Beziehungsspiele – Kommunikationsfallen in der Partnerschaft

Jeder kennt typische Beziehungsspiele, ohne sich dessen bewusst zu sein. Lernen Sie, diese anhand von amüsanten Beispielen zu erkennen und zu vermeiden.

Gesellschaftstypische Beziehungsmythen, die Weisheiten über Beziehungen und die Liebe enthalten, beeinflussen die Art der Kommunikation der Lebenspartner und damit auch die Beziehungsspiele. Es wird zwischen der Inhalts- und der Beziehungsebene unterschieden. Probleme in der Partnerschaft entstehen häufig deshalb, weil diese beiden Ebenen von den Partnern nicht voneinander getrennt werden. Die Inhaltsebene bezieht sich auf den reinen Inhalt, also auf das Objekt, um das es geht. Die Beziehungsebene bezieht sich auf die Beziehung der Partner. Wird etwas, das A zu B auf der Inhaltsebene gesagt hat, von B auf die Beziehungsebene übertragen, kann sich B aufgrund dessen persönlich angegriffen fühlen.

Beispiel für eine misslungene Ebenentrennung

Er sitzt am Computer. Sie geht einkaufen und bittet ihn, um 17 Uhr Hanna anzurufen, da die Frauengruppe heute später anfängt. Als sie vom Einkaufen zurückkommt, sitzt er immer noch am Computer und hat nicht angerufen. Sie: „Schön, du hast nicht angerufen, also bin ich dir gleichgültig. Wenn du meinst, du könntest mir mit deiner unbewussten Ablehnung der Frauengruppe auch noch weh tun, dann irrst du dich.“

Beispiel für eine gelungene Ebenentrennung

A hat gekocht und sagt zu seiner Freundin. „Ich habe dir diesen vegetarischen Auflauf nach einem ganz neuen Rezept gemacht. Schmeckt er dir?“ Stellen wir uns vor, er schmeckt ihr wirklich: Antwortmöglichkeit: „Ja!“ Schmeckt er ihr nicht, müsste sie die Frage auf der Inhaltsebene mit „Nein!“ beantworten. Das allerdings betrifft die Beziehungsebene. Also muss sie auf der Inhaltsebene ein Minus und auf der Beziehungsebene ein Plus durchgeben: „Der Auflauf schmeckt mir nicht, aber ich finde es toll, welche Mühe du dir damit gemacht hast.“

Werden diese beiden Ebenen also getrennt, können Konflikte vermieden werden. Nachfolgend sollen die zehn Standard-Beziehungsspiele diesen Sachverhalt leicht nachvollziehbar verdeutlichen. Sicher erkennen Sie sich in dem einen oder anderen Beispiel wieder und müssen schmunzeln.

Spiel 1: Einsetzen (Ausnutzen) der Beziehungsebene, um auf der Inhaltsebene etwas zu erreichen

„Duuuuuuu? Schatzileeeeeein? Hast du Lust, einen Kaffee zu kochen?“ Hilfreich ist bei solchen Spielen auch immer der Tonfall. Hier sind der charmante Tonfall, das Kosewort und die behutsame Fragetechnik die Verpackung für die Beziehungsebene.

Spiel 2: Zurückweisung der Ebenentrennung und Überbetonung der Beziehungsebene

Er: „Könntest du für mich einen kleinen Umweg machen und Briefmarken mitbringen?“ Sie denkt: Inhaltsebene: Eigentlich nein, Beziehungsebene: Eigentlich ja. So sagt sie ausgesprochen richtig: „Eigentlich habe ich keine Lust, den Umweg zu machen, aber ich tu’s für dich!“ Er: „Nein, das möchte ich nicht. Wenn du mir schon mal einen Gefallen tust, sollst du das auch gerne tun.“

Spiel 3: Der Versuch, Klarheit zu schaffen, wird ins Gegenteil umgedeutet

A macht B heftige, aber unklare Vorwürfe, in denen Inhalts- und Beziehungsebene ständig wechseln. Daraufhin A: „Was ist eigentlich los, auf was willst du denn hinaus?“ B: „Das ist mal wieder typisch für dich, so zu tun, als ob du nicht wüsstest, wovon ich spreche.“

Spiel 4: Illusion der Alternativen

A bietet B zwei Möglichkeiten zur Auswahl an. Sobald dieser eine Möglichkeit auf der Inhaltsebene wählt, macht A ihm beziehungsmäßig Vorwürfe, dass er nicht die andere gewählt hat: Er schenkt ihr zwei CDs. Nimmt sie eine von den beiden zuerst in die Hand, blickt er traurig und sagt: „Die andere gefällt dir also nicht?“

Spiel 5: Stufenleiter der Versicherung

A verlangt die Versicherung eines Tatbestandes auf der Inhaltsebene und deutet über die Beziehungsebene an, dass die wirkliche Inhaltsebene noch nicht erreicht ist. Jede Stufe der Versicherung wird danach auf der nächsthöheren in Frage gestellt. Im Gegensatz zu den anderen Beispielen wird hier auf der Beziehungsebene argumentiert. A: „Liebst du mich?“ B: „ Ja!“ A: „Liebst du mich wirklich?“ B: „Ja, wirklich!“ A: „Liebst du mich ganz, ganz wirklich?“ usw.

Spiel 6: Paradoxe Aufforderungen – Die Sei-spontan-Paradoxie

A baut durch eine harmlos klingende Aufforderung auf der Inhaltsebene nach Spontanität auf der Beziehungsebene eine Falle auf, da die Aufforderung zur Spontanität die nachfolgende Spontanität ausschließt. Gleichzeitig kann A B mit dieser Aufforderung angreifen und ihn dadurch verhaltensunfähig machen. „Ach, wenn du doch mal ganz spontan Blumen mitbringen würdest!“

Spiel 7: Ratschläge sind auch Schläge

A gibt B ständig Ratschläge auf der Inhaltsebene, winkt aber im Hintergrund mit der Beziehungsebene. Bei Nicht-Befolgung der Ratschläge drohen langfristige Auswirkungen auf die Beziehung. „Du kannst natürlich machen, was du willst, aber warum machst du das nicht so und so?“ Meist werden Ratschläge auf den Gebieten gegeben, auf denen man meint, die größte Erfahrung zu haben.

Spiel 8: Eifersucht als Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Dieses Spiel ist vom Eifer gekennzeichnet, nach Beweisen zu suchen, die einen vermeintlichen Grund für eine Eifersucht liefern. Die selektive Wahrnehmung spielt bei diesem Spiel eine große Rolle. Egal, was der Angeklagte zu seiner Verteidigung zu sagen hat, es ist ein weiterer Beweis für seine Schuld. Das Spiel „Absolute Informationspflicht“, das später erläutert wird, kann das Eifersuchtsspiel einleiten. Das Eifersuchtsspiel kann A auch von B fordern, um den eigenen Marktwert zu testen. A: „Fandest du Monika gestern auf der Feier auch so unmöglich?“ B: „Och nein, ist mir gar nicht aufgefallen.“ A: „Typisch, dir gefällt aber auch alles an ihr.“

Spiel 9: Gedankenlesen bzw. Statuszuschreiben

Dies ist eine bewährte Technik, der anderen Person zu zeigen, dass man besser in ihrem Kopf Bescheid weiß, als sie selbst. A: „Was hast du bloß heute gegen mich?“ B: „Ich habe gar nichts gegen dich.“ A wird B trotz alledem nicht glauben.

Spiel 10: Absolute Informationspflicht

Dies ist ein weit verbreitetes, beliebtes Spiel, bei dem ständig Informationen abgefordert werden, aber auch freiwillig vorauseilend abgeliefert werden. Dadurch soll ein Beweis für Liebe und Interesse erbracht werden. Bei einer Nicht-Einhaltung dieser Informationspflicht entstehen Beziehungsprobleme. „Was tust du da? Was denkst du? Wohin gehst du? Wo warst du?“ „Ich bringe jetzt den Mülleimer runter und komme dann gleich wieder rauf.“ Dieses Spiel steigert sich meistens in Verlaufe einer Beziehung.

Wenn Sie sich mal wieder bei solchen Spielen ertappen, machen Sie lächelnd einen neuen Anlauf. Trennen Sie Inhalts- und Objektebene oder machen Sie Ihren Partner nett darauf aufmerksam, wenn ihm die Ebenentrennung nicht gelingt.

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