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Verhalten bei Gewitter – Wie verhält man sich bei Gewitter

Gewitter

„Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“, besagt ein altes deutsches Sprichwort zum Thema „Gewitter“. Dieses Sprichwort ist jedoch ein schlechter Ratgeber. Der Blitz unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Baumarten, er schlägt bevorzugt in allein stehende, hohe Bäume ein. Aus diesem Grunde sollten weder Mensch noch Tier Zuflucht unter Bäumen suchen, denn sollte der Blitz tatsächlich in den Baum einschlagen, ist ein Überspringen auf Personen möglich, die sich darunter aufhalten.

Einschlagsgefahr auf freiem Feld

Der Blitz sucht sich in der Regel den höchsten Punkt aus. Aus diesem Grund ist der Aufenthalt unter Strommasten zu vermeiden. Hinzu kommt, dass diese aus Metall gefertigt sind und somit den elektrischen Strom des Blitzes umso besser leiten.

Sollte man sich bei Gewitter tatsächlich auf freiem Feld befinden, ist dringend von flachem Hinlegen auf den Boden abzuraten. In der Sendung „Quarks & Co.“ vom 21.08.2007 (WDR) wurde geraten, in die Hocke zu gehen und die Füße möglichst eng beieinander zu haben, um die sogenannte Schrittspannung zu vermeiden. Wenn ein Blitz in den Boden einschlägt, breitet er sich kreisförmig bis zu 20 m um die Einschlagstelle aus. Je weiter die Füße auseinander sind, desto größer ist der Spannungsunterschied zwischen beiden Füßen. Dies bedeutet konkret, dass Strom fließt. Aus diesem Grund ist auch das Reiten bei Gewitter sowohl für das Pferd als auch für den Reiter lebensgefährlich. Das Pferd hat eine entsprechend große Schrittspannung, der Reiter gibt auf dem Rücken des Pferdes als höchster Punkt ein gutes Ziel für den Blitz ab. Auch das Wegrennen vor einem heraufziehenden Gewitter ist aufgrund der besagten Schrittspannung nicht die beste Lösung. Als Alternative werden von Experten sogenannte Schlusssprünge genannt, wenn man sich vom Ort des Gewitters entfernen möchte, d. h. nach Abschluss des Schritts stehen die Füße parallel nah beieinander.

Der Aufenthalt am oder im Wasser

Sobald ein Gewitter aufzieht, sollte man das Wasser sofort verlassen. Selbst geringe Mengen Wasser sind ein guter Leiter für Elektrizität. In gesicherten Frei- oder Strandbädern räumt die Schwimmaufsicht das Becken bzw. das Strandbad ohnehin in den meisten Fällen. Aufgrund der leitenden Eigenschaften von Wasser ist auch ein Aufenthalt am Ufer eines Gewässers bei einem herannahenden Gewitter risikoreich, hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie etwa die Schrittspannung, eventuell in der Nähe stehende Bäume u. ä.

Die sichersten Orte: Gebäude mit Blitzschutz und das Auto

Durch den Faradayschen Käfig wird der Blitz effektiv über die Karosserie des Kfz abgeleitet. Gerade bei älteren Fahrzeugen ist auch in der Innenkarosserie teilweise Metall verbaut (z. B. beim Renault Twingo), so dass ein direkter Kontakt mit diesen Teilen zu vermeiden ist.

In Häusern mit Blitzschutz ist man relativ sicher. Dennoch sollte man auch im Gebäudeinneren einige Vorsichtsmaßnahmen beachten, u. a. das Schließen von Fenstern, keine Telefonate, Duschen oder Baden erst, nachdem das Gewitter abgezogen ist. Um Blitzschäden oder Überspannungsschäden zu vermeiden, sollten alle Stecker (PC, Stereo-Anlage, Fernseher u. ä.) und insbesondere das Antennenkabel gezogen werden.

Blitzschäden sind meist über die Hausratversicherung abgedeckt. Sie entstehen, wenn ein elektrisches Gerät unmittelbar durch einen Blitzeinschlag beschädigt wird (z. B. Einschlag in die Hausantenne). Bei Überspannungsschäden hingegen entstehen die Schäden dadurch, dass ein Blitz im näheren Umkreis eingeschlagen hat und über eine Stromleitung ins Gebäude gelangt ist, so dass der Ausfall des Geräts durch eine kurzfristige Überspannung in der Leitung entstanden ist. Aus diesem Grunde sollte bei Abschluss einer Hausrat- oder Gebäudeversicherung geprüft werden, ob lediglich Blitzschäden abgedeckt sind oder zusätzlich auch Überspannungsschäden. Ist Letzteres nicht der Fall, zahlt die Versicherung für dadurch entstandene Schäden nicht.

Allgemeine Informationen

Lt. R+V Info-Center wurden in der Bundesrepublik im Jahr 2001 1,3 Millionen Blitze gezählt, 245.000 davon führten zu Blitz- oder Überspannungsschäden.

Auch wenn ein Gewitter noch weit weg zu sein scheint, sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Zählt man zwischen Blitz und Donner einen geringeren zeitlichen Abstand als zehn, ist das Gewitter schon so nahe, dass die Gefahr eines Blitzschlages auf jeden Fall gegeben ist. In den USA stirbt jeder Fünfte an den Folgen eines Blitzeinschlages auf dem Golfplatz.

Gesundheitliche Folgen

Manche Menschen überleben einen Blitzschlag schwer verletzt, dennoch sind die Folgen wie beispielsweise Hirnschäden oder Hautverbrennungen häufig irreversibel. Häufigste Todesursache im Zusammenhang mit einem Blitzschlag sind Kreislauf-, Herz- oder Atemstillstand. Manche Menschen, die einen Blitzschlag überlebt haben, berichten, dass sie seitdem an Depressionen, schneller Ermüdbarkeit, Erschöpfungszuständen und/oder chronischen Schmerzen leiden.