Das Rätsel des Traumes – Wie Sigmund Freud das Phänomen beschreibt?

Freuds Traumbeschreibung erfasst das widersprüchliche Wesen in seinen Gegensätzen. Zu den markanten Eigentümlichkeiten gehört ein erhöhtes Erinnerungsvermögen.

Freuds Faszination für Träume nahm einen zentralen Platz sowohl in seiner Theorie wie auch in seiner Praxis ein. Die nächtlichen Bilder sah er voller Gegensätze:

„Der Traum ist unzusammenhängend, vereinigt ohne Anstoß die ärgsten Widersprüche, lässt Unmöglichkeiten zu, lässt unser bei Tag einflussreiches Wissen beiseite, zeigt uns ethisch und moralisch stumpfsinnig“.

Dass wir eigene Träume meist nicht verstehen, dafür sind deren Eigentümlichkeiten – wie Freud meinte – verantwortlich.

Ein Mehr an Erinnerungen

Meist wird das Geträumte oft in der ersten Reaktion in keinerlei Verbindung mit eigenem Wissen und Erleben gebracht. Den Grund dafür sieht Freud darin, dass der Traum ein Zeugnis für Kenntnisse und Erinnerungen ablegt, „welche der Wachende nicht zu besitzen vermeint“. Der Schein trüge aber. Es kehren die Erinnerungen zurück, die im wachen Zustand unzugänglich seien. Dabei würden die Eindrücke der letzten Tage bevorzugt. Freud nannte derartige Träume hypermnestisch (Hypermnesie bedeutet ein erhöhtes Erinnerungsvermögen, das Gegenteil von der Amnesie, dem Vergessen).

Zurück in die Kindheit

Eine besondere Art bilden Träume, die aus dem längst vergessenen Kindheitsmaterial schöpfen. Sie überraschen mit Detailtreue. Freud lieferte dazu ein eigenes Beispiel. Er sah im Traum seinen früheren Arzt, dessen Gesicht die Züge seines Gymnasiallehrers angenommen hatte.

„Welche Beziehung die beiden Personen verknüpfe, konnte ich dann im Wachen nicht ausfindig machen. Als ich aber meine Mutter nach dem Arzt dieser meiner ersten Kinderjahre fragte, erfuhr ich, dass er einäugig gewesen war, und einäugig ist auch der Gymnasiallehrer, dessen Person die des Arztes im Traum gedeckt hatte. Es waren achtunddreißig Jahre her, dass ich den Arzt nicht mehr gesehen, und ich habe meines Wissens im wachen Leben niemals an ihn gedacht, obwohl eine Narbe am Kinn mich an seine Hilfeleistung hätte erinnern können“.

Verschiebung

Im Traum verschieben sich die Werte – laut Freud ist es das unverständlichste Merkmal. Was uns sonst als unscheinbar vorkommt, kann den gleichen Rang wie das Bedeutsamste erreichen.

Wo ist mein Traum hin?

Am Morgen nach dem Aufwachen sind die Bilder oft zerronnen. Wenn sich Träume verflüchtigen, dann hatte „die an sie geknüpfte Seelenerregung einen zu geringen Grad“. Außerdem hält man in der Regel fest, was sich wiederholt. „Die meisten Traumbilder sind aber einmalige Erlebnisse“.

Sie sind schwer zu merken, weil sie nicht geordnet und unverständlich als Bruchstücke auftauchen. So misst der Träumende ihnen zumeist wenig Bedeutung bei.

Traum als Halluzination

Bilder sind die Sprache des Traumes. Der Traum ersetzt Gedanken durch Halluzinationen, die einer hypnotischen Trance ähneln; er halluziniert. Dabei vereint der Traum visuelle und akustische Vorstellungen. Der Träumende erlebt diese als eine gegenwärtige Situation.

Grenzen überschreiten

Im Traum ist alles möglich: „Wer sich im Wachen so benehmen würde – schreibt Freud – wie es der Traum in seinen Situationen vorführt, den würden wir für wahnsinnig halten; wer im Wachen so spräche oder solche Dinge mitteilen wollte, wie sie im Trauminhalt vorkommen, der würde uns den Eindruck eines verworrenen oder eines Schwachsinnigen machen“.

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