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Wie funktioniert eine Vasektomie

Vasektomie – die Zukunft der Verhütung?

Die Vasektomie ist die aktuell sicherste Verhütungsmethode, mittlerweile non-invasiv und schließt den späteren Kinderwunsch nicht aus.

Wer kennt das alte Leid mit der Verhütung nicht? Lästige Nebenwirkungen, die ewige Unsicherheit, ob man nicht Opfer des kleinen Unsicherheitsfaktors wird, oder die Frustration, wenn man spontaner Leidenschaft mal kein schützendes Utensil entgegenzusetzen hat. Es gibt heutzutage schon unzählige Möglichkeiten, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen, doch was für einen die perfekte Lösung scheint, ist für andere manchmal untragbar. Und Fakt ist doch, dass den Großteil der Umstände, die Empfängnisverhütung mit sich bringt, haben die Frauen zu tragen. Seien es Unwohlsein oder Stimmungsschwankungen auf Grund zugeführter Hormone, das gewissenhafte Nicht-Vergessen oder das darauf Achten, dass Medikamente oder der Gesundheitszustand die verhütende Wirkung nicht beeinträchtigen. Irgendeine Sorge überschattet oft den uneingeschränkten Genuss der Lust.

Robin Bakers Vision von der Zukunft

Evolutionsbiologe Robin Baker zeichnet in seinem Buch „Sex in the future“ einige utopische, teils ethisch (noch) nicht vertretbare Visionen vom Sexual- und Fortpflanzungsverhalten der Bewohner der nahen Zukunft. Doch einer seiner Gedanken ist durchaus ansprechend und liegt bereits im Bereich des Möglichen: Vasektomie und Sterilisation als Standard-Verhütungsmethoden, künstliche Befruchtung als Mittel zur gezielten, erwünschten Fortpflanzung. Und der Moment wird kommen, wo die Trennung von Geschlechtsverkehr und Fortpflanzung, die längst begonnen hat, endgültig vollzogen sein wird. Da die Sterilisation der Frau heutzutage noch invasiv und mit mehr Unsicherheit verbunden ist, sollte man sein Augenmerk aktuell eher auf die Vasektomie richten. Man stelle sich nur vor: Ein einmaliger, nicht-invasiver Eingriff, der mit einem Schlag eine Menge Sorgen auslöscht und so gut wie keine Nebenwirkungen mit sich bringt. Und trotzdem steht einem nach wie vor die Möglichkeit offen, ein Kind in die Welt zu setzen.

Daten und Fakten des Eingriffs

Abgesehen von der möglichen psychischen Hemmung der Männer, sich „entmannen“ zu lassen, spricht heutzutage nichts mehr gegen eine Vasektomie. Der Eingriff, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden, kommt bereits ohne Hautschnitt und anschließende Naht aus. Das Ganze dauert nur circa 20 Minuten. Diese No-Scalpel-Methode wird unter Lokalanästhesie angewandt und birgt ein weitaus geringeres Risiko für Komplikationen als eine Inzision. Ein paar Tage körperliche Schonung, eine Woche sexuelle Abstinenz und regelmäßige Kontrollen, bis sich die Zeugungsunfähigkeit einstellt (nach durchschnittlich 4 Monaten), sind die einzigen Umstände, die man in Kauf nehmen muss.

Mit 0,5-0,8 prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass die Samenleiter von selbst wieder zusammenwachsen, ist die Vasektomie die sicherste bekannte Verhütungsmethode. Der Körper produziert weiterhin Samenzellen, nur werden diese nun in den Hoden resorbiert. Dies hat keinerlei negative Auswirkungen und beeinträchtigt die Libido und Erektionsfähigkeit in keiner Weise. Bei einer Befragung im Jahr 2006 gaben 58 Prozent der Befragten an, ihr sexuelles Empfinden sei nach dem Eingriff gleich geblieben. 31 Prozent stuften dieses sogar als besser als zuvor ein.

Kinder zu bekommen ist dennoch möglich

Eine Vasektomie schiebt der Möglichkeit, Kinder zu zeugen, nicht endgültig den Riegel vor. Kommt der Punkt, an dem man sich doch für Nachwuchs entscheidet, stehen einem mehrere Optionen offen. Schließt man den späteren Kinderwunsch bereits vor dem Eingriff nicht aus, kann man eine Samenspende tätigen und mittels Kryokonservierung einfrieren lassen. Für die Lagerung fallen zwar jährliche Kosten um die 300 Euro an, dafür ist der Samen nahezu unbegrenzt haltbar. Selbst 20 Jahre Lagerung haben keinen Einfluss auf die Qualität.

War man nicht so vorausschauend, kann man später versuchen, Samenzellen direkt aus den Hoden isolieren zu lassen. Es besteht sogar die Möglichkeit, die Vasektomie rückgängig machen zu lassen. Dabei werden die Samenleiter in einem mikrochirurgischen Eingriff wieder miteinander verbunden. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent, wird jedoch geringer, je länger die Vasektomie zurückliegt. Allerdings erreichen die Kosten hierfür den vierstelligen Bereich. Doch wer weiß, welche Verbesserungen weitere Forschungen in diesem Bereich noch bringen können?

In Österreich liegt das Mindestalter für den Eingriff aktuell bei 25 Jahren. Die Kosten dafür belaufen sich auf 300 bis 500 Euro. Würde man sich also zu diesem Schritt entscheiden und zusätzlich seinen Samen einfrieren lassen, kommt einen das Ganze circa 100 Euro jährlich teurer als die Verwendung der Pille oder eines Verhütungsrings. Doch die Kosten für einen derart wichtigen Aspekt einer Beziehung kann man ja gut durch zwei teilen – ein akzeptabler Preis für die Freiheit, sich sorgenfrei auf die anderen Aspekte von Leben und Karriere konzentrieren zu können.

Da stellt sich schon die Frage, warum sich die Vasektomie als Verhütungsmittel in längerfristigen Partnerschaften noch nicht stärker durchgesetzt hat. Die Statistik besagt, dass in Deutschland 54 Prozent der Leute mit der Pille verhüten, 19 Prozent mit Kondom und 7 Prozent mittels Sterilisation. Bei häufig wechselnden Sexualpartnern bleibt die zusätzliche Verwendung von Kondomen natürlich nach wie vor ratsam, um sich und andere vor Geschlechtskrankheiten zu schützen.