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Schmetterlinge behindern das rationale Denkvermögen

Für Frischverliebte ist alles toll. Die Welt scheint perfekt. Doch für das persönliche Umfeld kann das sehr anstrengend sein.

Eigentlich ist es ein Gefühl, das schon fast an eine Magenverstimmung erinnert – dieses gleichmäßige Ziehen und Kribbeln im Bauch. Dieses Gefühl von flatterndem Getier in den Darmwänden kann nie und nimmer gesund sein. Also ein Fall für den Arzt! Wäre da nicht der kleine Umstand, dass sich dieses Gefühl nur meldet, wenn man an eine ganz bestimmte Person denkt. Sollte er nicht selbst Gegenstand dieser Gedanken sein, ist der Onkel Doktor somit automatisch nicht zuständig.

Die offensichtlichen Symptome

Und außerdem: Man fühlt sich eigentlich nicht krank – obwohl einem warm wird, man vielleicht auch Schweißausbrüche hat und unruhig ist. Im Gegenteil – es geht einem richtig gut. Man könnte Bäume ausreißen oder die ganze Welt umarmen. Und doch: Wenn man Betroffene beobachtet, wirken sie schon… na ja, irgendwie nicht normal. Immer wieder erwischt man sie dabei, wie sie versonnen in die Ferne lächeln oder niedliche Symbole auf ein Stück Papier kritzeln. Sachlichen Gesprächen scheinen sie nur schwer folgen zu können. Macht man sie darauf aufmerksam, reagieren sie mit einem verschmitzten Lächeln. Von einem schlechten Gewissen ist da keine Spur. Und jedem scheinen sie ihr neues Glück mitteilen zu wollen.

Die Wirkung auf andere

Die Umstehenden werden langsam genervt. Kollegen finden es lästig, dass der Betroffene selbst im größten Stress noch mit dieser Strahlemannmiene herumläuft. Freunde sind eher verwirrt, weil der andere plötzlich den Gesprächen über „wirklich wichtige Themen“ nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Und die Familie glaubt gar an einen bösartigen Virus, der sich im Gehirn festgesetzt hat. Und gerade hier liegt ein Funke Wahrheit. Nur dass der Virus sich als Schmetterlingsschwarm entpuppt, der die rein rationalen Gedanken auszuschalten scheint. Alle anderen Funktionen wie Tagträume, Schwärmereien und sehnsuchtsvolles Seufzen werden vom Gehirn allerdings noch bestens verarbeitet.

Die Wahrnehmung des Betroffenen

Der Betroffene hingegen scheint von dieser einseitigen Gedankenfunktion nichts mitzubekommen. Es scheint ganz normal zu sein, einen Großteil des Tages an eine einzige Person zu denken. Auch das plötzlich andere Aspekte des Lebens wie Essen, Familie und Freunde nicht mehr eine so große Rolle spielen, wird nicht erkannt. Betroffene sehen alles nur noch rosarot und halten dies auch noch für die natürlichste Farbe der Welt. Keine Sekunde kommt die Erinnerung daran auf, dass letzte Woche noch alles grau und trostlos schien. Jetzt dagegen ist alles bunt und sonnig und ständig muss man an ihn/sie denken. Ein kleiner Tipp an die Schmetterlingsinfizierten: Vermeiden Sie in solchen Phasen gefährliche Arbeiten an Maschinen. Piloten werden inständig gebeten, sich beurlauben zu lassen! Auch wenn für euch das Leben keine rationale Bedeutung mehr hat – die anderen hängen doch noch daran.

Die Lebenserwartung der Schmetterlinge

Und spätestens in drei Monaten werdet ihr das auch wieder so sehen. Dann ist die Lebenserwartung der Schmetterlinge voll ausgeschöpft und die Ratio übernimmt wieder das Ruder. Das Umfeld wird dann erleichtert aufatmen und der Betroffene denkt sich: „Ach, wie schön war es, als ich frisch verliebt war.“