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Die Mistel als Heilpflanze

Heilmittel für Herz und Kreislauf, gegen Krebs und vieles mehr. Die Mistel – heilige Pflanze der Kelten und Germanen, verehrt im Volksglauben, genutzt in der Volksmedizin, Phytotherapie, wiederentdeckt als Mittel gegen Krebs.

Die Mistel galt schon zu Zeiten unserer Vorfahren als Heilpflanze. Heutzutage steht sie vornehmlich für Krankheiten im Bereich von Herz und Kreislauf – aber auch im Fokus der Krebsforschung: Vielerlei Studien bestätigen hier die Signaturenlehre, die Ahnungen von Rudolf Steiner.

Merkmale

Die Mistel ist ein halbschmarotzender, zweihäusiger, immergrüner und reich verästelter Strauch. Ihre Rinde ist gelbgrün, die Blätter sind gegenständig angesiedelt, ledrig und umgekehrt länglich spatelig, die Blüten eher unscheinbar. Früchte sind weiße Scheinbeeren.

Vorkommen

Die Mistel ist in Europa über Kleinasien bis hin nach Südostasien beheimatet und wächst auf Laub- und Nadelbäumen wie beispielsweise Pappeln und Kiefern.

Geschichte

Die Kelten verehrten Misteln als Allheilmittel gegen jedwede Krankheit, gegen Gift und Unfruchtbarkeit. Wie Plinius der Ältere erzählt, zogen die keltischen Druiden in die Eichenhaine, um dort mit goldenen Sicheln Misteln zu schneiden und daraus einen Trank gegen Unfruchtbarkeit zu brauen (diese Geschichte wurde hinsichtlich Asterix und Obelix im Übrigen übernommen): Er schreibt, dass „die Druiden nichts Heiligeres kennen, als die Mistel und den Baum, auf dem sie wächst, sie glauben, dass es sich dabei um Eichen handelt. (Plinius, Hist. Nat. XVI, 249)

Jean Markale glaubt, daraus lesen zu können, dass es nicht unbedingt Eichen gewesen sein müssen, zumal die Mistel nur auf wenigen Eichenarten zu finden ist. (Markale 1985, 137)

Angesichts der wichtigen Rolle, welche die auf alten Pappeln, Obstbäumen, Tannen und Fähren schmarotzende eigentliche Mistel in der Volksmedizin und im Sonnendwendbrauchtum in den ehemaligen keltischen Ländern spielt, sollte man sich nicht nur auf die äußerst seltene Eichenmistel, die so genannte Riemenblume (Loranthus europaeus), die vor allem im wärmeren, südlichen Klima auf Eichen und Kastanien wächst, festzulegen.

Schon allein der Standort spricht dafür, dass die Druidenmistel, die in allen keltischen Sprachen als „Allesheiler“ (irisch: uil-ic eadh, altkeltisch oljo-liagi) bezeichnet wird, vor allem das bekannte Viscum ist.

Volksmedizin und Volksbrauch

Bauern kochten Mistelzweige in Bier und gaben das Getränk „verzaubertem“ Vieh zu saufen. Mistel schützte im Volksglauben gegen Blitzeinschlag; brachte als Amulett Glück – im Wales heißt es sprichwörtlich: No mistel-toe, no luck.“ (Ohne Mistel kein Glück!)

Seit Uhrzeiten kochte man Salben und braute Getränke aus der Mistel, um die Fruchtbarkeit zu fördern, harte Geschwulst zu vertreiben oder Fallsucht (Epilepsie) vorzubeugen.

Nach dem Schweizer Volksglauben heilt die Mistel Kröpfe, Geschwüre, Fallsucht, Ohrenkrankheiten, Milzleiden, Rotlauf, Gicht, Gift, Pest, Wärmer und Frostbeulen (Höfler 1911, 35).

Auch Kräuterpfarrer Kneipp, unbewusst ganz mit dem keltischen Volksgeist verbunden, empfahl den Frischsaft aus den jungen Zweigen gegen Unfruchtbarkeit, Gebärmutterstörungen, Gebärmutterblutungen und -geschwülste sowie Weißfluss. Er schrieb: „Den Müttern kann ich die Misteln nicht genug ans Herz legen, sie mögen recht gute Bekanntschaft mit ihr machen! (Willfort 1997, 363)

Erwiesene Wirkung verifiziert das Wissen der Volksmedizin

Klinisch erwiesen ist inzwischen die krampflösende, blutdrucksenkende Wirkung der Mistel. Misteltee oder Misteltropfen verlangsamen den Herzschlag und erweitern die Arterien.

Hilfe bringen sollen die Mistelpräparate auch bei Schwindelgefühl und – wie der Kneipp-Arzt Dr. Bohn aus seiner Praxis bestätigt – „bei chronischen Krämpfen und hysterischen Beschwerden.“ Auf dieser Wirkung beruht vermutlich die traditionelle Anwendung der Mistel bei Epilepsie.

Die Mistel zur Krebstherapie

Rudolf Steiner, der intuitiv sehr viel altkeltische Weisheit in die neue Zeit hereinbrachte, hat die Mistel für die Krebstherapie wiederentdeckt.

Nach der alten Signaturenlehre ist es durchaus schlüssig, dass diese schmarotzende Pflanze ihr Gegenbild in krebsigen Wucherungen hat. Oft befällt die Mistel knorrige, „verkrebste“ Bäume, die auf geomantischen Strahlenkreuzungen wachsen. Viele Landwirte und Radiästheten glauben, dass die Mistel dem Baum hilft, indem sie die „bösartige Strahlung“ mildert oder die „schlechten Säfte“ neutralisiert.

Tatsächlich wurde inzwischen in der Mistel nicht nur ein tumorhemmendes Protein entdeckt, sondern zugleich auch ihre das Immunsystem stimulierende Wirkung bestätigt.

Eine höhere Lebenserwartung der mit Mistel behandelten Krebskranken ist statistisch erwiesen

Bekannt sind die erfolgreichen Behandlungen von malignen Tumoren durch den Urologen und Arzt für Naturheilkunde Dr. Klaus Maar mittels hoch dosierter subkutaner Mistelinjektion. Bei rund 1000 behandelten Krebspatienten pro Jahr erzielte er runde 75 Prozent Erfolge im Rückgang von Metastasen und Primärtumoren. (Vgl. Maar, Klaus, „Mistelinfusionstherapie als Hochdosis“, Report Naturheilkunde 4/97)

Die verwendeten Pflanzenteile

Verwendet werden die Blätter, Blüten und Früchte, die von Januar bis Dezember geerntet werden können.

Inhaltsstoffe

Die Mistel enthält Viscotoxine, Lectine, Flavonoide, Polysaccharide, biogene Amine und Schleimstoffe.

Die Anwendungsgebiete und Anwendungsformen in der rationalen Phytotherapie und Homöopathie

  • Mistelpräparate und Misteltee werden zur Senkung des Bluthochdruckes und zur Vorbeugung von Arteriosklerose eingesetzt. Diese Verwendung findet ihren Ursprung in der volksmedizinischen Handhabung.
  • Die Droge wird zusammen mit Weißdorn zur Unterstützung der Herztätigkeit empfohlen.
  • Ebenso verabreicht man die Mistel nach schweren Infektionskrankheiten, um den Herzmuskel zu stärken.
  • Außerdem werden Mistelpräparate lokal bei entzündlichen, degenerativen Gelenkerkrankungen, Arthrosen und Bandscheibenerkrankungen gespritzt.
  • Zunehmend rückt die unterstützende Behandlung von Krebserkrankungen mit injizierten Mistelpräparaten in den Vordergrund.