Der Valentinstag in Amerika

Anders als in Europa hat der Valentinstag am 14. Februar in den USA eine größere Bedeutung und wird weitaus mehr gefeiert als hierzulande. Eine Rundumschau.

Der Briefkasten quillt über mit Post von Familienmitgliedern, Freunden und Verehrern. Bei einem romantischen Essen überreicht der Liebste oder der, der es werden möchte, Blumen, Pralinen, vielleicht auch ein Schmuckstück oder ein Parfüm. Und anschließend geht es ins Kino, in Konzert oder zu einem Baseballspiel, oder vielleicht ins Autokino zum Kuscheln auf den Wagensitzen bei einem Horrorfilm oder einer Schnulze zum dahin Schmelzen. So oder ähnlich sieht ein idealer Valentinstag in den USA aus.

Der 14. Februar beschert vielen amerikanischen Wirtschaftszweigen einen riesigen Umsatzboom. Es sind nicht nur die Blumenhändler und Grußkartenhersteller (und neuerdings auch die E-Card-Anbieter im Internet), die vom Valentinstag profitieren. Sogar in den Kinos verdreifacht sich die Besucherzahl.

Valentinstag – üppiger Geschenktag in den USA

Für Singles allerdings wird der Tag der Liebenden zum Tag des Leidens. Die perfekte Marketingmaschine kreirt schon Wochen vor dem eigentlichen Tag eine Welt der rosaroten Herzchen, vor der es kein Entkommen gibt. Und gerade unter Teenagern gelten die – teils anonymen, teils unterschriebenen – Valentinskarten als Gradmesser für die Popularität. Wer an diesem Tag keine der über 200 Millionen verschickten Karten öffnen kann, ist arm dran – und sieht sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesellschaftlich schnell auf der Verliererseite.

Wenn ein Brauch in den USA heimisch ist und dazu noch viele Millionen Dollar umsetzt, dann vermuten kritische Zeitgenossen schnell eine Erfindung von Industrie und Einzelhandel. Doch tatsächlich wurde Valentins Ehrentag bereits zu einer Zeit begangen, als es weder die Vereinigten Staaten noch eine Geschenkartikelindustrie gegeben hat.

Paarfindung per Zufall im England des 13. Jahrhunderts

Schon im 13. Jahrhundert bildeten sich in England am 14. Februar Valentinspaare. Entschieden wurde die Paarzusammensetzung entweder durch das Los oder eine Zufallsbegegnung: Der Partner wurde der erste unverheiratete Mann, dem die Frau am Morgen über den Weg lief. Zum Ritual gehörte auch, sich neckische Gedichte vorzutragen und kleine Geschenke zu überreichen. Ein Paar, das am Valentinstag zueinander fand, hatte eine besonders gute Hochzeitsprognose.

Die Benennung des Gedenktags der Verliebten und Heiratswilligen geht auf den Bischof Valentin von Terni zurück, der im 4. Jahrhundert nach Christus am 14. Februar hingerichtet worden ist, nachdem er Paare gegen die Vorschriften des Staates christlich getraut hatte. Damals mussten Soldaten nach dem kaiserlichen Befehl unverheiratet bleiben, was Valentin aber missachtete.

Der heilige Valentin und der Hirtengott Lupercus

Außerdem hatte der italienische Geistliche einen besonderen Draht zu Verliebten und schenkte diesen gerne Blumen. Seitdem wird der heilig gesprochene St. Valentin geehrt, und seit dem frühen Mittelalter wird sein Todestag entsprechend zelebriert.

Auch die alten Römer feierten unabhängig davon den 14. Februar als Gedenktag des Hirtengottes Lupercus, an dem Paare einander zugelost wurden. Doch der Valentinsbrauch verbreitete sich vor allem in England und den angelsächsischen Ländern und Kolonien und schließlich auch während der letzten Jahrhunderte in den USA.

Charlie Brown – der ewige Loser am Valentinstag

Auch in der Popkultur ist der Valentinstag längst angekommen und hat sich vielfältig verewigt, vor allem in der Popmusik und im Hollywood-Kino (z.B. „Picknick am Valentinstag“ von Peter Weir). Aktuell balgen sich gerade Jennifer Garner und Ashton Kutcher als Verliebte in der Filmkomödie „Valentinstag“ auf der Leinwand.

Am bekanntesten wurde der Feiertag wohl in der Zeichentrickfilm- und Comicserie „Peanuts“ von Charles M. Schulz. Die Hauptfigur, der sympathische Loser und Außenseiter Charlie Brown, öffnet als Running Gag der Serie am Valentinstag voller Vorfreude seinen Briefkasten, um dort ständig nur gähnende Leere vorzufinden, während die Kästen seiner Mitschüler vor Grußkarten überquellen.

Das Valentinsmassaker in Chicago 1929

Auch blutige Erinnerungen assoziieren sich an diesen Tag – am 14. Februar 1929 wurden bei Bandenkriegen während der Prohibitionszeit sieben Gangster bei einem Überfall in Chicago getötet. Das Blutbad hat seitdem als „St. Valentine’s Day Massacre“ Einzug in die Geschichte Amerikas Einzug gehalten – und damit in die Popkultur wie in zahlreichen Filmen, Hardrocksongs und einem Computerspiel. Und in dem Horrorfilm „Blutiger Valentinstag“ von 1981 richtet ein unheimlicher Serienkiller verliebte Highschool-Kids hin.

Der Valentinstag in Deutschland

Deutschland ging beim Valentinstag übrigens lange Zeit einen anderen Weg als die Länder, die unter angelsächsischem Einfluss standen. Im Mittelalter galt der 14. Februar als Unglückstag, denn an ihm soll der Verräter Jesu, Judas Ischariot, geboren worden sein. Ein denkbar ungeeigneter Tag also, um einen Partner fürs Leben zu finden.

Die modernen Valentinsbräuche kamen erst in den 1950er Jahren des 20. Jahrhunderts nach Deutschland, weshalb manche Unwissenden hierzulande immer noch glauben, dieser Tag sei aus den USA importiert worden und eine reine Erfindung der Industrie. Heute ist der Tag, ähnlich wie Halloween, ein etablierter, aber freiwilliger Brauch in vielen Ländern Europas.

St. Valentin – auch ein Fest für die Geschenkindustrie

Allerdings wird auch hier vor dem 14. Februar arg die Werbetrommel gerührt, aber das Mitmachen erfolgt weitaus weniger und freiwilliger als in den USA. Trotzdem erleben an diesem Tag die Pralinen- und Blumenhersteller einen kleinen Boom, mancher Stadtbus fährt mit einem Kranz vor dem Bug auf den Straßen, und die Supermärkte und Geschäfte dekorieren alles im verführenden, geschenkgerechten Rosarot.

Ganz zu schweigen von der Geschenkindustrie und dem Versandhandel, und sogar mancher Reiseanbieter bewirbt günstige Flüge und Reiseziele für Verliebte für den roten Stichtag. Doch wer am 14. Februar keine Grußkarte oder einen Liebesbrief bekommen sollte, muss sich nicht grämen, wie der arme, einsame Charlie Brown im Land der unbegrenzten Gedenk- und Geschenkmöglichkeiten.

Vielfältige amerikanische E-Cards für den Versand am 14. Februar.

Und wer noch ein Valentinstagsgeschenk sucht, sollte sich den interessanten Artikel über Geschenke aus Bernstein durchlesen.

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