Die Kneippanlage in Sigmaringen, kein Kinderspielplatz

Am 17. Mai feiern viele Kneippianer den 190. Todestag von Sebastian Kneipp. Sie weisen auf die Nützlichkeit von Kneippkuren auch für Kinder hin.

Wenn im Sommer in Sigmaringen, in Baden-Württemberg, anhaltende ungewöhnliche Hitze herrscht, kann es in der Kneippanlage, die direkt am Donau-Radwanderweg liegt, zu einer Erhitzung der Gemüter kommen.

Auf den ersten Blick scheinen dort, am kühlen Beckenrand Ruhe und Ordnung zu herrschen. Das grundwasserkühle Nass lädt zu einem „Storchengang“ an der Stange rund um den wasserumspülten Felsen im von Blumen und Kräutern umrankten Becken ein. Viele erholungssuchende Sigmaringer und auch Besucher der Stadt steuern die Kneippanlage an, wenn sie zusätzlich etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Wenig Verständnis haben die Kurenden für Eltern, die diesen Ruheort als Planschbecken für ihre Kinder sehen. Warum sie so reagieren, wird im nachfolgenden Text erklärt.

Kneippanlagen sind keine Kinderspielplätze

Bei der Einweihung der Anlage, am 17. Mai 2001, dem 180. Todestag des Pfarrers Sebastian Kneipp, wurde bemerkt, dass sie eine der schönsten Kneippanlagen „im Ländle“ sei. Die Kneippianer wollen, dass das auch so bleibt. Sie mussten aber feststellen, dass es zu Missverständnissen beim Gebrauch der Anlage kam. Aus diesem Grund stellten die gesundheitsbewussten Mitglieder des Kneippvereins gleich im Eingangsbereich Hinweisschilder mit einigen grundlegenden Kneippregeln auf. Daraus geht, wie eines der aufsichtsführenden Mitglieder Hans Mayenberger erklärt, auch hervor, dass das Becken und seine Umgebung kein Kinderspielplatz sind. Aus Sorge um die Gesundheit aller Besucher, denn die Kneippianer seien nicht kinderfeindlich, könne man ein Umherschwenken nackter Babypopos im Becken, aus naheliegenden Gründen, nicht gestatten. Ein Aufenthalt im für sie viel zu kalten Wasserbecken könne bei dieser Hitze für Kleinkinder negative Folgen haben. Da das Wasser auch bei diesen Temperaturen, anders als im Schwimmbad, nur mäßig von der Sonne angewärmt sei, sei der Temperaturschock einfach zu hoch.

Kneippanlagen intensiver durch Lehrgänge mit Kindern nutzen

Mayenberger informiert, dass es im Sinne des Vereins sei, auch Kindern die Vorteile der Kneipplehre zu vermitteln. Aus diesem Grund werden vom Kneippbundesverband Kurse für Kindergärtnerinnen und Lehrer angeboten. Die hiesigen Kneippanhänger würden sich über ein Interesse und aufklärende Gespräche in Schulen und Kindergärten freuen.

Es gelte, die Kinder ganz natürlich, besonders wenn das Geld auch bei den Krankenkassen rar werde, in eine gesunde Lebensführung einzuführen. Dazu gehöre, zum Ausleiten von Giftstoffen, das Wassertreten. Wie schon Kneipp ermahnte, sei es allerdings nur eine der fünf tragenden Säulen der Kneipplehre. Zu einer umfassenden Krankheitsvorsorge nach Kneipp gehören eine naturnahe, jahreszeitliche Ernährung, Kräuter, Wasseranwendungen, Bewegung und als Grundlage: Eine Ordnung des Lebens. Hans Mayenberger ist, wie alle Mitglieder des Kneippvereins davon überzeugt, dass die Gesundheitsprobleme der Zukunft mit der Beherzigung der Kneippregeln kostengünstig zu lösen seien.

Sigmaringen kam von Kneipp in die engere Wahl

Der Vereinsvorsitzende, Gerd Bandle, weißt darauf hin, dass im Jahr 1884, wie Dokumente belegen, Kneipp auf der Suche nach einem Standort für ein Domizil einer Heilstätte, den damaligen Erzabt von Kloster Beuron, Maurus Wolter, besuchte.

Dieser erwiderte die Visite. Die Frucht dieser Begegnung, das grundlegende Kneippbuch: „Die Wasserkur“, ein weltbekanntes Werk, wurde anschließend von Pater Schober in sechs bis acht Wochen aufgeschrieben. Einen direkten Bezug zu Sigmaringen kann man zum Bedauern des Vorsitzenden schriftlich nicht nachweisen. Aus mündlichen Überlieferungen könne man immer mal wieder erfahren, dass der Pfarrer Sebastian Kneipp sich auch in Sigmaringen nach geeigneten Möglichkeiten für ein Sanatorium umgesehen habe. Zur Zeit, in der Kneipp wirkte, habe es jedenfalls auf dem Benzkofer Berg eine vom Kaufmann Miller betriebene Fichtennadelbadanlage gegeben. Durch Briefe belegt wird das Alter des örtlichen Kneippvereins. Etwa um das Jahr 1915 müssen sich die ersten Gesundheitsbewussten zusammengeschlossen haben, um zukünftig missionarisch für die Gesunderhaltung der Bevölkerung zu wirken. Das sei, so bestätigt Gerd Bandle, auch heute das dringende Anliegen der Kneippianer. Zusätzlich zu den gesundheitlichen Vorzügen für die Sigmaringer und Kreisbewohner besteht auch ein Anreiz zum Besuch der Anlage für Gäste von weiter her. Im Sinn einer vertretbaren Tourismusbelebung sei die Kneippanlage an der Donau natürlich auch zu sehen, bestätigen andere Vereinsmitglieder und stapfen tapfer weiter ihre Runden im eiskalten Wasser.

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