Mode ein und stellen alle normativen Vorgaben auf den Kopf

Ungeachtet der auf dem Modemarkt vorherrschenden Konventionen, dresscodes und angesagten Trends, setzen sie ihre eignen Ideen um. Die Genderdekonstruktion vermodert dadurch nicht in der Schublade trockener Theorie sondern nimmt konkrete Gestalt an. Die Kleidungsstücke sind unisex, queer und individuell. Mit viel Phantasie werden Geschlechtsstereotypen durch harmonische Kombinationen von Farbe, Form und Stoff bis zur Unkenntlichkeit vermengt. Zugleich wird auf den Erhalt der Beweglichkeit sowie auf die Funktionalität der Stücke geachtet.

House of… wollen Menschen aller Genderidentitäten ansprechen und ihnen die Möglichkeit eines eigenen Ausdrucks verleihen.

Bei der Untermalung ihrer Präsentationen werden bevorzugt Texte von Judith Butler und Judith Halberstam verwendet und die Videoeditionen zu jeder Kollektion werden in Zusammenarbeit mit Transgender-Regisseur Hans Scheirl, der bei „Dandy Dust“ Regie geführt hat, angefertigt.

Die Mode der Zukunft

Die einzigartigen Schöpfungen androgyner Ästhetik, die weit entfernt sind von jeglichem Kitsch sowie vom einfallslosen Schlabberlook, sind zukunftsweisend, wenn nicht sogar zu fortschrittlich. Denn der Erfolg lässt auf sich warten. Die Mitglieder von House of… können nicht von ihrer Arbeit leben und müssen anderweitigen Beschäftigungen nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der junge Österreicher Markus Hausleitner beklagt, sich die eigenen Kreationen nicht leisten zu können. Oft wird es sogar mit den Materialkosten knapp. Nach der Teilnahme an der Pariser Fashion Week stellt der nonkonforme Designer fest, dass die Leute mehrheitlich auf schwarze, transparente Seidenkleidchen abfahren.

Bis die Dekonstruktion der Genderidentitäten die Modebranche durchdrungen hat, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. In jedem Bereich bedarf es bei Innovation ziemlicher Ausdauer. Wieso sollte es sich mit der Mode anders verhalten?

Wen interessiert schon Fair Trade?

Jedenfalls kaum jemanden innerhalb der High-Fashion Szene. Auch was die ökologische Verträglichkeit der Materialen und die Produktionsbedingungen anbelangt, nehmen die vier WienerInnen eine Vorreiterposition ein. Echte Pelze werden strickt abgelehnt, Kunstfasern sind ausgeschlossen und sie kooperieren nur mit sozialen Projekten.

Hose of… hoffen auf ergiebigere Zeiten

Diese an den Tag gelegte Konsequenz hinsichtlich political correctness, sowohl was Gender Mainstreaming als auch was die Verantwortlichkeit gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt anbelangt, ist für die Glamourwelt des Modegeschäfts bedauerlicher Weise noch absolutes Neuland. So bleibt dem engagierten Wiener Kollektiv nichts weiter übrig, als in der Hoffung auf weitere MitstreiterInnen auszuharren.