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Geisteswissenschaftliche Studiengänge – Grund für die Studienwahl ist eine breit gefächerte Qualifikation

In den vergangenen Jahren zählten Informatik, Betriebswirtschaftslehre und Jura zu den beliebtesten Studiengängen. Dennoch sind Geisteswissenschaften immer noch beliebt.

Zu den Geisteswissenschaften zählen unter anderem Erziehungswissenschaften, Sozialwissenschaften, Sozialarbeit/-pädagogik, Geographie, Linguistik, Literatur- und Theaterwissenschaften, Fremdsprachen und Politologie.

Obwohl die Beschäftigungschancen im eigentlichen Beruf und auch die Entlohnung im Vergleich zu den Absolventen von Studiengängen wie Betriebswirtschafts- oder Volkswirtschaftslehre oder Jura eher schlecht sind, werden Geisteswissenschaften nach wie vor immer noch gerne von studierwilligen Schulabgängern gewählt.

Gründe für die Wahl eines geisteswissenschaftlichen Studiums

  • bei Studiengängen, die das Bildungs- und Sozialwesen betreffen (Erziehungswissenschaften, Sozialarbeit, Lehramt): persönliche Vorlieben, Vertiefung von Wissen und Fähigkeiten in Bezug auf persönliche Erfahrungen wie zum Beispiel Arbeit mit Behinderten, Jugendsozialarbeit oder Suchtmittelberatung, Freude am Umgang mit Menschen, die eigene „soziale Ader“ und der Wunsch, benachteiligten Menschen helfen zu wollen, wobei gerade in Bezug auf die letztgenannten Punkte oft die Gefahr gegeben ist, das eigene Helfersyndrom ausleben zu wollen.
  • bei Sprachwissenschaften und bestimmten Fremdsprachen (Anglistik, Amerikanistik, Ägyptologie etc.) oder Linguistik stehen neben der persönlichen Motivation meist großes Interesse an einer bestimmten Sprache und die damit verbundene Kultur im Vordergrund. Viele Studierende wählen eine bestimmte Fremdsprache im Rahmen eines Lehramtsstudienganges.
  • Allgemein gesehen werden geisteswissenschaftliche Studiengänge weniger aus Prestigegründen oder aufgrund einer überdurchschnittlich hohen Vergütung innerhalb der späteren Berufstätigkeit gewählt, sondern eher aus persönlicher Motivation und bestimmten Vorlieben. Hinzu kommt, dass Geisteswissenschaftler oft nicht nur auf „ihren“ Bereich festgelegt sind, sondern dass die Qualifikation insgesamt oft recht breit gefächert ist. Ein Jurist beispielsweise ist meist sehr auf den Bereich Rechtswissenschaften mit einem bestimmten Schwerpunkt (Familienrecht, Erbrecht, Strafrecht und so weiter) festgelegt.

Beschäftigungsmöglichkeiten für Geisteswissenschaftler

Neben der wissenschaftlichen Mitarbeit im jeweiligen Fachbereich an Hochschulen finden Geisteswissenschaftler oft Stellen in den Bereichen Assistenz/Sekretariat, private oder staatliche Bildungseinrichtungen, Verlagswesen und Buchhandel, Journalismus und Publizistik sowie Personalentwicklung.

Bei der wissenschaftlichen Mitarbeit mit anschließender Promotion ist zu beachten, dass hierfür in der Regel mindestens die Abschlussnote „gut“ verlangt wird.

Allerdings konkurrieren Geisteswissenschafter häufig mit anderen Berufsgruppen um Stellen. Im Bereich Assistenz/Sekretariat stammt die Konkurrenz meistens aus sämtlichen kaufmännischen Ausbildungsberufen, im Bereich Personalentwicklung werden häufig Betriebswirtschaftler mit entsprechendem Studienschwerpunkt bevorzugt, in den Bereichen Verlagswesen, Buchhandel und Journalismus erhalten oft Verlagskaufleute, Buchhändler oder Absolventen einer journalistischen Ausbildung (zum Beispiel Journalistenschule oder entsprechende Studiengänge an Hochschulen) den Vorzug.

Die Bezahlung

Gerade wissenschaftliche Mitarbeiter an staatlichen Hochschulen beklagen häufig, dass es für sehr viel Arbeit sehr wenig Geld gibt und dass sie oft gezwungen sind, sich zumindest noch einen 400-Euro-Job dazu zu nehmen. Oft sind diese Stellen zudem befristet oder nur in Teilzeit ausgeschrieben.

Während die Bezahlung für Sekretärinnen und Assistentinnen früher gut bis sehr gut war, sind auch diese Stellen mittlerweile teilweise im Billiglohnsektor angesiedelt, was unter anderem auch auf die zunehmende Zahl von Zeitarbeitsverhältnissen und eine vielfach entsprechend geringe Entlohnung zurückzuführen ist. Viele Zeitarbeitsfirmen bieten Bewerbern trotz guter Qualifikation und mehrjähriger Berufserfahrung Stundenlöhne zwischen 6 und 11 € an, wobei der Durchschnitt zwischen 8 und 10 € liegt. Das monatliche Bruttogehalt inklusive Verpflegungszuschuss beträgt somit in Abhängigkeit vom Stundenlohn zwischen 1.300 und maximal 2.000 €.

Buchhändler können bei langjähriger Berufserfahrung ein Bruttogehalt bis zu 2.500 € verdienen. Die Regel sind jedoch eher Bruttogehälter zwischen 1.700 und 2.000 €, insbesondere für Personen, die über weniger als zehn Jahre Berufserfahrung verfügen. Zudem beklagen in der Buchhandelsbranche tätige Menschen zunehmend das schlechte Betriebsklima in vielen Buchhandlungen.