Beruf Brustkrankenschwester

Heidi Loll begleitet Frauen mit Brustkrebs durch Therapie. Mit der Diagnose Brustkrebs fallen viele Frauen in ein tiefes psychisches Loch. Breast nurse Heidi Loll im Helios Klinikum Berlin-Buch steht ihnen zur Seite.

Mit der Diagnose Brustkrebs fallen Patientinnen oft in ein tiefes psychisches, emotionales und soziales Loch. „Viele sind erst einmal sprachlos und vollkommen hilflos im Umgang mit der neuen Situation. Andere Frauen werden von einer großen existenziellen Angst gepackt“, erläutert Heidi Loll, Brustkrankenschwester am Helios Klinikum in Berlin-Buch. Seit zwei Jahren begleitet die 48-jährige examinierte Krankenschwester Patientinnen mit Brustkrebs. Als Bindeglied zwischen Patientin, Angehörigen, Ärzten und allen am Behandlungsprozess Beteiligten unterstützt und berät sie die Patientin und begleit sie durch das Labyrinth von Diagnostik, Therapie und Nachsorge.

Hilfestellung, wenn die Welt stehen bleibt

„Auf Wunsch der Patientin bin ich hier am Klinikum schon beim ersten Gespräch dabei und stehe ihr dann während der gesamten Therapie und auch in der Nachsorge zur Seite“, so Loll. Auf viele Fragen werden Antworten gesucht. Welche der in Frage kommenden Therapie ist für mich die richtige? Was passiert dabei genau? Wie erkläre ich die Situation meinen Kindern oder meinem Mann? Was wird mit meiner Arbeit?

Aufgabe der Brustkrankenschwester ist es, die Interessen der Patientin zu vertreten. „Dabei kann es sich um Fragen an den Arzt handeln, wenn ich sehe, dass die Patientin etwas nicht verstanden hat. Ich informiere die Patientin stets darüber, wohin sie sich mit welchem Problem wenden kann, und vermittle Gespräche mit dem Arzt oder der Psychologin. Außerdem koordiniere ich die Versorgung mit Hilfsmitteln wie etwa Perücke oder Prothese. Wichtig ist es aber vor allem, Zeit und ein offenes Ohr für die Sorgen der Patientinnen zu haben, mich individuell auf die Frauen einzustellen und sie kontinuierlich zu begleiten“, fasst die Brustkrankenschwester zusammen.

Bewährtes Berufsbild aus England

Das Berufsbild der breast nurse stammt aus England, wo man bereits auf eine 25-jährige Erfahrung zurückblickt. Heidi Loll war die erste Brustkrankenschwester in Berlin, als sie 2005 ihre berufsbegleitende Ausbildung begann: „Neben den fachspezifisch medizinischen Inhalten und möglichen Therapien ging es in der Ausbildung vor allem um Aspekte der Kommunikation, Psychologie und den Umgang mit Angst und Schmerz. Ein wesentliches Ziel war es hier zu lernen, die Frauen während des Therapieprozesses professionell zu unterstützen und zu begleiten.“

EVA – ein Platz für Tränen und Austausch

Allein gelassen werden die Patientinnen auch nicht, wenn die Operation oder die Chemotherapie hinter ihnen liegen. „Im Helios Klinikum trifft sich unter meiner Leitung jeden Dienstag der Gesprächskreis namens EVA – Frauen gemeinsam für das Leben. Oft können Angehörige nicht helfen. Während der langen und oft schweren Therapiezeit braucht die einzelne Frau andere Betroffene, die genau wissen, was in ihr vorgeht und was sie bewegt.“

Im Januar 2008 hat eine Kollegin von Heidi Loll ihre Ausbildung zur breast nurse abgeschlossen. Somit steht im Brustzentrum des Klinikums jetzt immer eine Ansprechpartnerin für Brustkrebs-Patientinnen zur Verfügung.

Breast nurses gibt es inzwischen auch an anderen Krankenhäusern in Berlin und bundesweit. Bislang werden allerdings die wenigsten wie Heidi Loll von den Klinikaufgaben freigestellt, um sich ausschließlich den Brustkrebs-Patientinnen zu widmen.

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