Das Heilwissen der Bauersfrauen

Grüne Medizin vom Land. Heu, Zwiebeln, Kartoffeln, Wacholder – das sind Landprodukte mit medizinischer Wirkung! Hilfreich bei Husten, Schnupfen oder Gliederschmerzen.

Harte Arbeit von morgens früh bis abends spät, viele Entbehrungen, Ängste und Sorgen prägten das Leben der Bauersfamilien vergangener Jahrzehnte. Und mit einer Krankheit stand schnell das Leben auf dem Spiel. Denn ein Arzt war nur selten in der Nähe und kostete zudem viel Geld. Aus der Not und der Angst um Tod und Verlust mussten die Bauernfamilien sich selbst helfen. Bereits im Sommer wurden Kräuter und Beeren gesammelt und getrocknet, Essenzen und Tinkturen hergestellt. Dem fiebernden Kind wurden kühlende Wickel verabreicht, der starke Husten des Großvaters mit Maronentee kuriert, die Menstruationskrämpfe mit Rosmarin gelindert. Von Generation zu Generation wurde die Heilwirkung von Kräutern, Wickeln und Tinkturen weiterentwickelt und -gegeben.

Profitieren auch Sie vom Heilwissen aus der Grünen Apotheke:

Heu Nach einem anstrengenden Arbeitstag sorgte eine Heukur am Kraxenofen für Entspannung und Wohlbefinden. Die heueigenen Heilsubstanzen Cumarin oder auch Hydroxyzimtsäure wurden durch die Ofenwärme freigesetzt und lockerten den ganzen Körper, Muskel- und Gelenkbeschwerden wurden spürbar gemildert. Es ging aber auch ohne Ofen: Gegen Nackenverspannungen, Bauchschmerzen oder Hexenschuss half ein warmes Heusäckchen (gibt’s z.B beim Biobauern oder beim Kneipp-Bund), ein Bad in frischen Heublumen (Apotheke) durchblutete sanft den ganzen Körper und sorgte für eine angenehme Müdigkeit vor dem Zubettgehen.

Zwiebeln Bei Infektionen oder Erkältungen half die scharfe Knolle mit natürlichem Antibiotikaeffekt. Der Saft geriebener Zwiebeln (mit Honig versüßt) vertreibt Husten und Heiserkeit. Verschnupften Kindern hängte die Bäuerin eine Zwiebelsäckchen über das Bett. Die ätherischen Öle (z.B. Lauch- und Senföl) fördern den Auswurf und befreien den Atem. Eine aufgeschnittene Zwiebel saugt das Gift von Insektenstichen aus der Haut und desinfiziert Wunden.

Essig Das Essigfass war wichtiger Bestandteil für Küche und Gesundheit. Eine Bronchitis linderte eine Inhalation von Apfelessigdämpfen. Wadenwickel mit Essig senkten schnell hohes Fieber. Bei Hauterkrankungen, wie Fußpilz, Flechten und Ekzemen wirkten Einreibungen oder ein Essigbad antibakteriell. Zudem zog der Essig Gift aus der Haut. Eine Tasse heißes Wasser mit 2 EL Essig bekämpft Erkältungen und Infektionen von Innen.

Kartoffel Die Kartoffel war nicht nur wichtigstes Grundnahrungsmittel, sondern auch Medizin: Die tolle Knolle ist ein hervorragender Wärmespeicher, lindert als Wickel (gekochte, noch heiße Kartoffel auf einem Leinentuch zerdrücken) Hustenreiz und Halsschmerzen. Der Saft frisch geriebener Kartoffeln lindert Verdauungsprobleme, Magenverstimmungen und Sodbrennen.

Sanddorn: Der altbewährte Erkältungstrunk aus dem Norden: selbstgemachter Sanddorn-Sirup schützt vor Erkältungen und stärkt das Immunsystem. Bereits ein ¼ Liter Sanddornsaft (Im Reformhaus erhältlich) hat 500mg Vitamin C.

Wacholder Im Frühherbst sammelte die Bäuerin die Wacholderbeeren. Eine mühsame oft schmerzhafte Arbeit wegen der spitzen Stacheln des Wachholders. Die frischen oder getrockneten Beeren sorgen roh gegessen für einen frischen Atem. Gleichzeitig wurde so der Appetit angeregt, was besonders für die Genesung nach schwerer Krankheit wichtig war. Für die Hausapotheke braute die Bäuerin aus reinem Alkohol und Wacholderbeeren eine Tinktur. 20 Tropfen zwei- bis dreimal täglich linderten Blasenentzündungen, Rheuma und Verdauungsbeschwerden. Wenn der Bauer über Ischiasschmerzen klagte, förderte eine Einreibung mit angewärmtem Wacholderöl die Durchblutung der Muskulatur.

Maronen Die leckeren Esskastanien sorgten im September nicht nureine willkommene und vitaminreiche Abwechslung auf dem Speiseplan: Sie waren bekannt für ihre beruhigende Wirkung auf den Magen, halfen bei Übersäuerung und Magenentzündung. Der Sud gekochter Maronenblätter förderte den Auswurf bei Husten und Keuchhusten. Ein heißes Dampfbad aus Blättern und Fruchtschalen ließ Gichtgeplagte entspannen. Baumwollwickel, gefüllt mit heißen Maronen, wärmten kalte Glieder und lösten Muskelverspannungen.

Thymian Das beliebte Küchenkraut war aufgrund seiner antiseptischen und auswurffördernden Eigenschaften ein wichtiges Mittel gegen den schlimmen Keuchhusten. Der selbstgemachte Hustensirup bestand aus eingekochtem Thymian mit ganz viel Zucker und Honig. Ein starker Thymiantee half bei Kindern auch gegen Wurmbefall im Darm. Die ätherischen Öle linderten zudem Verdauungsbeschwerden und in Kombination mit Eibisch Blasenentzündungen.

Rosmarin: Rosmarin galt als Kreislauftonikum, wurde bei einem niedrigem Blutdruck, Schwindel und Schwäche eingesetzt. Frauen nutzen die wärmenden und krampflösenden Eigenschaften des Rosmarintees bei Menstruationsschmerzen und zur Förderung der Wehen. Äußerlich angewendet stärkte eine Tinktur die Durchblutung, z.B. bei kalten Händen und Füßen oder Verspannungen.

Molke Das Milchserum stärkte dank rechtsdrehender Milchsäurebakterien und vieler Mineralien das Immunsystem. Bei den Bergbauern mit eigener Käserei wurde die Molke (Restprodukt der Käseherstellung) vielfältig eingesetzt: verbessert das Hautbild, wirkt von Innen reinigend, von außen pflegend (z.B. als Bad).

Ringelblume: Von der Gartenpflanze wurden im Sommer die gelben oder orangen Blüten abgepflückt. Für einen stimmungsaufhellenden Tee wurden 2-3 Blüten auf 125ml kochendes Wasser gegeben (10 Minuten ziehen lassen). Ein Gesichtsdampfbad linderte Pickel oder Eiterbeulen. Einreibungen und Wickel mit Ringelblumen-Tinktur beruhigten wunde Brustwarzen stillender Mütter, linderten den Schmerz von starken Krampfadern und Beingeschwüren. Eine Spülung mit dem Blütentee schenkt blonden oder roten Haaren eine Farbauffrischung.

Salbei Bereits der Name dieser Pflanze versprach Wohlbefinden (aus dem Lateinischen von „salvare“ = heilen).Im Sommer wurden große Sträuße Salbei im Dunkel des Dachbodens zum Trocknen aufgehängt. Die antibiotische Wirkung plus wertvolle, ätherische Öle machten Salbei zum festen Bestandteil bäuerlicher Heilkunst. Als Tee, Mundwasser, Wickel oder Badezusatz half Salbei bei fast allen Entzündungen, innerlich und äußerlich.

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