Die Stimmung als Symptom bei melancholischer Depression

Die Stimmung zeigt bei der melancholischen Depression eine Vielzahl von verschiedenen Mustern, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind.

Fälschlicherweise denken viele Menschen, dass die Stimmungslage bei Depressionen etwas mit Trauer zu tun habe. Betroffene beschreiben ihren Zustand meist mit Worten wie: versteinert, gleichgültig, leer, unlebendig, tot oder ausgebrannt. Viele sagen explizit, dass sie gar nicht traurig sein können. Selbst bei schwersten Schicksalsschlägen kann es passieren, dass der Depressive kaum eine emotionale Regung zeigt. Freude, Mitleid oder Liebe ist der Betroffene kaum in der Lage zu empfinden, was meist als sehr belastend empfunden wird. Aufmunterungen und Appelle sind meist kontraproduktiv, da sich der Betroffene eher unter Druck gesetzt fühlt.

Angst und innere Unruhe treten oft auf

Für viele Menschen mit melancholischer Depression ist die Angst ein ständiger Begleiter. Oft macht ihnen alles, was vor ihnen liegt, beklemmende Angst. Einfachste Dinge erscheinen ihnen manchmal als nicht zu bewältigen. Der Antrieb, Dinge zu tun, ist gehemmt. Dies kann bis zum depressiven Stupor führen. Das bedeutet, dass der Betroffene sich fast gar nicht mehr bewegt und wie in einer Starre verharrt. Viele Menschen empfinden eine quälende innere Unruhe. Daraus folgend wird das Denken einförmig und unproduktiv. Alles im Kopf dreht sich nur noch um die melancholisch-depressiven Ängste. Auch erhebliche Gedächtnisstörungen können vorhanden sein, was bei vielen Patienten die Angst vor einer möglichen Alzheimer-Erkrankung auslöst. Die meisten Kranken sind während langer Zeit selbstmordgefährdet.

Melancholisch-depressiver Wahn

Wahnerleben unterschiedlicher Ausprägung ist bei bis zu fünfzig Prozent der Patienten zu beobachten. Viele erleben sich als klein, schuldig und nichtig. Oft schreiben sie sich unbegründet Schuld zu. Phrasen, wie „Ich bin ein großer Sünder“ oder „Ich gehöre ins Gefängnis“ sind nicht selten. Viele Kranke erleben Ängste bezüglich ihrer finanziellen Absicherung oder noch häufiger, der ihrer Angehörigen. Auch der Krankheitswahn findet sich in diesem Rahmen regelmäßig. Die Betroffenen haben übermäßige Angst vor schweren Krankheiten aller Art. Auch solche, die als noch unentdeckt gelten, werden bei sich vermutet. Eine der extremsten Wahnvorstellungen, die schon sehr ins psychotische abgleitet, ist der Nihilistische Wahn. Dabei steigert sich das Gefühl der Kleinheit und Nichtigkeit zu der Überzeugung, man existiere gar nicht, oder wenn doch, dann nur zum Schein. Was man dabei verstehen muss, ist, dass es nur ein kleiner Schritt von „Ich bin nichts wert“ zu „Ich bin nicht“ ist. Äußert eine Frau, sie habe keinen Sohn (,obwohl dies eindeutig der Fall ist), steckt dahinter die Überzeugung, sie, die so unwert, klein und unwichtig sei, könne nie und nimmer ein Kind zur Welt gebracht haben. Ein letzter Wahn, der an dieser Stelle angebracht werden soll, ist der Verfolgungswahn. Dieser ist eher von Schizophrenen bekannt. Allerdings gibt es einen Unterschied im depressiven Wahnerleben: Der Depressive glaubt verfolgt zu werden, weil er seine Bestrafung als gerecht empfinden würde. Der Schizophrene dagegen sieht seinen Verfolger als Widersacher.

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