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Wandern auf den Kanarischen Inseln – La Palma 

La isla bonita – die schöne Insel ist die grünste Insel der Kanaren. Hohe Berge, atmosphärische Wasserfälle, einzigartige Lorbeerwälder und uralte Drachenbaumhaine warten darauf entdeckt zu werden.

Am frühen Nachmittag ist der größte Trubel an der Playa de Taburiente vorbei, die meisten Tagesausflügler haben bereits ihren Rückweg durch die Angustias Schlucht angetreten. Für die Zurückbleibenden beginnt jetzt die schönste Zeit des Tages. In aller Ruhe lassen sich die Sonnenstrahlen bei einem Bad in dem erfrischend kalten Gebirgsbach Río de Taburiente genießen. Stundenlang kann der Erholungssuchende auf einem Felsbrocken im Bachbett sitzen, dem Rauschen des Wassers lauschen und seinen Blick in die grüne Umgebung der Caldera de Taburiente schweifen lassen.

Beeindruckende Kraterlandschaft im Zentrum von La Palma

Im Zentrum der Vulkaninsel La Palma lässt sich mit neun Kilometern im Durchmesser eine der größten Kraterlandschaften der Welt erleben. Im Laufe von Jahrmillionen entwickelte sich in dieser Abgeschiedenheit ein einzigartiges Biotop. Dutzende von Quellen, Wasserfällen und Bächen machen die Caldera zur wasserreichsten Gegend der Insel. Um sie besonders zu schützen, wurde bereits 1954 der Nationalpark Parque Nacional de la Caldera de Taburiente eingerichtet.

Der Wanderer kann dieses Gebiet auf wunderbar angelegten Wegen erkunden. Einer der Höhepunkte jeder La Palma Reise ist die Wanderung neben und durch das Bachbett des Río de Taburiente. Je nach Wasserstand sind hin und wieder Klettereinlagen notwendig, um besonders große Felsblöcke zu überwinden oder nicht gänzlich nass zu werden.

Gut ausgebautes Wegenetz

2001 wurde das Wegenetz auf La Palma entsprechend den Richtlinien der European Ramblers Association übersichtlich ausgeschildert. Lokale Wanderwege beginnen mit den Buchstaben SL für Sendero Local, sind grün markiert und nicht länger als zehn Kilometer. Es folgt die Abkürzung für das örtliche Gemeindegebiet z.B. TJ für Tijarafe sowie die Nummer des betreffenden Weges. Regionale Wanderwege werden gelb nach dem System PR LP 11 für Pequeño Recorrido La Palma 11 dargestellt. La Palma verfügt auch über zwei überregionale Wegstrecken. Diese sind rot mit GR für Gran Recorrido gekennzeichnet.

Wunderbare Ausblicke über Berg und Tal

Auf dem GR 130 lässt sich die gesamte Insel an der Küste umrunden. Der interessantere und weitaus spektakulärere der beiden ist jedoch der GR 131, der an der Südspitze am Leuchtturm bei Fuencaliente beginnt und fast die gesamte Insel bis Puerto Tazacorte im Westen durchquert. Der an wunderschönen Aussichten reiche Weg führt über einige Vulkangipfel, die Gebirgskämme Cumbre Vieja und die Cumbre Nueva sowie die Gipfel am Rand der Caldera de Taburiente zurück ans Meer. Teilweise verläuft die Wanderung atemberaubend am Abgrund entlang mit wunderschönen Ausblicken auf die Bergwelt La Palmas. Die Tour führt den Wanderer außerdem über den manchmal mit Schnee bedeckten 2426 Meter hohen Roque des Los Muchachos ‚Fels der Freunde’) die höchste Erhebung der Insel.

Für diese Streckenwanderung sollten ungefähr vier Tage eingeplant werden. Für Rucksackreisende gibt es unterwegs hervorragende Übernachtungsmöglichkeiten im Refugio del Pilar im Kiefernwald und im 2000 Meter hoch gelegenen Refugio de la Punta de los Roques hoch über dem Tal von Los Llanos de Aridane.

Drachenbäume, Höhlen und Petroglyphen

Im Gegensatz zum eher kargen, von Vulkangipfeln und Lavagestein geprägten Süden der Insel finden sich im Norden viele bewaldete Hänge und Schluchten. In dieser dünn besiedelten Landschaft bieten sich herrliche Ausflüge an zu uralten Drachenbaumhainen und den teilweise noch heute bewohnten Höhlen Cuevas de Buracas in der Nähe des Ortes Las Tricias. Im Parque Cultural La Zarza y La Zarcita lassen sich zahlreiche in Stein geritzte Bilder und Zeichen der Ureinwohner, sogenannte Petroglyphen, bestaunen. Diese Ritzungen und das Leben der Menschen zu jener Zeit werden im dazugehörigen Besucherzentrum anschaulich erklärt.

Der größte zusammenhängende Lorbeerwald

Ein besonders schönes Wandergebiet befindet sich im Nordosten der Insel unweit der Stadt Los Sauces. Das 1983 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannte Gebiet El Canal y los Tiles umfasst ein märchenhaftes Waldgebiet mit verschiedenen Lorbeerarten, die bis zu 30 Meter hoch werden. Im Jahre 2002 wurde schließlich die gesamte Insel La Palma zum Weltbiosphärenreservat erklärt. Eine aufregende und unvergleichliche, aber auch anstrengende Wanderung führt an den Hängen in 1300 Metern Höhe und durch die Schlucht des Barranco del Aqua zu den Quellen Marcos y Corderos, die in riesigen Wasserfällen von den Felsen stürzen.

Das Besondere dieser Tour ist die Durchquerung von 13 Tunneln, durch die eine alte steinerne Wasserleitung verläuft. Manche dieser engen und dunklen Tunnel sind so lang, daß sie nicht ohne Taschenlampe begangen werden sollten. Für den letzten Tunnel empfiehlt sich Regenkleidung, da das Wasser praktisch ungehindert durch den Tunnel rauscht und an vielen Stellen von der Decke tropft.

Nach diesem wundervollen Naturerlebnis kann der Wanderer den Tag in einer der zahlreichen Bars des nahegelegenen Ortes San Andrés ausklingen lassen. Dort ist es zwar nicht so einsam und verträumt wie an der Playa de Taburiente, aber das mediterrane Flair lässt sich wohl nirgends besser genießen als in diesem malerischen Küstenstädtchen.