Die Anti-Baby-Pille verursacht Umweltprobleme

Hormone der Anti-Baby-Pille werden über den Urin ausgeschieden, gelangen durch die Kläranlagen in Flüsse und stören die Geschlechtsentwicklung von Fischen.

Die Anti-Baby-Pille, oder kurz „Pille“ genannt, ist seit 1960 in Industrienationen das am häufigsten verwendete Mittel gegen ungewollte Empfängnis. Es handelt sich dabei um ein Hormonpräparat, das dem weiblichen Organismus eine Schwangerschaft vortäuscht. Bei regelmäßiger Einnahme des vor allem aus den Hormonen Östrogen und Gestagen sowie Ethylestradiol bestehenden Produkts, wird der Eisprung unterbunden. Der so genannte Pearl-Index, der die Zuverlässigkeit eines Verhütungsmittels beschreibt, liegt für die Pille bei 0,1 – 0,9. Das bedeutet, dass von 100 Frauen innerhalb eines Jahres nur durchschnittlich 0,1 – 0,9 ungewollt schwanger werden, was der Pille das Prädikat „sehr sicher“ eingebracht hat. Dieser Umstand, in Kombination mit der unkomplizierten Anwendung, lässt Millionen Frauen diesem Verhütungsmittel vertrauen. Die hohen Absatzzahlen füllen die Kassen der Pharmaindustrie, führen aber zu ungeahnten Problemen an ganz anderer Stelle: Besonders das synthetische Hormon Ethylestradiol, das in den meisten der empfängnisverhütenden Präparaten Anwendung findet, wird im Stoffwechsel nicht abgebaut, sondern über den Urin ausgeschieden, gelangt über das Abwasser in die Kläranlagen und von dort in die Flüsse, wo es das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. Die Auswirkungen reichen bis zur Geschlechtsumwandlung bei Fischen.

Spezielle Proteine fungieren als Hormontransporter

Hormone sind Eiweißmoleküle, die im Organismus als Signale wirken und so biologische Funktionen, wie den weiblichen Zyklus steuern. Dazu werden die Botenstoffe im Blut zu ihren Zielorganen transportiert. Für diese Beförderung sind die Hormone meist an spezielle Proteine, wie SHBG (Sex-Hormon-bindendes-Globulin) gebunden. SHBG erkennt spezifisch Sexualhormone, bindet diese und schützt sie vor Einflüssen durch andere Blutbestandteile. Gleichzeitig reguliert das Transportprotein die sogenannte Bioverfügbarkeit eines Hormons: Solange ein Hormon eine Einheit mit dem Transporter bildet, ist es wirkungslos. Nur ein freies Hormon kann als Botenstoff agieren, ist damit biologisch verfügbar. Dem Protein fällt also die wichtige Aufgabe zu, das Hormon im Bedarfsfall, aber auch nur dann, freizugeben. Auf diese Weise wird ein kompliziertes Gleichgewichtssystem aufrecht erhalten, das für die korrekte Regulierung der biologischen Vorgänge nötig ist.

Synthetische Hormone blockieren die Transportproteine

Wenn in Gewässern hohe Konzentrationen an Ethylestradiol vorliegen, nehmen Fische das Hormon über die dünne Haut ihrer Kiemen auf. Von dort gelangen die Synthetikhormone direkt ins Blut und binden an SHBG. Dadurch wird der Hormontransporter blockiert und kann keine natürlichen Signalstoffe mehr binden, was wiederum die die Hormon-Bioverfügbarkeit aus dem Gleichgewicht bringt. Unfruchtbarkeit und Verweiblichung der männlichen Fische sind die Folge. Insbesondere Forellen und Lachse reagieren empfindlich auf Hormone im Wasser. Bei einigen Fischarten ist das Geschlecht nicht in der Weise determiniert wie bei Säugern. Eine Änderung des Hormonhaushalts kann bei ihnen im schlimmsten Fall sogar eine Geschlechtsumwandlung verursachen. Um Auswirkungen dieser Art in Zukunft zu vermeiden, ist SHBG Gegenstand der Proteinforschung. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Struktur der Fisch-Transportproteine. Wenn diese bekannt ist, kann die Hormonbindung auf molekularer Ebene untersucht werden, um eine Lösung für die Problematik zu finden.

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