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Was ist Liebe?

Ab wann von Liebe gesprochen werden kann, wie sie entsteht und warum es sie gibt?

Die Liebe ist eine Sinnerfahrung des Lebens. Obwohl es in der deutschen Sprache nur dieses eine Wort gibt, erscheint die Liebe in vielen verschiedenen Gestalten. Sie beschreibt das Annehmen eines anderen Menschen oder das Angenommenwerden und zwar immer um einer selbst willen. Liebe ist Bejahung ohne Vorbehalte, ohne Hintergedanken, ohne Zweck. Liebe sagt: „Gut, dass es dich gibt“ (J.Pieper, Über die Liebe, München, 1972, S.49). Dieses Ja setzt aber voraus, dass der andere Mensch diese Zuneigung verdient, dass er entsprechend liebenswert und dieser Zuneigung würdig ist. Andernfalls wäre die Liebe nur reine Willkür.

So erwartet das Existieren von Liebe jedoch keine Leistungen des anderen, mit denen er sich beweist. Sie existiert ohne solche Bedingungen. Sie bewährt sich meist gerade dann, wenn der andere versagt. Der Mensch an sich wird geliebt. Nur so lässt sich häufig herausfinden, ob die Liebe an Vorbehalte oder Hintergedanken gebunden war, oder ob es sich um wahre Liebe handelt. Diese Bejahung eines anderen Menschen ist in allen Formen der Liebe vorhanden. Sowohl in einer Mutter-Kind-Beziehung als auch in dem Verhältnis von Eheleuten. Aber auch in einer treuen Freundschaft wird die Solidarität unter den Freunden durch eine Art von Liebe gestützt.

Liebe als Illusion

Natürlich ist das Annehmen ohne Vorbehalte oder Hintergedanken ein Wunschbild. So kann diese wahre Liebeoder die Liebe an sich eventuell als etwas gesehen werden, dass nur auf Einbildung beruht. Möglicherweise handelt es sich lediglich um einen falsch interpretierten Egoismus, wenn von Liebe die Rede ist. Doch wie würde das Leben dann aussehen? Ohne Liebe? Psychologen machen heutzutage darauf aufmerksam, dass ein Kind sich nur dann gesund entwickeln kann, wenn es in einer Umgebung aufwächst, in der es angenommen wird und zwar um seiner selbst willen und nicht als Spielzeug, als Prestigeobjekt oder sonstigem Grund. Natürlich ist die Liebe meist mit vielen anderen Motiven durchsetzt, was in der Natur des menschlichen Verhaltens liegt. Davon lässt sich die Liebe nicht frei waschen. Jedoch könnte niemand ein menschliches Leben führen, wenn es die Liebe nicht gäbe. Jeder Mensch erfährt sie. Es handelt sich nicht um eine Illusion, wenn es sich bei der Liebe doch um ein unabdingbares menschliches Grundbedürfnis handelt.

Wurzeln der Liebe in der Religion

Der Philosoph Josef Schmidt, geboren 1946, vertrat folgende Ansicht: Wenn der Geliebte sich nicht durch Leistungen oder als liebenswert beweisen kann, so sei es der Mensch an sich in seinem Ursprung. So bedeute Lieben auch Mitlieben mit Gott. Daher erhielte diese Sinnerfahrung Liebe, ihre Tiefe und ihre Legitimität in religiösen Hintergründen. Josef Schmidt erklärte, dass sich die Liebe in ihrer ganzen Tiefe nur einem gläubigen Menschen erschließen könne. Dabei betonte er jedoch, dass dies nicht bedeute, dass nur der Gläubige lieben können oder überall dort, wo geliebt wird, auch diese Tiefe bewusst ausgelebt wird.