Die Kneippkur und ihre Geschichte

Wie Sebastian Kneipp auf die Idee mit dem Wasser kam.

Fast jeder hat schon einmal von Kneippkuren oder der Kneipp-Therapie gehört – doch die wenigsten kennen die Geschichte, die sich dahinter verbirgt

Kuren mit kalten Wassergüssen waren schon im Altertum bekannt, zum Beispiel bei den Assyrern und den Babyloniern. Selbst Hippokrates (460-377 v. Chr.) und Galen (130-199 n. Chr.) empfahlen kalte Wassergüsse – wie später auch Sebastian Kneipp. Der Webersohn aus dem bayerischen Allgäu heilte seine Patienten mit Wassergüssen und Bädern. Sie hatten ihm selbst das Leben gerettet.

Mit Wasser gegen den Tuberkel

Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Boos (nahe Ottobeuren) geboren. Mit 24 Jahren erkrankte er an Tuberkulose, was damals einem Todesurteil gleichkam. Im Selbstversuch kam er seiner tückischen Krankheit bei. Dabei befolgte er die Tipps der beiden schlesischen Ärzte Dr. Siegmund Hahn (1664-1742) und dessen Sohn Johann Hahn (1696-1773), die auf Wasseranwendungen schworen. Als Sebastian Kneipp mit 29 Jahren von seiner Lungentuberkulose genas, wurde er der eifrigste Verfechter dieser Maßnahmen.

Wider dem Kurierverbot

Arzt war er allerdings nicht. Kneipp war Kaplan in Boos und wurde als „Cholera-Kaplan“ oder als „Priester mit der Gießkanne“ berühmt-berüchtigt. Doch auch Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Kurierverbot konnten nicht verhindern, dass immer mehr Kranke zu ihm strömten und sich von ihm beraten und behandeln ließen.

Sie folgten ihm bis nach Wörishofen, wo er 26 Jahre lang als Beichtvater der Dominikanerinnen und ab 1881 als Gemeindepfarrer tätig war. Seine Heilungserfolge waren derart spektakulär, dass aus seiner Gemeinde ein Kurort wurde. Noch heute werden in Bad Wörishofen Kneippkuren angeboten.

Abhärtung als Grundprinzip

Das Kneipp’sche Heilverfahren ist auf die Grundgedanken „Abhärtung“, „Einfachheit“ und „Mäßigung“ abgestellt und stellt auch die persönliche Hygiene in den Vordergrund. Durch die Entwicklung seiner Wasserkuren versuchte Kneipp, den „verweichlichten Körper, die verweichlichte Natur abzuhärten, den Organismus gegen schädliche Einflüsse der Außenwelt wie auch gegen Stoffwechselgifte der Bakterien widerstandsfähig zu machen, auf die einfachste und unschädlichste Weise, die im Blut und in den Geweben abgelagerten Krankheitsstoffe aufzulösen und zur Ausscheidung zu bringen.“ Dieses Zitat stammt aus seinem 1889 erschienenen Buch „So sollt ihr leben!“ und ist – von der altertümlichen Sprache einmal abgesehen – noch immer hochaktuell.

Fünf Therapien wirken zusammen

Kneipps Therapie untergliedert sich in fünf zusammenwirkende Therapien, wovon die erste die Wasseranwendung ist. Je nach Krankheit wird kaltes, warmes, wechselwarmes, heißes Wasser oder auch Dampf angewendet. Dabei kann es sein, dass nur Arme oder Beine gewaschen oder in Packungen gewickelt werden, bis hin zu anstrengenden Blitzgüssen oder Massagebädern. Auch Wassertreten und Taulaufen soll den Körper widerstandsfähig machen und eine Reaktion gegen die eigene Krankheit provozieren.

Übung kräftigt

Eng verbunden mit der Wasseranwendung ist die Bewegungstherapie. Kneipps Motto: „Untätigkeit schwächt, Übung kräftigt, Überlastung schadet“. Eine Stunde täglich soll der Patient laufen, schwimmen, Gymnastik oder leichte Sportarten betreiben.

Naturheilmittel unterstützen

Unterstützend verschrieb Kneipp Naturarzneien: Tees, Pflanzensäfte und Tinkturen. Als viertes Therapieprinzip führte er eine Vollwerternährung ein und bat seine Patienten, viel zu trinken, damit die Stoffwechselschlacken abtransportiert werden können. Auch dieses Prinzip ist heute noch so aktuell wie damals.

Die Seele im Lot

In „So sollt ihr leben!“ sprach Sebastian Kneipp auch von einer „Lebensordnung“. Der Aktivität sollte Entspannung folgen, so wie dem Tag die Nacht folgt und wir alle in die Rhythmik des Kosmos eingegliedert sind. Dazu gehörte für Kneipp, auch einen Blick für Wesentliches zu entwickeln, um es von Unwesentlichem unterscheiden zu können. Auch die Seele sollte immer in Balance gehalten werden.

Kneippen – wogegen?

650 Kneippvereine in Deutschland, verschiedene Verbände und ein Kneipp-Ärztebund sorgen dafür, dass die Ideen Kneipps nicht aussterben und bieten entsprechende Kuren an. Sie sollen nicht nur Zivilisationskrankheiten vorbeugen, sondern auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen, Depressionen regulieren, rheumatische Erkrankungen und Wirbelsäulenleiden lindern sowie den Mensch an sich abhärten – das sind die Schwerpunkte der Kneipp-Therapie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.