Diät und Lebenslust

Wenn der Mangel regiert. Diät bedeutet für viele eine Zeit der Beschränkung. Mit ein Grund für den Jojo-Effekt. Als positive Erfahrung empfunden, entsteht bei der Ernährungsumstellung Lebenslust.

Die meisten Menschen unterziehen sich einer Diät, um abzunehmen und ihrem Idealgewicht näher zu kommen, den BMI einen Punkt nach unten zu schrauben oder wieder in die schicke Hose vom Vorjahr zu passen. Manchmal spielen auch die Wünsche und Vorstellungen des Partners eine Rolle oder gesundheitliche Gründe stehen im Vordergrund. Fortan wird nur noch die Hälfte von allem gegessen oder hauptsächlich Salat und Magerjoghurt, und nicht selten werden Diätprogramme absolviert und zig Ratgeber angeschafft. Sport ist angesagt. Nüsse, Schokolade und Bierchen sind tabu. König Mangel herrscht. Es wird gehungert. Kalorien verbrennen wird zum Zauberwort.

Warum es den Jojo-Effekt gibt

Hungern: Schon allein das Wort macht deutlich, dass Körper und Seele eine Erfahrung zugemutet wird, die nur einen guten Aspekt hat: Dass sie irgendwann vorbei ist. Und genau hierin liegen das eigentliche Problem und die tiefere Ursache für den zermürbenden Jojo-Effekt.

Jeder, der sich schon mal mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß, dass nach vier Wochen oder auch vier Monaten Diät nicht einfach wieder munter drauflos gegessen werden darf: Dann sind die mühsam dem Körper abgerungenen Pfunde nämlich innerhalb kürzester Zeit wieder auf den Hüften und wahrscheinlich sogar zwei Kilo zusätzlich, weil der Organismus seinen Stoffwechsel auf Sparflamme geschaltet hat, um für die eventuell demnächst erneut anstehenden Mangelzeiten besser gewappnet zu sein. Trotz dieses Hintergrundwissens fällt es den meisten Menschen aber sehr schwer, sich weiterhin einzuschränken, ihren Appetit zu zügeln, das Essen zu kontrollieren – schließlich hat man sich doch so lange so tapfer an den Diätplan gehalten. Wo bleibt denn da die Lebenslust?

Die Lust am Genießen bewahren

Geht das – an einer Möhre knabbern, etwas grünen Salat und ein mageres 200-Gramm-Steak verzehren (oder einen Gemüseeintopf und einen Obstsalat) und trotzdem das Essen genießen? Womöglich sogar das Leben? Ja. Es mag banal klingen, aber die Kunst liegt darin, eine Diät (die Bezeichnung stammt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anderes als Lebensweise) eben nicht als Einschränkung, Mangel und Notzeit zu empfinden, womit sofort eine negative Erfahrung assoziiert wird, sondern als Veränderung, Erweiterung, Entwicklung oder auch: Erleichterung. Wer ständig das Gefühl hat, sich einschränken und gegen seine Bedürfnisse ankämpfen zu müssen, wartet nur darauf, dass diese Zeit ein Ende hat. Um endlich wieder richtig leben zu können. Wer jedoch seinem Körper eine Veränderung gönnt und das auch so betont, dem fällt es leichter, Appetitsanfälle zu bewältigen. Und wer immer deutlicher das Gefühl gewinnt, sich etwas zu gönnen, der empfindet keinen Mangel. Das ist nämlich ein Widerspruch in sich.

Das Gegenteil von Mangel ist Überfluss

Wem es gelingt, den Fokus schon zu Beginn einer Ernährungsumstellung auf die positive Erfahrung und den Gewinn zu lenken (Gesundheit, Leichtigkeit, Freude am eigenen Körper statt Beschränken und Verbieten), hat auch keinen Anlass, sich durch ein Diätprogramm zu quälen – er wird vielleicht eher grundsätzlich entdecken, dass es Dinge gibt, die es sich lohnt wegzulassen. Oder er wird zu der Überzeugung gelangen, dass ein strikter Plan unnötig ist, weil es reicht, langsam, aber stetig ein paar Kilo abzunehmen, und es viel wichtiger ist, den eigenen Rhythmus kennen und akzeptieren zu lernen. So wie den eigenen Körper und dessen ideales Gewicht. Man gönnt sich ein Stück Kuchen genauso freudvoll wie die flotte Lauf- oder Walkingrunde im Park. Oder ein Bierchen zum Abendbrot (nicht zwei oder drei!). Den ausgedehnten Spaziergang mit dem Hund. Wie heißt es so schön: Manchmal ist weniger mehr.

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