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Was ist eine Spielsucht?

Spieldrang kann krankhaft und zur abnormen Gewohnheit werden

Der Kick des Glücksspiels kann süchtig machen. Diese Störung der Impulskontrolle entwickelt sich in drei Phasen und bedingt Veränderungen der Persönlichkeit.

Spielsucht ist ein krankhafter Spieldrang, der eine Eigendynamik entwickelt. Der Betroffene ist in einer Art Tunnelblick auf das Spielen fixiert. Das Glücksspiel besitzt im Leben eines Spielsüchtigen den zentralen Stellenwert. Der Suchtkick besteht in den spannenden Momenten des Spielvorgangs, in dem Mitfiebern auf einen Gewinn. Aus dieser Phase ziehen Spielsüchtige ihren Lustgewinn.

Der Einsatz wächst stetig

Spielsucht klammert begrifflich eine dynamische Entwicklung. Ist es am Anfang nur gelegentliches Spiel, entwickelt sich Schritt für Schritt schleichende Abhängigkeit. Was in der Einstiegsphase Spieler noch erregte, lässt sie bei fortgeschrittener Sucht kalt. So unterliegt der Spieler dem Zwang, durch immer riskantere Spielformen und höhere Geldeinsätze den ersehnten Nervenkitzel herbeizuführen.

Spielsüchtige spielen in der Mehrzahl in Spielhallen und verlieren ihr Geld an diesen Geldspielautomaten. Neben dem Automatenspiel ist noch das Casinospiel, das klassische Glücksspiel, Sportwetten und die Teilnahme an Lotterien zu nennen. Auch bei Computerspielen und Onlinespielen nimmt der Anteil Abhängiger deutlich zu.

Befindlichkeit von Spielsüchtigen

Für einen Spielsüchtigen dreht sich alles um den Kick des Glücksspiels. Geld verschafft einen hohen Spielanreiz, es verkörpert für sie das Maß aller Dinge in unserer Gesellschaft. Das dringende Bedürfnis nach Geld ist ein deutlicher Antrieb, der sich im Verlauf der Glücksspielsucht oft mit hohen Schulden ins Gegenteil verkehrt.

Wie auch bei anderen Süchten bekannt, entstehen bei längeren Spielpausen Entzugserscheinungen. Bei Spielentzug ist der Betroffene gereizt und unruhig, leidet unter körperlichen Symptomen wie Schwindel, Mundtrockenheit und Schweißausbrüchen.

Die Spielsucht ist Ausdruck fehlgeleiteter Bewältigungsstrategien von Angst, Konflikten oder Überforderung im Alltag. Das Spielen ist eine Form der Realitätsflucht, in Spielphasen entlastet sich der Betroffene durch die einseitige Fixierung. Probleme werden nicht bewältigt, Konflikte nicht gelöst. Alle Sorgen werden während des Spiels aus der Wahrnehmung verdrängt. Die Hoffnung mit dem nächsten Spiel einen Gewinn zu erzielen und damit alle Probleme zu lösen, begleitet den Spieler permanent.

Die Abwärtsspirale der Sucht

Spielen ersetzt für den Spielsüchtigen die Lösung von Alltagsproblemen. Nur lösen sich Probleme nicht von selbst und der Umfang verdrängter Anforderungen und Handlungsnotwendigkeiten nimmt im Leben des Süchtigen stetig zu. Kommt er nach Spielphasen zur Besinnung, fühlt er sich von seinen angewachsenen Problempotentialen in der Realität bedroht und reagiert mit Fluchtreflexen zurück in den Spielkick. Um die Verdrängungsfunktion des Spielens zu halten, wird immer öfter gespielt.

Bei zunehmender Spielabhängigkeit werden nahestehende Menschen und Angehörige aufmerksam, versuchen zu helfen. Doch bleiben Kontrollversuche oft erfolglos. Abstinenz erzeugt bei Spielsüchtigen extrem negative Stimmungen und die konsequente Folge der Suchtlogik ist das nächste Spiel.

Spieler verlieren ihre Sozialkompetenz

Spieler bemühen sich nachhaltig, ihr Spielverhalten zu verbergen. Zwischenmenschliche Beziehungen werden einer hohen Belastungsprobe unterworfen, da fortgeschritten Spielsüchtige alles ihrem Spielbedürfnis unterordnen und dafür auch unsozial und rücksichtslos handeln. Häufig zerbrechen Partnerschaften, soziale Kontakte reduzieren sich auf ein Minimum und unzuverlässiges Verhalten bedingt den Arbeitsplatzverlust.

Spielsüchtige sind immer auf der Suche nach neuen Geldgebern und Geldquellen. Auch Beschaffungskriminalität ist möglich. Von Spielsucht Betroffene sind oft äußerst erfinderisch in bezug auf Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Auch wenn alle nahestehenden Menschen konsequent sind und ihnen kein Geld mehr leihen, geben sie nicht immer gleich auf.

So können unter Umständen neue Bekanntschaften mit dem erklärten Ziel geknüpft werden, durch betrügerische Geschichten und Vortäuschung falscher Tatsachen neue Geldmittel für die Finanzierung der Spielsucht zu erschleichen. Illegale Handlungen werden im fortgeschrittenen Stadium zur Normalität für einige Spielsüchtige, die sich teilweise recht trickreich durch ihren Alltag schummeln.

Pathologische Spieler brauchen Hilfe

Nach Klassifikation der WHO wird Spielsucht als abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle bewertet. Sie entwickelt sich in drei aufeinanderfolgenden Phasen – Gewinn, Verlust und Verzweiflung. Insbesondere die Verzweiflungsphase ist von Veränderungen der Persönlichkeitsstruktur begleitet.

Betroffene wirken ruhelos, haben Schlafstörungen und ziehen sich gesellschaftlich völlig zurück. Sie verwenden ihre Zeit und ihr Geld überwiegend für das Spielen, erleiden zwischenzeitlich heftige Schuldgefühle, Panikreaktionen und neigen zu Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken sowie Selbsttötungsversuchen.

Durch die gravierenden Folgen im familiären, persönlichen und beruflichen Umfeld braucht der Spielsüchtige neben therapeutischer Hilfe zum Grundproblem der Spielabhängigkeit auch umfassende Unterstützung, um angestaute Konflikte zu lösen, seine Schulden zu regulieren und sich wieder sozial integrieren zu können. Die Situation an Hilfsangeboten hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Es gibt ambulante Beratungsstellen, viele Selbsthilfegruppen und die Chance einer stationären Behandlung.