Antibiotika: Wann sie wirken, warum sie manchmal nicht wirken

Es gibt mehrere Gründe, warum ein Antibiotikum nicht wirkt. Vielleicht war es das falsche, vielleicht ist der Erreger resistent.
Das Antibiotika-Zeitalter begann 1928 mit der Entdeckung des Penicillins. Es hemmt das Wachstum bestimmter Bakterien und tötet sie damit. In der Zwischenzeit wurden weitere Stoffe entwickelt, die Bakterien zielgerichtet abtöten können. Daher glaubte man lange Zeit, bakterielle Infektionen seien für den Menschen keine Gefahr mehr. Dass dies nicht stimmt, erklärt Dr. Tobias Sprenger, medizinischer Direktor der Villavita-Tagesklinik in Köln. „Weil Antibiotika zu oft und oftmals aus den falschen Gründen verschrieben wurden, konnten die Bakterien im Laufe der Zeit Resistenzen entwickeln. Das bedeutet, dass das Antibiotikum bei ihnen nicht mehr wirkt.“

Wie eine Resistenz entsteht

Wird nämlich eine Bakterienart immer mit dem gleichen Antibiotikum bekämpft, lernt sie, sich so zu verändern, dass das Mittel nicht mehr wirken kann. Diese Resistenz führt dazu, dass sich die Krankheitserreger trotz einer antibiotischen Behandlung ungestört weiter vermehren können. „Das kann für den Patienten tödlich enden“, weiß Dr. Sprenger. „Gerade in Krankenhäusern infizieren sich immer mehr Patienten mit Erregern, gegen die übliche Antibiotika nicht mehr wirken.“ So kommen auf 600.000 infizierte Krankenhauspatienten 30.000, die daran versterben – so eine Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Dr. Sprenger weist aber darauf hin, dass von diesen Todesfällen hauptsächlich schwerkranke, alte Menschen betroffen sind. „Der junge Motorradfahrer, der wegen eines Unfalls ins Krankenhaus kommt und sich dort infiziert, ist die große Ausnahme.“ Der bekannteste resistente Erreger ist ein Bakterium, das als MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) bekannt wurde. „Gesunden Menschen schadet er nicht, nur Schwerstkranke können diesem Keim nichts entgegensetzen.“

Ein Antibiotikum wirkt nicht gegen Viren

Damit sich nicht noch weitere resistente Bakterien entwickeln können, müssen Ärzte eine Antibiotika-Behandlung sehr genau erwägen. „Viele Patienten bitten um ein Antibiotikum, wenn sie an einem grippalen Infekt leiden“, sagt Dr. Sprenger. „Meist liegt einer Erkältung jedoch eine Virusinfektion zugrunde – da wirken Antibiotika nicht.“

Liegt tatsächlich eine bakterielle Infektion vor, sollte zunächst der Krankheitserreger identifiziert werden. „Kein Antibiotikum wirkt gegen alles“, so Dr. Sprenger. „Deshalb verwenden in der Klinik ein Antibiogramm, das uns dabei hilft, genau das Mittel auszusuchen, das speziell gegen den Krankheitserreger wirkt.“ Das hat nicht nur den Vorteil, dass der Patient gleich das passende Antibiotikum bekommt, sondern auch den, dass die Bakterien nicht gegen weitere Mittel resistent werden können.

Ein Antibiotikum sollte unbedingt so lange eingenommen werden, wie es der Arzt empfohlen hat. „Bricht der Patient die Therapie zu früh ab, haben die widerstandsfähigsten Bakterien überlebt und können sich erneut vermehren. Das führt nicht nur zu einem Rückfall“, warnt Dr. Sprenger, „sondern züchtet auch eine neue Generation resistenter Bakterien.“

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