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Jugendliche Unsicherheit als mögliche Ursache bei Essstörungen

Immer mehr junge Menschen erkranken heutzutage an einer Essstörung. In dieser Lebensphase gibt es viele Unsicherheiten und hohe Leistungsansprüche.

Viele Jugendliche in der heutigen Zeit zeigen ein krankhaftes Essverhalten. In dieser Lebensphase, der Adoleszenz, sind junge Menschen besonders leicht zu beeinflussen. Adoleszenz bezeichnet den Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter. Dieser Zeitraum wird zwischen 12 und 25 Jahren angesetzt. War die Adoleszenz früher enger gesteckt, so lässt sich seit den 1950er Jahren eine Ausdehnung vor allem in den mittleren sozialen Schichten bemerken. Das bedeutet, dass die Jugendzeit früher beginnt – etwa mit dem zehnten bis elften Lebensjahr – und durch längere Ausbildungszeiten und weitere Spezialisierungen sehr viel später endet. So entwickelte sich über mehrere Jahre hinweg ein neues Bild von Jugendlichen. Dieses Bild beinhaltet einerseits die Vorstellung eines jungen Menschen mit sexueller und intellektueller Unabhängigkeit, andererseits werden auch vermehrt Anforderungen an das Jugendalter und Unsicherheiten bezüglich der Lebensplanung deutlich. Diese Anforderungen und Unsicherheiten beziehen sich beispielsweise auf den Mangel an Ausbildungsplätzen und den damit einhergehenden Leistungsansprüchen, aber auch auf undeutliche und vielschichtige Ansichten über die Welt.

Unsicherheit und Ängste im Beruf und in der Partnerschaft

Partnerschaften und der Beruf von vielen jungen Menschen werden zwar als konstante Faktoren in der Entwicklung gesehen, allerdings werden in diesem Zusammenhang auch viele Ängste und teilweise auch Resignation sichtbar.“Während meiner mehrjährigen Tätigkeit in einer Beratungsstelle für Jugendliche hat uns oft beeindruckt, wie tief verwurzelt bei vielen Jugendlichen das Bedürfnis nach Sicherheit ist, und zwar Sicherheit in Bezug auf Lebensführung, Partnerschaft und Berufswahl“ (Gerlinghoff/Backmund/Mai 1999: 23). Viele Jugendliche wünschen sich also Sicherheit in ihrer Lebensplanung, kommen aber mit den zunehmenden Unsicherheiten der Gesellschaft der westlichen Länder nicht zurecht. Trotz dieser erhöhten Anforderungen an junge Menschen und einer nicht planbaren Zukunft wird ihnen jedoch nicht der Umgang mit diesen Themen gelehrt.

Seit den 1950er Jahren wurde auch in der Öffentlichkeit über Sexualität gesprochen und Aufklärung betrieben. Doch anstelle von früheren Hemmungen in Bezug zu diesem Thema wurden nun andere Probleme sichtbar. Es kam unter Jugendlichen zu einer Art Leistungsdenken. Das bedeutet, dass ein Mädchen oder Junge sowohl über sexuelle Praktiken im Allgemeinen Bescheid wissen musste, als auch über die entsprechende Erfahrung verfügen sollte.

In der heutigen Zeit wird bereits im frühen Jugendalter von den Jungen und Mädchen erwartet, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Durch diesen „Leistungsdruck“ und das ständige Achten auf Anforderungen von außen vergessen die Jugendlichen, auf sich selbst zu schauen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Das Gefühl des Kontrollverlusts

Die steigenden Zahlen von Essstörungen werden auch mit diesem zunehmenden Gefühl des Kontrollverlusts in Verbindung gebracht. Jugendliche, die sich so unsicher fühlen und viele Ängste haben, versuchen auf irgendeine Art und Weise, ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit wiederzuerlangen. Viele Jugendliche machen das, indem sie sich mit bestimmten Idealen identifizieren und so nach einer Identität suchen. Vor allem junge Mädchen, aber zunehmend auch Burschen, orientieren sich stark am vorherrschenden Schlankheitsideal und versuchen, dieses durch einschränkendes Verhalten zu erreichen. Dadurch soll das Gefühl von Kontrolle wiederhergestellt werden, was schließlich auch die Gefahr in sich birgt, eine Essstörung zu entwickeln.