Das Eckfelder Maar

Geologen graben seit über 20 Jahren in den Ablagerungen eines Eifeler Trockenmaares nach Fossilien. Vor 48 Millionen Jahren war es in der Eifel warm und trocken.

Die Situation am Eckfelder Trockenmaar ist ähnlich der in Messel. Im Mittel-Eozän vor rund 50 Millionen Jahren bahnte sich unter der Eifel Magma seinen Weg an die Erdoberfläche. Durch Spalten und Risse im Gestein floss ihm Grundwasser entgegen. Einige hundert Meter unter der Oberfläche trafen sie sich in gewaltigen Explosionen. Diese rissen einen tiefen Krater von knapp einem Kilometer Durchmesser in die heutige Eifellandschaft. Das zersprengte und in die Luft geworfene Gestein bildete einen Wall rings um die Ausbruchstelle. Regen und Grundwasser füllten schnell den Kessel. Um die 150 Meter kann der See tief gewesen sein. Rings umher wucherte üppiger Urwald. Das warme und feuchte Klima begünstigte den dichten Pflanzenwuchs. Und der Wald war der Lebensraum einer Vielzahl von Tieren.

Der Maarsee, eine tödliche Falle

Auch im See wimmelte es von Leben. Doch nur in den oberen Schichten gab es Frischwasser. In der Tiefe lauerte der Tod auf alle höherentwickelten Lebewesen. Hier war sauerstofffreie Zone. Nur Bakterien konnten in der Dunkelheit überleben. Schuld war die Form des Maarsees. Die steilen Uferböschungen reichten weit in die Tiefe. Sie verhinderten eine Zirkulation des Wasserkörpers. Ein Austausch zwischen den oberen sauerstoffhaltigen Schichten mit den unteren, lebensfeindlichen fand nicht statt. Die weichen Ufer waren sehr schmal und rutschig. Starke Regenfälle oder kleine Erdbeben ließen sie immer wieder abbrechen. Dabei rissen die Erdmassen am Wasser stehende Tiere mit in die Tiefe. Hier waren ihre Leichen vor dem Zugriff von Aasfressern oder anderen Räubern sicher. Die am Boden lebenden Bakterien zersetzten die Kadaver langsam. Chemische Reaktionen bei der Verdauung fällten Mineralien aus. Diese überdeckten die Leiche und zeichneten jedes Detail nach. So blieben selbst Einzelheiten der Tiere als Hautschatten sichtbar. Mit der Zeit bedeckten die stetig absinkenden Sedimentpartikel die Organismen. Nach und nach wurde aus dem weichen Faulschlamm fester Ölschiefer. In ihm ist ein Ausschnitt der Mittel-Eozänen Lebenswelt der Eifel überliefert. Seit 1988 gräbt das Naturhistorische Museum Mainz/Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz in Mainz nach den Fossilien.

Das Urpferd von Eckfeld

Der spektakulärste Fund gelang den Fossiljägern dabei 1991. Die Grabungsmannschaft machte sich für das verdiente Wochenende fertig. Da kam ein fingerlanger Knochen ans Tageslicht. In der nächsten Woche legte der Trupp das Skelett einer Urpferdstute frei. Gesichert mit über 170 Kilogramm Gips trat das Fossil nach Abschluß seiner Freilegung die Reise ins Labor an. Am Ende der Präparierung zeigte sich, dass die Stute trächtig gewesen war. Im Hinterleib sind die Knochen des Fötus deutlich zu erkennen. Und auch die letzte Mahlzeit hat die vergangenen 50 Millionen Jahre gut überstanden. Der fossile Mageninhalt lässt erkennen, dass die Nahrung des Propalaeotherium aus weichen Blättern und Weinbeeren bestanden hat. Dafür waren auch die niederkronigen Zähne dieser Tiere ideal. Erst mit der Anpassung an die Grasnahrung der Steppe wandelten sich die Zähne in die hochkronige der heutigen Pferde um. Nicht verändert hat sich die Fortpflanzungsstrategie. Schon die Urpferde brachten nur ein Jungtier zur Welt. So konnten sich die Mütter besonders intensiv um den Nachwuchs kümmern und dessen Chancen zu Überleben verbessern. Doch nicht nur Pferde bewohnten den Wald rund um das Eckfelder Maar. Knochen- und Zahnfunde beweisen die Existenz von Urtapiren, Vorfahren heutiger Schweine, Hirsche, Giraffen oder Flußpferde.

Im und über dem Blätterdach

Sie sind zwar nur bruchstückhaft erhalten. Doch die Fossilien von Lemuren und Fledermäusen sind für die Wissenschaftler dennoch von Interesse. Die Halbaffen sind ein Mosaikstein für die frühe Entwicklungsgeschichte des Menschen in Europa. Die Ausgräber hoffen in Zukunft außer dem bislang entdeckten Unterkiefer und Zähnen auch ein vollständigeres Skelett zu finden.

Auch von den Fledermäusen sind bis jetzt nur Reste entdeckt worden. Von den kleinen Fledertieren haben sich bei zwei Exemplaren die Flügel erhalten. Auf den Flughäuten zwischen den Fingern sind selbst feinste Härchen zu erkennen. Ernährt haben sich die Tiere wie ihre heutigen Verwandten von Insekten, die sie im Flug fingen. Aufgespürt haben sie ihre Beute mit Hilfe der Echoortung.

Insekten bilden den Hauptanteil der tierischen Fossilfunde. Und davon sind über 90 Prozent Käfer. Sie hat ihr schwerer Panzer, nachdem sie in den See gefallen sind, unter Wasser gezogen. Die Vertreter der Pracht-, Blatt- und Schwarzkäfern zeigen teilweise noch ihre farbenprächtigen Flügeldecken. Andere Insekten treiben oft auf der Wasseroberfläche oder können sogar auf ihr laufen. Außerdem boten die schmalen Uferzonen nicht ausreichend Lebensraum für sie.

Schauen und staunen

Die Fossilien aus Eckfeld werden in zwei Museen ausgestellt.

Das Naturhistorische Museum Mainz/Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz in Mainz bietet in seiner Ausstellung einen Querschnitt durch die bisherigen Funde.

Das Maarmuseum in Manderscheid zeigt neben dem schwangeren Urpferd eine Rekonstruktion der eozänen Eifellandschaft. Ein besonders Highlight stellt der virtuelle Fahrstuhl zum Erdmittelpunkt dar.

Die Kurverwaltung der Gemeinde Manderscheid bietet im Sommer geführte Wanderungen auch zur Ausgrabungsstelle an. Ein Geopfad informiert alle, die lieber auf eigene Faust unterwegs sein möchten.

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