Die Simson Schwalbe, ein Kleinroller aus der ehemaligen DDR

Die Simson Schwalbe ist in ihrer Art und Weise bis heute unübertroffen. Durch ihre vielen Vorteile ist sie bis heute beliebt und begehrt.

Die „Schwalbe“ aus der ehemaligen DDR ist auch heute noch robust und unschlagbar. Dieser kleine Motorroller, ein Zweitakter, ist einfach zu warten und besitzt unübertroffene Vorteile. In seiner Art war und ist er einzigartig. Allerdings muss er immer mit einem Kraftstoffgemisch von 1:50 und die älteren Modelle mit 1:33 betankt werden. Dafür ist dieser Motorroller preiswert in der Wartung, braucht nur das aktuelle Versicherungskennzeichen und keinerlei TÜV.

Die Schwalben, KR 51/1 und KR 51/2

Im Februar 1964 liefen in der Suhler Waffenschmiede die ersten zweisitzigen Schwalben KR51/1 vom Band. Sie waren eine Weiterentwicklung des einsitzigen KR 50-Roller. Sie sind mit einem 50 cm³ Zweitaktmotor bestückt mit einer Leistung von 2,4 KW. Der Motor hat eine 3-Gang Klauen-Schaltung. Sie gibt es mit Hand-und Fußschaltung und auch mit Automatik-Kupplung. Die Schwalbe besitzt, wie auch alle späteren Modelle, zwei Stromkreise. Der eine ist nur für Blinklichter, Hupe und Standlicht eingerichtet und wird von einer 6- oder 12-Volt Batterie gespeist. Der andere ist für die Zünd-und Lichtanlage.

Der Motor ist bei diesem Modell am Zylinderkopf und am Motorblock im Rahmen befestigt. Der Motor wurde durch ein Gebläse zwangsgekühlt. Das nächste Modell hat ein 4-Gang Ziehkeilgetriebe. Der Motorblock ist nur mit zwei Befestigungen an einer anderen Rahmenart befestigt. Die Zwangskühlung ist weggefallen. Wird der Motortunnel, der nur mit einer Rändelschraube gehalten wird, abgehoben, sind alle wichtigen Betriebsteile erreichbar. Bei dem zur Zeit angebotenen Baumarkt-Roller muss fast die gesamte Verkleidung abgebaut werden, nur um an die Zündkerze zu kommen.

Die Zündungsarten der Schwalbe KR 51/1 und KR 51/2

Zündungsmäßig gibt es bei der Schwalbe die Unterbrecher-Zündung und die Elektronik-Zündung. Beide Arten funktionieren über einen Schwunglichtmagneten, einfach als Schwungscheibe bezeichnet. Auf einer Grundplatte befinden sich der Unterbrecher, zwei Lichtspulen für das Licht vorn und hinten sowie eine Primärspule. Bei der Elektronikzündung befindet sich statt des Unterbrechers der Geber und für die Primärspule die Ladespule an gleicher Stelle. Die entsprechende Ladeanlage ist für die Batterieladung und das Brems- bzw. Stopplicht zuständig. Gestartet werden diese Roller über einen Kickstarter. Bei richtiger Einstellung der Zündung und des Vergasers können diese kleinen Schwalben mehr als 60 Kilometer pro Stunde erreichen. Sie dürfen dies auch. Die heutigen 50 cm³-Rollern aus dem Baumarkt schaffen mit Rückenwind in der Regel etwas über 40 Kilometer pro Stunde.

Die Instandhaltung und Pflege und Aufrüstung der Simson-Schwalben

Heute gibt es nahezu alle Ersatzteile für diese Schwalben. Diese können über das Internet, aber besser und zuverlässiger über eine entsprechende Fachwerkstatt erworben werden. So kann das Fahrzeug für Sportzwecke mit einem Tuningzylinder, der zwei zusätzlich eingearbeitete Überström-Kanäle besitzt oder einem Rennvergaser BVF 19N1 ausgerüstet werden. Für den Ziehkeilmotor kann man sogar ein einbaufertiges Fünfgang-Getriebe bekommen. Natürlich gibt es auch entsprechende Styling-Sets für alle Hebel und eine Menge Fan-Artikel.

Empfehlenswert ist auch der Umbau der älteren Schwalben von sechs auf zwölf Volt mit dem angebotenen, nicht ganz billigen kompletten Umbausatz. Dieser garantiert ein noch besseres Startverhalten und eine bessere Verbrennung. Diese Anlage ist wartungsfrei. Falls noch nicht vorhanden werden neben dem Umrüstsatz zusätzlich benötigt:

  • 1x Eine 12 Volt-Batterie gefüllt und geladen
  • 1 x Signalhorn 12 Volt
  • 1 x Birne Stopplicht 12 Volt / 21 Watt
  • 1 x Birne Rücklicht 12 Volt / 5 Watt
  • 2 x Sofitten 12 Volt / 18 Watt
  • 1 x Birne Standlicht 12 Volt / 1,2 Watt

Kerzengesichter und ihre einfache Bedeutung

Beim normalen Kerzengesicht ist der Isolierkörper rehbraun und gering mit Ölkohle behaftet. Motor, Vergaser, Zündeinstellung sind hier in Ordnung. Ebenso sind der verwendete Kraftstoff und Schmierstoff gut geeignet. Bleibt die Isolatorspitze weiß und das Gehäuse zeigt Verbrennungsrückstände, liegt es am zu niedrigem Wärmewert der Zündkerze und zu magerem Gemisch, zu viel Frühzündung sowie schlechter Kühlung des Zylinders. Ist die Zündkerze verrußt, das heißt die Isolatorspitze, Elektroden und Gehäuse sind mit einer samtartigen Rußschicht überzogen, dann kann es folgende Ursachen haben:

Der Wärmewert ist zu hoch, der Kraftstoff ist ungeeignet, der Vergaser ist falsch eingestellt oder es gibt Störungen an der Zündanlage. Bei einer stark verölten Zündkerze sind Isolatorspitze, Gehäuse und Elektroden mit einer schwarz glänzenden dicken Ölschicht überzogen. Hier können die Ursachen ein ernsthafter Motorschaden, eine verstopfte Auspuffanlage, zu fettes Gemisch, falsche Zünd- und Vergasereinstellung oder ein zu hoher Wärmewert sein. Schließlich gibt es noch das verbleite Zündkerzengesicht. Hier zeigen Isolatorspitze, Gehäuse und Masseelektrode einen grauen bis braunen trockenen, pulverartigen Niederschlag. Ursache ist hier die Verwendung von Kraftstoff mit hohem Bleizusatz. Nach längerer Betriebsdauer treten Elektrodenabbrand und Korrosion auf.

Der Geheimcode für die Teillastnadel

Die Teillastnadeln der BVF-Vergaser wurden später nicht mehr mit Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet, sondern durch eingedrehte Rillen. Aus der bisherigen Bezeichnung „C 8“ ist die Teillastnadel „2,5 A 513“ geworden. Die erste Ziffer zeigt die Dicke des Schaftes an. Der Buchstabe zeigt etwas über die Form der Nadel und die Lage der Kerben an. Die dreistellige Ziffer sagt etwas über die Zahl der Kerben, die Zahl der Kennzeichnungsrillen im oberen Schaft teil und in Richtung Nadelspitze aus. Vieles kann der handwerklich begabte Besitzer einer Schwalbe in eigener Regie einstellen und reparieren. Allerdings ist Vorsicht geboten. Nicht jeder Bastler sollte sich in Selbstüberschätzung daran versuchen. Falsche oder leichtfertige Reparaturen können schnell das eigene Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer gefährden. Ein winziger Fehler beim Einbau der Hinterradbremse kann neben der Sturzgefahr auch sehr zerstörerische Folgen am Bremssystem haben.

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