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EHEC: Sprossen endgültig als Täter entlarvt

Freispruch für Gurken, Tomaten, Paprika und Salat. Zu diesem Urteil kamen Experten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Juni in Berlin.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Juni in Berlin äußerten Vertreter des Robert Koch-Institutes (RKI), des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), „es sind die Sprossen.“ Die Indizien deuten zweifelsfrei auf die Sprossen als „Täter“ bei der Entstehung der EHEC-Seuche mit HUS-Folgeerkrankung, doch der Nachweis ist noch nicht erbracht. Bundesweit sind bisher 30 Menschen an dieser Epidemie gestorben,

Warnung für Gurken, Tomaten, Paprika und Salat aufgehoben

Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, hatte in Absprache mit den übrigen Instituten am Juni die allseits ausgesprochene dringende Warnung vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken, Paprika und Salat wieder aufgehoben „Diese Gemüsesorten sind gesund und sollten schleunigst wieder auf den Speiseplan deutscher Küchen kommen“, so Hensel. Trotz oder gerade wegen der Rehabilitation dieser Gemüsesorten warnte Hensel umso dringender weiter vor dem Verzehr von Sprossen, denn hier habe sich der Verdacht sehr stark erhärtet, dass sie die Quelle der EHEC-Seuche seien.

Keine Entwarnung: EHEC-Ausbruch noch nicht vorbei

Wie Reinhold Burger, Präsident des RKI, weiter ausführte, ist der derzeitige EHEC-Ausbruch noch nicht vorbei. Zwar sinke die Zahl der Fälle, aber es gebe weiterhin auch neue Erkrankungen, und die Inkubationszeit betrage mehr als eine Woche. Nach wie vor sei es völlig unklar, wie die Sprossen vom Erreger befallen werden konnten. Deshalb sei auch nicht auszuschließen, dass kontaminierte Sprossen noch irgendwo zum Verzehr bereit lägen. Selbst für den Rückgang der Neuerkrankungen seien mehrere Erklärungen durchaus plausibel: Entweder seien die Lebensmittel aufgegessen oder in den Müll gewandert oder die Verzehrwarnungen haben voll gewirkt oder die Kontamination sei nur während eines kurzen Zeitraums erfolgt. Weiterer Aufklärungsbedarf bestehe in jedem Fall.

Die heiße Spur bei der Suche nach der Epidemiequelle

Das Robert Koch-Institut starte bei seinen Ermittlungen stets, so Reinhold Burger, von der Patientenseite aus. Mit einem neuen Verfahren der Art der Befragung habe man die heiße Spur zu den Sprossen in Bienenbüttel gefunden. So habe das RKI insgesamt unter anderem 112 Patienten befragt, von denen sich 19 bei einem Restaurantbesuch infiziert hatten. Auch die Köche waren nach Zutaten und Beigaben zu den Speisen befragt worden. Als Ergebnis habe sich herauskristallisiert, dass Gäste, die Sprossen verzehrt hatten, neunmal höher an EHEC und/oder HUS erkrankt waren als andere Personen. Über die Lieferkette sei man dann auf den Betrieb in Bienenbüttel gestoßen.

Wie der Niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann in Hannover ergänzte, bestand für den Biohof in Bienenbüttel bisher nur ein Verbot des Verkaufs von Sprossen. Dieses Verbot sei inzwischen auf das gesamte Gemüse dieses Hofes ausgeweitet und der Hof gesperrt worden, “weil er definitiv als der Hauptauslöser für die Erkrankungswelle ausgemacht worden sei“, so Lindemann.

Erleichterung auf allen Ebenen

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner betonte: „Wir sind ein Stück weit erleichtert“, Gesundheitsminister Daniel Bahr ergänzte, es sei gut, dass die Warnung allein noch für Sprossen gelte. EHEC-Entwarnung könne weiterhin nicht gegeben werden.

Auch der europäische Bauernverband begrüßte die Aufhebung der Verzehrwarnung vor rohem Gemüse in Deutschland, denn die Gemüsebauern hätten seit dem Ausspruch der Warnung am 25. Mai sehr gelitten.

Entsprechend erleichtert äußerten sich auch Vertreter des deutschen Bauernverbandes über die Aufhebung der Warnung. „Aber es wird Wochen dauern, bis wir das Vertrauen unserer Kunden wieder zurückgewonnen haben“, führte ein Sprecher aus.

Das ZDF-Politbarometer

Das ZDF-Politbarometer erschien wenige Stunden vor der Gurken/Tomaten/Paprika/Salat-Entwarnung. Aus der Umfrage des ZDF ergab sich für die Wähler noch eine stärkere Belastung durch EHEC als durch die Frage der Stilllegung der Atomkraftwerke. Nach dem Politbarometer ist EHEC für knapp ein Drittel der Bevölkerung in diesen Tagen das wichtigste Problem in Deutschland. Das ergab das am Juni veröffentlichte neue Politbarometer des ZDF. 67 Prozent haben aber ihre Essgewohnheiten nicht verändert und fühlen sich durch die latente Seuchengefahr auch nicht in ihrer Gesundheit bedroht.