Bedeutung der Tiere: Die indianische Mythologie

Aufgaben und Symbolik von Rabe, Bär, Wolf, Kojote und Schildkröte.

In der Mythologie der amerikanischen Ureinwohner spielen Tiere eine große Rolle, da sie meist als enge Verwandte des Menschen angesehen wurden.

Häufig gelten Tiere als Gründer eines Stammes, der diesem seine Kraft verlieh und in Form von geschnitzten Totempfählen dargestellt wird, um Macht und Reichtum des Stammes zu demonstrieren. Ursprünglich sollen Menschen und Tiere nicht zu unterscheiden gewesen sein und konnten sich beliebig in die Gestalt des anderen verwandeln, was unter dem Vorgang des Gestaltwandelns auch in anderen Kulturen bekannt ist.

Der Bär

Das Tier, das allgemein dem Menschen am nächsten stehen soll und über das unzählige Mythen und Legenden berichten, ist der Bär. Ein bekannter Mythos aus dem Nordwesten Amerikas erzählt von der Häuptlingstochter Rhpisunt, die den Sohn des Häuptlings der Bärenmenschen heiratete. Ihre Söhne waren in der Lage, je nachdem, ob sie sich im Clan ihres Vaters oder dem ihrer Mutter aufhielten, ihre Bärenkleider an- oder abzulegen und als Mensch oder Bär aufzutreten.

Schöpfungsmythen

Auch in den meisten Schöpfungsgeschichten Nordamerikas tauchen unter den Göttern viele in Tiergestalt auf. So hat die Schildkröte in den Mythen vom Erdtaucher eine wichtige Funktion. Dieser Mythos erzählt von einem Wesen, das vom Grund des Urmeeres Schlamm herauf holt, aus dem später auf dem Rücken einer Schildkröte die Erde entstand.

Wolf, Kojote und der Ursprung des Todes

In den Mythen vom Ursprung des Todes spielen ebenfalls Tiere eine große Rolle. Oft erzählen sie von einem Streitgespräch zwischen zwei Wesen, die fast immer in Tiergestalt erscheinen. In der Version der Shoshoni aus den westlichen Plains sind es Wolf und Kojote, die sich nach einiger Überlegung dazu entschließen, verstorbene Menschen nicht ins Leben zurückzuholen, damit es nicht zu viele werden.

Der Trickster

Eine weitere Figur nicht nur der amerikanischen Mythologie, die häufig in Gestalt eines Hasen auftaucht, ist der Trickster. Dieses Wesen, mal tolpatschig, mal listig, erleidet oft durch seinen eigenen Unfug Schaden, ohne jedoch daraus zu lernen. Meist verdeutlichen seine unterhaltsamen, oft auch sehr vulgären Geschichten, wie wichtig die Einhaltung und Pflege sozialer Normen ist. Es kommt jedoch auch vor, dass seine Gestalt in den Mythen mit den Figuren der übermenschlichen Kulturheroen verschmilzt und er so zu einem Gestalter der Erde und der menschlichen Gesellschaft wird.

Der Rabe und die Krähe

Vor allem entlang der Pazifikküste und im Nordwesten tritt der Trickster oder Kulturheros häufig in Gestalt eines Raben oder einer Krähe auf. So berichtet ein Mythos der an der Nordwestküste beheimateten Tsimshian davon, wie der Rabe einem machtgierigen Häuptling die Himmelskörper stahl und diese an den Himmel warf, wo sie uns seitdem als Sterne leuchten. Darstellungen seiner Gestalt lassen sich sowohl auf Gebrauchsgegenständen wie Messergriffen und auf rituellen Gegenständen wie Masken oder auch Totempfählen finden.

Tiere als Schutzgeister der Schamenen

Schließlich treten viele Schutzgeister den Schamanen in Gestalt eines Tieres gegenüber, um ihnen in Verbindung mit der spirituellen Welt bei ihrer Aufgabe, dem Wohl des Stammes zu dienen, zu helfen. So ist es ihnen möglich Kranke zu heilen, Jagdwild aufzuspüren, oder – äußerst praktisch – verlorenen Gegenstände wiederzufinden.

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