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Tarot – Die Kunst des Wahrsagens

Tarot-Karten werden auf unterschiedliche Weise gelegt und sollen Auskunft über bevorstehende Ereignisse geben.

Es existieren zahlreiche Kartenspiele, die speziell zum Wahrsagen entworfen wurden. Der früheste bekannte Tarot-Kartensatz stammt aus dem 14. Jahrhundert. Vermutlich liegt der Ursprung im Osten; wahrsagende Zigeuner und maurische Eindringlinge brachten die Bildkarten nach Europa. Im Grunde genommen ist das Tarot nur ein ganz gewöhnliches Kartenspiel. Einige Bilder mögen Europäern zwar seltsam erscheinen, doch sie besitzen an sich keine okkulte Bedeutung. Ein moderner Tarot-Satz besteht aus 78 Karten (56 Zahlenkarten, das kleine Arkana mit vier Farben: Stab, Kelch, Schwert und Münze sowie 22 Bildkarten, das große Arkana, die jeweils eine eigene Bedeutung haben). Arkanum (lat.) steht für Geheimnis und leitet sich von dem Wort „arca“ ab, welches Kiste bedeutet (der Inhalt der Kiste ist von außen nicht sichtbar und somit geheim).

Es gibt viele Möglichkeiten, die Karten zu „befragen“, aber keine davon ist besser oder sinnvoller als die andere. Entscheidend ist nur, dass der Wahrsager volles Vertrauen in die gewählte Methode hat und genau weiß, wie die Karten zu deuten sind. Doch selbst erfahrene Praktiker müssen häufig Bücher zurate ziehen, um sich die gängigen Bedeutungen der Symbole und Zahlen in Erinnerung zu rufen. Es gibt zwei Arten, aus den Karten zu lesen. Entweder wird eine bestimmte Anzahl ausgewählt, oder der gesamte Satz ausgelegt. Bei dem Verteilungsmuster ist die Lage jeder einzelnen Karte wichtig für die Deutung.

Wie bei allen anderen Wahrsage-Methoden stellt auch beim Tarot ein Ratsuchender eine Frage, und der Wahrsager sucht die Antwort. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Karten vom Fragenden selbst oder vom Deuter ausgelegt werden. Entscheidend ist, dass beide Parteien sich vollständig auf die eine maßgebliche Frage konzentrieren. Denn unüberlegte Fragen rufen Antworten hervor, die oberflächlich oder in ihrer weiteren Auslegung möglicherweise sogar irreführend sind. Das folgende Beispiel verdeutlicht, wie Tarot-Karten ausgelegt werden können. Das verwendete System wird als „Keltisches Kreuz“ bezeichnet.

Sechs Karten stehen für Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und direkte Einflüsse

Die erste ausgewählte Karte verkörpert die Frage. Sie ist der „Signifikator“. In diesem Beispiel fiel die Wahl auf den „Eremiten“, der für „Zeit, Weisheit, Zurückgezogenheit“ steht. Anschließend mischt der Fragende die restlichen Karten, hebt ab und legt sie mit dem Bild nach unten auf den Stapel links von dem „Signifikator“. Die oberste Karte des Stapels wird von links nach rechts umgedreht und direkt auf den „Signifikator“ gelegt. Diese Karte symbolisiert die gegenwärtigen Bedingungen, unter denen der Fragende lebt oder arbeitet. In diesem Fall handelt es sich um die Sonne (Glanz, Gesundheit, Wohlstand, Zuneigung, Verrat).

Eine zweite Karte wird quer auf die Erste gelegt und versinnbildlicht alle direkten Einflüsse bezüglich der Interessen des Fragestellers. Die Karte erwies sich als „Die Kraft“, was Zielstrebigkeit oder drohende Gefahr bedeutet. Eine dritte Karte wird oberhalb der ersten Kartengruppe abgelegt und stellt das Endziel des Fragenden dar. Hier ist es „Der Tod“. Doch dieses Symbol darf nicht wörtlich verstanden werden, denn es bedeutet Wandlung. Eine vierte Karte wird unter die erste Gruppe gelegt und steht für Einflüsse aus der Vergangenheit, die den Fragenden aber auch seine Fragestellung geprägt haben. Es ist „Die Welt“ (Vollendung, Erfüllung auf materieller Ebene).

Eine fünfte Karte wird rechts von dieser Gruppe abgelegt und repräsentiert die nahe Vergangenheit. Es ist „Der Magier“ (Geschicklichkeit, Fähigkeit). Eine sechste Karte wird links von der Mittelgruppe abgelegt und verkörpert Einflüsse, die vielleicht in der nahen Zukunft ins Spiel kommen. „Der Wagen“ steht für Leistung, Erfolg, Gefahr des Scheiterns. Diese ersten sechs Karten, die aufgedeckt wurden, vermitteln ein Bild von dem Fragenden und seinem Problem.

Die Karten rechts des Kreuzes dienen dem Wahrsager als Grundlage für Ratschläge

Die letzten vier Karten werden übereinander rechts auf den Tisch gelegt und enthalten den Rat des Wahrsagers. Die erste Karte versinnbildlicht die gegenwärtige Situation des Fragenden und gibt möglicherweise eine direkte Antwort. Hier ist es „Der Narr“. Er steht auf dem Kopf, bedeutet daher das Gegenteil von Zufall oder Schicksal und weist auf eine rationale Lösung hin. Die zweite Karte stellt die Menschen und Faktoren dar, durch die eine Antwort beeinflusst werden werden kann. Hier ist es „Das Schicksalsrad“, das zwar ebenfalls wie „Der Tod“ Veränderung bedeutet, aber zu Besonnenheit rät.

Die dritte Karte enthüllt die inneren Gefühle des Fragenden, die er möglicherweise verborgen hielt. Sie zeigt „Die Sterne“, die auf Neuanfang, sowie auf Freude und Erlösung hindeuten. Die letzte Karte zieht die Schlussfolgerung aus all dem, was die vorhergehenden Karten andeuteten. Es ist „Der Gehenkte“. Er steht für Anpassungsfähigkeit und Wandel; er bringt Wissen um die Zukunft sowie neues Verständnis für die Vergangenheit.