Atempause am deutschen Aktienmarkt

Warum der Aktienmarkt seine Rally nicht fortsetzen wird.

Das Jahr 2009 war im Großen und Ganzen ein positives Jahr für die Wirtschaft. Nach dem krisengeschüttelten Vorjahr waren die Erwartungen am Anfang alles andere als optimistisch. Aber einem schwachen ersten Quartal folgte eine Aufhellung der Wirtschaftsdaten. Der zunehmende Optimismus spiegelte sich auch am Aktienmarkt wider. Der deutsche Aktienindex DAX stieg zwischen März und Dezember um 61 Prozent. Zwar sind Aktienmärkte Frühindikatoren, das heißt sie steigen am Beginn eines Aufschwungs normalerweise schneller und stärker an als die tatsächliche Wirtschaftskraft, aber man sollte dabei nicht aus den Augen verlieren, dass Aktienkurse ein Produkt erwarteter Unternehmensgewinne sind. Materialisieren sich die Erwartungen nicht, sinken die Aktienkurse wieder. Schon werden die ersten Stimmen laut, die das Platzen einer neuen Aktienblase vorhersagen.

Zieht man in Betracht, dass die Wirtschaft gerade eine tiefe Rezession hinter sich hat und ein Wirtschaftsaufschwung, wie auch immer er aussehen mag, vor uns liegt, erscheint diese Panik verfrüht. Der DAX liegt noch immer 25 Prozent unter seinem Stand von 2007. Es lässt sich aber auch nicht abstreiten, dass in der Aktienentwicklung der letzten Monate sehr viele positive Erwartungen stecken. Die nächsten Monate werden zeigen, wieviele dieser Erwartungen erfüllt werden, denn das neue Jahr birgt einige Herausforderungen.

Wirtschaftserholung im letzten Jahr durch staatliche Subventionen gestützt

Wie die vom Statistischen Bundesamt vierteljährlich bereitgestellten Wirtschaftsdaten zeigen, wurde das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2009 sehr stark vom privaten Konsum getragen. Grund dafür waren die durch die Einführung der Abwrackprämie gestiegenen Autoverkäufe. Mit dem Auslaufen des Programms bewegte sich der Konsum zum Jahresende daher auch wieder in bescheideneren Bahnen. Der kürzlich veröffentlichte Konsumklimaindex der Marktforschungsgruppe GfK zeigte eine leichte Abschwächung des Konsumentenvertrauens aufgrund der befürchteten steigenden Arbeitslosigkeit. Nun waren robuste Wachstumsphasen in Deutschland aber selten vom privaten Verbrauch getragen. Auch wenn aus volkswirtschaftlicher Sicht eine Stärkung des privaten Verbrauchs durchaus wünschenswert wäre, sind Deutschlands traditionelle Wachstumstreiber Investitionen und Export. Und in der derzeitigen politischen Diskussion ist keine Änderung dieser Wirtschaftspolitik erkennbar.

Exportwachstum ist unter anderem von der Währungskursentwicklung abhängig. Die nachlassende Eurostärke im letzten Quartal dürfte zwar zu einer Verbesserung des Außenhandelsbeitrags für die deutsche Wirtschaft geführt haben. Allerdings sind die Risiken einer erneuten Dollar-Abwertung, und mit ihm eine Abwertung aller Währungen, die sich an den Dollar koppeln, noch lange nicht vorrüber. Im Gegenteil, sollte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen früher anheben als die US amerikanische Federal Reserve Bank, ist eine erneute Eurostärke zu erwarten. Das dürfte das Exportwachstum dämpfen.

Nachhaltige wirtschaftliche Erholung hängt von vielen Faktoren ab

Bleibt zu hoffen, dass sich das Investitionsvolumen weiter erhöht. Im letzten Quartal waren Bruttoinvestitionen die Stütze des Wirtschaftswachstum. Allerdings war ein großer Teil auf eine Aufstockung der Lagerhaltung zurückzuführen, ein Effekt, der sich nur fortsetzen wird, wenn die Auftragseingänge steigen. Die niedrigen Zinsen haben zwar grundsätzlich eine positive Auswirkung auf das Investitionsverhalten, der Effekt wird aber durch striktere Kreditvergabebedingungen der Banken limitiert. Darüber hinaus haben die Zentralbanken der entwickelten Länder in diesem Jahr die schwierige Aufgabe, ihre stimulierende Geldmarktpolitik rückgängig zu machen, um rechtzeitig einem Anstieg der Inflation entgegenzuwirken. Sobald sich die Wirtschaftsdaten weiter verbessern, ist daher mit einem Anstieg des Zinsniveaus zu rechnen.

Insbesondere die Angst, dass die Zentralbanken die Zinsschraube zu früh anziehen und damit die Wirtschaft lahmlegen könnten, wird für Unsicherheit an den Aktienmärkten sorgen. Nachdem das Jahr 2009 die meisten Anleger positiv überrascht hat, sollten sie sich im kommenden Jahr auf eine gemischte Datenlage einstellen. Das wahrscheinlichste Szenario für dieses Jahr ist eine Berg- und Talfahrt der Kurse.

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