X

Partnersuche – Die psychologischen Kriterien der Partnerwahl

Frauen suchen nach anderen Kriterien als Männer ihre Partner aus. Außerdem hat sich die Partnerwahl heute entscheidend gewandelt.

Nach wie vor hält sich hartnäckig die Meinung, es würde so etwas wie eine Liebesheirat geben. Also ein Eheversprechen, bei dem nur die Liebe zählt. Aus psychologischer Sicht ist diese weit verbreitete Ansicht eine der zahlreichen Illusionen, die Menschen in der Welt der großen Gefühle vorfinden. Liebe hat mit Logik nichts zu tun, insofern haben logische Argumente keinerlei Relevanz, doch sie werden vom Umfeld der Liebenden ständig gebraucht, um Partnerschaften zu stiften oder zu verhindern.

Was unterscheidet Frauen und Männer bei der Partnerwahl?

Kurz gefasst gilt: Männer bewerten bei der Wahl ihrer Partnerinnen vorrangig Merkmale des generativen und Frauen des sozialen Reproduktionserfolgs. Generativ ist Lateinisch und heißt geschlechtlich, die Fortpflanzung betreffend. Mit anderen Worten: Männer stellen höhere Ansprüche an die äußere Erscheinung ihrer Partnerinnen, während Frauen die materiellen Versorgungsaspekte einer Beziehung stärker bewerten. Studien haben gezeigt, dass dies auch für finanziell eigenständige und abgesicherte Frauen gilt. Partnerschaften, in denen die Frau beruflich erfolgreicher ist als der Mann, gehen nicht nur deshalb häufig nicht gut, weil der Mann seine traditionelle Rolle als Versorger vermisst, sondern auch, weil die Frau ihn innerlich nach einiger Zeit oft als Versager empfindet und verlässt.

Selbstverständlich geht diese durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigte These im Einzelfall nicht immer mit der Realität konform. Wir kennen alle aus den Medien Beispiele, dass junge Männer ältere, hässliche Frauen heiraten und junge Frauen arme, ältere, hässliche Männer. Doch um diese Ausnahmen von der Regel geht es nicht, sondern um die durch die Evolution in Tausenden von Jahren geprägten Antrieb des Fitnessvorteils. Und der ist nun mal recht eindeutig der, dass jüngere Frauen erstens eher hübscher und gesünder sind und zweitens eher und mehr Kinder bekommen können. Während wohlhabende Männer besser den Rahmen für ein vernünftig ablaufendes Familienleben bieten können. So die Theorie, die unauslöschlich im Unterbewusstsein vorhanden ist.

Deshalb ist die Behauptung, man hätte nur aus Liebe geheiratet, zumindest teilweise ein romantisches Märchen. Der Mensch macht überhaupt nichts ohne Motivation, und bei einer so lebensbestimmenden Entscheidung wie der Partnerwahl, spielt ein ganzes Motivationsbündel bei beiden Partnern eine Rolle. Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat die Motive in sechs hierarchisch strukturierte Kategorien eingeteilt: (1) physiologische, das sind die physikalischen und chemischen Prozesse, die ein Organismus zum Leben benötigt, (2) Sicherheit und Geborgenheit, (3) Liebe und Zugehörigkeitsgefühl, (4) Verantwortung, Status und Anerkennung, (5) Selbstverwirklichung sowie (6) Neugier und das Bedürnis zu verstehen.

Die neue Kultur der Partnerwahl

Wenn man über die heutige Liebe zwischen zwei Menschen reflektiert, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man es mit einer völlig neuen Kultur des Wählens zu tun hat. Die Kriterien der Partnerwahl haben sich dramatisch verändert. Experten sagen, dass grundsätzlich eine ganz erhebliche Überschätzung der eigenen Person festzustellen ist, die mit einer enorm gestiegenen Ungeduld einhergeht. Das Anspruchsniveau wir heute oft von Männern wie von Frauen generell so hoch angesetzt, dass die Wahrscheinlichkeit, dem passenden Partner überhaupt zu begegnen, häufig relativ gering ist. Was naturgemäß nach einiger Zeit zu Frustrationen führt und hervorragend als Begründung geeignet ist, mit einem Single-Dasein vorlieb zu nehmen, was man ursprünglich gar nicht gewollt hat. Aber ein selbstverliebtes Ich, man könnte auch sagen, ein vermeintlicher Star, erkennt wohl eher nicht, wann jemand seinen übertriebenen Ansprüchen genügt.

Hinzu kommt ein technischer Aspekt, der die Liebe viel mehr stört als sich die Menschen oft bewusst sind. Die direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht weicht immer mehr der Angewohnheit, eine Maschine zwischen zu schalten, die Worte und Bilder übermitteln und speichern kann. Die Partner können sich, auch weit entfernt voneinander, rund um die Uhr sprechen, sehen und kontrollieren. Sie müssen im Prinzip gar nicht mehr zusammen treffen und den Aufwand treiben, der damit verbunden ist. Durch die SMS-Messages ist die frühere Hemmschwelle praktisch verschwunden, Personen anonym anzusprechen, ebenso im Internet-Chat. Es hat sich eine völlig neue Qualität der Wahl entwickelt, von der inzwischen millionenfach Gebrauch gemacht wird. Allerdings ist damit auch eine Scheinwelt entstanden, in der diejenigen, die die besten Sprüche machen können, erst einmal gewinnen und in der die allgegenwärtige Lüge zuweilen Triumphe feiert.