Das Versprechen von Jungfräulichkeit – enthaltsame Teenager?

Eine Studie stellt ein millionenschweres Gesundheitsprogramm zur Förderung der Enthaltsamkeit auf den Prüfstand.

Die Reduzierung von frühen, unaufgeklärten sexuellen Erfahrungen von Teenagern ist ein Ziel bei der Wahrung der öffentlichen Gesundheit. Riskantes sexuelles Verhalten, Jugendschwangerschaften und die Übertragung und Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten sollen durch Aufklärungsprogramme vermieden werden. In den USA gibt es ein Programm, dessen Effektivität darin besteht, Teenagern das Versprechen abzunehmen, sich nicht auf frühen Geschlechtsverkehr einzulassen. Damit möge man doch bis zur Eheschließung warten.

Religiöse Motive und staatliche Förderung

Die als „abstinence-only sex education“ (AOSE) bezeichneten Programme wurden 2008 mit 204 Millionen Dollar von der US-Regierung unterstützt. Sie sehen einen Lehrplan vor, der aus einer einzelnen oder auch mehrteiligen Sitzung besteht. Dort sollen die „sozialen, psychologischen und gesundheitlichen Gewinne“ vermittelt werden, die ein Abstandhalten von sexuellen Aktivitäten mit sich bringt. Gegründet wurden die AOSE-Programme 1993 von einer evangelikal-christlichen Gruppe, die Idee fand seitdem weiteren Anklang in protestantischen und katholischen Kreisen.

Halten sich Teenager tatsächlich an ihre Enthaltsamkeitsversprechen?

1995 gaben 13 Prozent der amerikanischen Teenager an, den Jungfräulichkeits-Eid geschworen zu haben. Mittlerweile werden solche Angaben sogar von Regierungsseite verwendet, um die Effektivität der AOSE-Programme zu bewerten – ungeachtet des tatsächlichen Sexverhaltens der Teenager. Dr. Janet Elise Rosenbaum nahm dies zum Anlass, eine Langzeitstudie durchzuführen. Mit dieser Studie sollte herausgefunden werden, ob die vereidigten Teenager tatsächlich weniger sexuell aktiv sind als solche, die kein Jungfräulichkeitsgelübde abgegeben haben.

Aus einer repräsentativen landesweiten Stichprobe wurden vereidigte und unvereidigte Schüler der siebten bis zwölften Klasse zu ihrem sexuellen Verhalten befragt. Dies geschah mit denselben Personen in den Jahren ’95, ’96 und 2001. Es wurde darauf geachtet, dass die verglichenen Testpersonen bis auf den Jungfräulichkeits-Eid in allen Merkmalen möglichst übereinstimmten, zum Beispiel im Grad ihrer Religiösität, ihrer Einstellung zur Verhütung, in ihrer Erwartungshaltung zum ersten Sex und so weiter. Die Auswertung der Ergebnisse dürfte die Befürworter der Enthaltsamkeitsversprechen nicht gerade erfreuen: In zwölf von vierzehn der untersuchten sexuellen Verhaltensweisen, drei von drei Tests auf Geschlechtskrankheiten und vier von vier heiratsbezogenen Themen gab es keinerlei signifikante Unterschiede zwischen Eidschwörern und Personen ohne Enthaltsamkeitsversprechen. Die AOSE-Programme haben ihre Zielsetzung damit klar verfehlt.

Der negative Effekt der Jungfräulichkeits-Programme

Einen bestimmten Effekt haben die AOSE-Programme jedoch: Bei solchen Teenagern, die trotz Eid vorehelichen Geschlechtsverkehr haben, fördern sie riskantes Sexverhalten. Eidschwörer verwendeten signifikant weniger Verhütungsmittel beim Sex, besonders vom Kondomgebrauch wurde abgesehen. Dr. Rosenbaum erklärt diesen Sachverhalt damit, dass 90 Prozent der staatlichen Fördermittel keine wissenschaftliche Vorgehensweise in den AOSE-Lehrgängen vorgeben. In einer anderen Studie wurde gezeigt, dass in 11 von 13 staatlich geförderten Enthaltsamkeitsprogrammen fehlerhafte Informationen bezüglich Empfängniskontrolle und Kondomeffektivität verbreitet wurden. Rosenbaum fordert nun eine Umverteilung der staatlichen Mittel auf evidenzbasierte Aufklärungsprogramme, in denen Empfängnisverhütung und Safer Sex vermittelt werden.

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