Depressionen nach Schlaganfall

In Deutschland ein oft vernachlässigtes Problem für die Genesung.

Unter Schlaganfallpatienten und deren Angehörigen kommt es nicht selten zur Entwicklung von Depressionen. Über ein vernachlässigtes Thema wird nun aufgeklärt.

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. erlebte dieses Problem am eigenen Leib. Ab 1857 erlitt er mehrere Schlaganfälle. Diese schränkten seine körperliche und intellektuelle Leistungsfähigkeit ein, wodurch der König den Beschreibungen nach auch Depressionen entwickelte. Er fand für sich jedoch einen Ausweg aus den Problemen. Im Oktober 1858 machte er seinen Bruder, den späteren Kaiser Wilhelm I., zum Regenten und ließ Regierungsgeschäfte nun Regierungsgeschäfte sein. Dafür ging er mit einem kleinen Hofstaat auf Reisen und genoss in seinen letzten Lebensjahren die Welt Italiens.

Das Problem heute

Nicht jeder Schlaganfallpatient ist König und muss daher meist mit geringeren Mitteln die Folgen des Schicksalsschlags überwinden. Viele Schlaganfallopfer entwickeln eine Depression. Aber nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei den Angehörigen ist das Risiko für die Entwicklung einer Depression beachtlich hoch. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Forschungsergebnisse zur Behandlung von Depressionen nach einem Schlaganfall untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass Antidepressiva bei dieser Patientengruppe nicht so wirken wie erwartet. Das Institut rät daher, sie wegen ihrer Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nur mit Bedacht einzusetzen.

Erfolgreiche Rehabilitation setzt Motivation und Unterstützung voraus

Oft ist es nur schwer zu erkennen, ob Menschen nach einem Schlaganfall nur niedergeschlagen sind oder ob sie eine behandlungsbedürftige Depression entwickelt haben. Es ist jedoch sehr wichtig, eine Depression angemessen zu behandeln. Denn durch eine Depression kann sich auch die körperliche Genesung erheblich verzögern, was vielen noch nicht ausreichend bekannt ist. „Der Erfolg der Rehabilitation hängt auch davon ab, wie sehr die Patientinnen und Patienten bereit sind, aktiv daran mitzuarbeiten“, sagt der Leiter des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Professor Dr. med. Peter Sawicki. „Eine Rehabilitation ist anstrengend, sie erfordert viel Geduld und Motivation. Wenn Menschen eine Depression entwickeln, können sie die nötige Motivation aber kaum aufbringen.“

Für den langfristigen Erfolg einer Rehabilitation ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegepersonal und anderen Fachkräften mit den Betroffenen und ihren Angehörigen besonders wichtig. Ergo- und Physiotherapie helfen bei der erneuten Gewinnung körperlicher Fähigkeiten und erhöhen so die Chance auf ein selbstständiges Leben der Patienten. Die vorliegenden Forschungsergebnisse zeigen, dass eine solche intensive Unterstützung auch dabei helfen kann, entstandene Depressionen zu mildern oder zu überwinden.

Wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Antidepressiva weisen darauf hin, dass diese Mittel bei Menschen nach Schlaganfällen allgemein nicht so wirksam sind wie bei anderen Patientengruppen mit Depressionen. Da sie auch unerwünschte Wirkungen haben und die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen können, raten die Wissenschaftler dazu, sie nur mit Bedacht einzusetzen. Dazu Professor Sawicki: „Gerade bei älteren Menschen, die oft gleichzeitig noch viele andere Arzneimittel einnehmen, können Psychopharmaka unerwartete Neben- und Wechselwirkungen haben. Es gibt noch viele offene Fragen. Zum Beispiel weiß man noch nicht, in welchem Ausmaß Antidepressiva das Risiko für Stürze und Krampfanfälle beeinflussen.“

Informationen für Patienten und Angehörige

Verlässliche Informationen können für Betroffene und Angehörige eine große Hilfe sein. Professor Sawicki: „Depressionen nach Schlaganfällen sind ein vernachlässigtes Problem. Leider gibt es auch im deutschen Sprachraum nur wenige allgemein zugängliche Informationen darüber. Angehörige, die Schlaganfallpatienten betreuen, brauchen mehr Unterstützung.“ Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen will mit seinen im Juli 2008 überarbeiteten Hinweisen zur besseren psychischen Bewältigung eines Schlaganfalls einen Beitrag zur Milderung dieses Problems leisten. Die Internetseite informiert auch über den Nutzen von Ergotherapie und Physiotherapie und gibt Anregungen zum Umgang und zur Unterstützung von Menschen mit Depressionen.

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