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Durchblutungsstörungen pflanzlich behandeln

Durchblutungsstörungen können zu ernsthaften chronischen Problemen auswachsen. Heilpflanzen bergen hier Linderung oder Heilung.

Typisch für alle Arten von Durchblutungsstörungen ist, dass sie im Anfangsstadium keine Beschwerden verursachen. Sie machen sich zumeist erst dann bemerkbar, wenn der Blutfluss bereits stärker beeinträchtigt ist. Umso wichtiger erscheint es, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und lindernde Mittel zu suchen, die im Pflanzenreich durchaus zu finden sind und auch bis in spätere Stadien zu helfen wissen.

Durchblutungsstörungen können viele verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören die Verengung oder der Verschluss von Arterien infolge von Ablagerungen (Arteriosklerose), Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) oder Herantransport eines Blutgerinnsels aus einem anderen Teil des Körpers (Embolie), zu niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie), Entzündungen in den Arterien, plötzlich auftretende Blutung (z.B. Hirnblutung), Krämpfe in der Muskulatur der Blutgefäße (Gefäßspasmen). Zahlreiche Risikofaktoren können das Auftreten von Arteriosklerose, Entzündungen und Krämpfen in den Gefäßen begünstigen: Dazu zählen Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Bewegungsmangel, hoher Blutdruck, Diabetes und Rauchen.

Chronisch venöse Insuffizienz

Beinvenen führen das Blut über die große Hohlvene in den rechten Vorhof zum Herzen zurück, sie müssen also gegen die Schwerkraft arbeiten, indem sie den Rückstrom verhindern. Andererseits bekommen die Venen bei der schweren Arbeit gegen die Schwerkraft Hilfe durch die Wadenmuskelpumpe: sie sorgt beim Gehen durch die Anspannung der Beinmuskulatur dafür, dass die zwischen den Muskeln liegenden Venen komprimiert werden und dadurch das Blut Richtung Herz zurückgeführt wird. Infolge mangelnder Leistung der Venenklappen kommt es zum Rückfluss des venösen Blutes, insbesondere in den Beinen und zu Stauungen in den Venen. Es bilden sich Krampfadern aus, Schwellungen, gegebenenfalls auch Hautveränderungen oder ein offenes Bein (Ulcus cruris) kann entstehen.

Bei einer Venenerkrankung werden die Venenklappen nach und nach undicht, die Gefäße erweitern sich und das Blut fließt zurück in Richtung Fuß oder aber es „pendelt“ zwischen den einzelnen Klappenetagen hin und her. Das führt zu einer Blutstauung und somit zur Ausbildung von Krampfadern. Diese haben nichts mit Krämpfen zu tun, es sind irreversible Erweiterungen oberflächlicher Venen mit Schlängelungen und Knotenbildung. Gleichzeitig werden die Venenwände geschädigt und der Stoffwechsel in diesem Gebiet beeinträchtigt.

Ursachen für venöse Gefäßerkrankungen gibt es vielfältige: Eine der häufigsten ist sicher ein schwaches Bindegewebe, das auf die Dauer dem hydrostatischen Druck, bedingt durch die aufrechte Haltung nicht standhalten kann; die Venenklappen werden mit zunehmendem Alter starrer und schließen immer schlechter. Genauso beteiligt am Krampfaderleiden ist mangelnde Bewegung, Übergewicht und das ständige Tragen hoher Absätze, das die Wadenmuskulatur verkümmern, ihre Funktion als Venenpumpe einbüßen lässt. Ein weiterer Faktor ist die Schwangerschaft, in deren Verlauf sich häufig das Bindegewebe lockert; dadurch erweitern sich die Venenwände und die Spannkraft wird vermindert.

Wenn die Venen ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden spricht man von einer venösen Insuffizienz, die in drei Stadien eingeteilt wird:

  • Stadium I: Stauungszeichen im Fußknöchelbereich ohne Ernährungsstörungen des Gewebes
  • Stadium II: Stauungszeichen mit Ernährungsstörungen, Pigmentverschiebungen und Induration (Verhärtung, Verdichtung des Gewebes), noch ohne Unterschenkelgeschwür
  • Stadium III: Akutes oder abgeheiltes Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris)

Zwar können pflanzliche Präparate die Krankheit nicht mehr rückgängig machen, wohl aber den Verlauf aufhalten. Innerlich werden Fertigpräparate aus Rosskastaniensamen, Mäusedornwurzelstock und rotem Weinlaub eingesetzt. Dabei zeigt sich der Mäusedorn erfahrungsgemäß als am verträglichsten. Auch Buchweizen- und Steinkleekraut sind, genauso als Tee, geeignet. Äußerlich werden Salben, Gele und Cremes aus Beinwellwurzel, Rosskastanie und gegebenenfalls auch Mäusedornwurzelstock oder Arnikatinktur verwendet. Kneipp-Kuren wirken unterstützend.

Periphere Durchblutungsstörungen

Durch Verhärtungen oder den Komplettverschluss von Arterien kann es zur Minderdurchblutung im Gewebe kommen. In über 90 Prozent der Fälle sind ausschließlich die Extremitäten betroffen. Man teilt hier verschiedene Schweregrade ein:

  • Beschwerdefreiheit, nachweisbare Verhärtung von Gefäßen
  • Schmerzfreie Gehstrecke von mehr als 200 Metern
  • Schmerzfreie Gehstrecke von weniger als 200 Metern
  • Schmerzen in den Extremitäten im Ruhezustand
  • Gewebeuntergang, Schwarzfärbung der Extremitäten

Im ersten Stadium wird lediglich ein Gehtraining durchgeführt. Pflanzliche Präparate wie Ginkgo kommen erst im darauf folgenden Stadium zum Einsatz. Teilerfolge konnten auch bei einer Verschlechterung im dritten Stadium verzeichnet werden. Unterstützend zur medikamentösen Therapie kann eine langfristige Anwendung von Buchweizenkraut die Mikrozirkulation des Blutes verbessern. Eine Einreibung mit Rosskastanienextrakt ist ebenso hilfreich.

Lokale Durchblutungsstörungen

Bei lokalen Durchblutungsstörungen helfen Einreibungen und Bäder aus Rosmarin, Kiefer, Kampfer, Paprika, Pfeffer, Senf und Schachtelhalm.

Rosmarin ist dafür als ätherisches Öl oder – ebenso wie die anderen Pflanzen – als Auszug zu nutzen. Bei Auflagen aus Paprika, Pfeffer und Senf ist darauf zu achten, dass Brandblasen entstehen können. Somit darf eine Auflage bei Kindern nicht länger als fünf Minuten, bei Erwachsenen nicht mehr als zehn Minuten genutzt werden. Kontraindiziert sind Nierenerkrankungen, da beispielsweise Senföle diese Organe stark reizen.

Heilpflanzen bei venösen Gefäßerkrankungen

Bei Venenerkrankungen sollten wirksame Arzneipflanzen zur begleitenden Behandlung möglichst frühzeitig einsetzen. „Venenpflanzen“ wirken vor allem kapillarabdichtend, venentonisierend und antiödematös. Sie beeinflussen die funktionellen Gefäßveränderungen und stabilisieren die Venenfunktion. Sie können aber bestehende pathologische Veränderungen nicht mehr rückgängig machen! Eine innerliche Anwendung sollte immer mit einer äußerlichen Behandlung kombiniert werden und unabdingbar gehört Bewegung zur Therapie.

Bereits seit der Antike zählt Bockshornklee zu den wirksamen Heilpflanzen, obschon er bei uns bedauerlicher Weise etwas in Vergessenheit geraten ist. Völlig zu Unrecht, denn diese Pflanze vermag viel für unsere Gesundheit zu tun: Er verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers, was sich unter anderem durch ein verstärktes Gedächtnis bemerkbar macht; die mentale Fitness und auch die Abwehrkräfte werden gesteigert. Durch die bessere Sauerstoffversorgung können Schwindelanfälle reduziert, Schlaf und das Wohlbefinden verbessert werden. Bockshornklee wird auch bei Venenerkrankungen, vor allem Krampfadern und Hämorrhoiden wirksam eingesetzt. Die Samen bewirken nachweislich eine Senkung des Blutzuckers und des LDL-Cholesterins.

Sie wächst wild auf sonnigen, trockenen Hängen in den Mittelmeerländern und gehört zu der Familie der Liliengewächse. In der Naturheilkunde werden nicht ihre Blätter oder Früchte verwendet, sondern die kostbare Wurzel. Die Rede ist von der wieder entdeckten Heilpflanze Heilige Myrte, auch Ruscus genannt. Der in der Ruscuspflanze enthaltene Wirkstoff Ruscogenin wird über das Blut zu den betroffenen Venenwänden gespült und bleibt dort, im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Substanzen, sehr fest haften. Dadurch werden die Venenspannkraft gestärkt und der Blutrückstrom zum Herz gefördert. Gleichzeitig dichtet der Stoff die Gefäßwand ab, so dass keine weiteren Ödeme entstehen können. Der Wirkstoff kann Entzündungen hemmen, den Kreislauf beleben und die Venen langfristig stärken.