Erotikkiller – Womit Paare unbewusst die Leidenschaft töten

Schnuffelbärchen und Mausezähnchen herzen sich mit Verniedlichungen. Was den Zusammenhalt stärkt, geht zu Lasten der Leidenschaft. Was kann man tun?

In vielen Beziehungen nimmt die erotische Leidenschaft mit der Zeit überproportional ab. Oft stellen Paare sich die Frage warum. Wenn man sich die Mühe macht, manche Paare ein wenig zu beobachten, oder ihre Verhaltensmuster zu studieren, findet man schnell eine Antwort auf diese Frage. Mittelpunkt dieser nicht zu ernst zu nehmenden Betrachtung sind keine Paare, die sich ständig streiten, sondern im Gegenteil Paare, wie sie harmonischer nicht auftreten können. Diejenigen, um die es hier geht, zeichnen sich durch intensivsten Zusammenhalt, Harmonie und Liebe aus. Ist das negativ? Natürlich nicht. Zu Liebe und Harmonie sollte jedes Paar streben, die Frage ist, wie man es tut. Wer sich mit seltsamen Kosenamen herzt und mit Diminutiven und deren Superlativen um sich schmeißt, braucht sich nicht wundern, wenn am Ende eine Geschwister ähnliche Liebe ohne sexueller Leidenschaft dabei herauskommt.

Erotikkiller Kosenamen

Annoncen wie nachfolgend beschrieben kann man nahezu täglich in den Tageszeitungen allerorts lesen: „Mein süßes Schnuffelbärchen. Ich habe dich soooooooo lieb, dein Mausezähnchen.“ Wer das liest, sollte sich mal ehrlich fragen, ob es vorstellbar ist, dass Mausezähnchen in wild entflammter Leidenschaft Schnuffelbärchen die Klamotten vom Leib reißt, sich von ihm aufs Bett werfen lässt und beide es stundenlang immer wieder miteinander tun. Schwer vorstellbar. Viel eher drängt sich das Bild auf, dass Mausezähnchen selig in Schnuffelbärchens Arm gekuschelt liegt, er sie allenfalls noch ein wenig streichelt und beide zufrieden grunzend süß miteinander einschlummern, wissend, dass sie ineinander den passenden Seelenverwandten gefunden haben.

Erotikkiller Verniedlichungen

Diminutive als Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform, also alle „-chen“ und „-lein“ sind gewiss gute Möglichkeiten, aus einer Konversation die Schärfe herauszunehmen und Frieden, sowie Harmonie zu erzeugen. Allerdings nimmt der Diminutiv bei der gegenseitigen partnerschaftlichen Ansprache auch die Schärfe aus allem anderen. Vor allem Männer müssen sich bei der Betitelung mit Diminutiven, mit Verlaub gesagt, beklatscht vorkommen. Ein Kurtchen oder Bernilein muss das berechtigte Gefühl haben, dass auch sein „Bestes Stück“ auf die Partnerin allenfalls als „Gutes Stückchen“ wirkt. Als Folge kann sich Versagen oder chronische Unlust einstellen. Als dritte Variante wäre – noch viel schlimmer denkbar – dass Bernilein und Kurtchen ihre Frauen zuhause vergöttern und ihr niedliches Stückchen bei einer Femme fatale zu einem Riesenstück ausfahren, um anschließend als brave „Lein-chen“ wieder nachhause zu kehren.

Erotikkiller Nähe

Es gibt Paare, die sind sich so vertraut, dass sie schlicht alles zusammen machen. Und alles meint wörtlich alles. Sie teilen sich zeitgleich das Badezimmer, schauen sich gegenseitig bei der Körperpflege zu, manche verrichten sogar ihre Toilettengeschäfte in unmittelbarem Beisein des anderen. Gruselig. Wer sich überhaupt keine Intimsphäre mehr gönnt, nicht einmal bei der Körperpflege oder bei den Ausscheidungen, der kann dabei zusehen, wie sich eine Beziehung rapide abnutzt.

Erotikkiller „Mama“ und „Papa“

Gerade wenn Kinder im Spiel sind, neigen manche Paare dazu, sich fortan mit „Mama“ und „Papa“ anzureden, statt mit den Vornamen. Dabei liegt die Gefahr auf der Hand, dass sich Mann und Frau, die sich als „Mama“ und „Papa“ tagtäglich bezeichnen, auch im Bett wie Eltern zueinander verhalten. Mamas und Papas haben ihre Kinder sehr lieb, aber sie sehen keine Erotikobjekte in ihnen. Und wenn sich Partner gegenseitig so ansprechen, kann sich im Kopf ein Schalter umlegen, der von Leidenschaft auf fürsorgliches Kuschelprogramm umschaltet.

Leidenschaft trotz Nähe und Vertrauen – Was hilft?

Manchen Paaren scheint es nicht zu gelingen Vertrauen, Harmonie und Nähe aufzubauen, ohne die erotische Leidenschaft dabei zu verlieren. Der Erotikverlust wird dabei als naturgegeben hingenommen, so als ob es einfach dazu gehört. Das muss nicht sein, wenn man einige Regeln befolgt.

Die wichtigste Regel sollte sein, Distanz zu bewahren, zumindest in bestimmten Bereichen. Nähe in einer liebevollen und harmonischen Partnerschaft ist sehr wichtig, aber an der Badezimmer- oder Toilettentüre sollte sie ihre Grenze haben. Wer sich täglich bei der Körper- und Intimpflege beobachtet oder bei den natürlichen Verdauungsgeschäften anwesend ist, kann im Bett kaum noch auf Fremdheit hoffen. Und Fremdheit ist eine wichtige Würze bei der körperlichen Leidenschaft. Ein Mensch, den man bis ins letzte Detail kennt, kann man im Bett nicht mehr erforschen. Es kommt zu Routine oder sogar Stillstand.

Ebenfalls ist es wichtig darauf zu achten, mit welchen Kosenamen man sich anredet. Dass in einer Beziehung das Bedürfnis besteht, sich nicht nur mit den Vornamen anzureden, wie es zu Zeiten der kühl-distanzierten Buddenbrooks oder bei Adels daheim üblich war, ist verständlich. Aber muss es deshalb gleich „Schnuffelbärchen“ sein? Neutral ist das vielen als zu abgelutscht geltende „Schatz“ oder „Liebling“. Wer die Leidenschaft aufrecht erhalten will, darf ruhig auch auf Bezeichnungen mit einer erotischen oder lobenden Konnotation zurückgreifen. So kann man(n) seine Frau gerne mal als „Meine Schöne“, als „Perle“ oder als „Sexy“ betiteln. Umgekehrt fühlt sich ein Mann gerne durch ein „Mein Held“ oder durch ein auf die Stärke hinweisendes Attribut geschmeichelt, Alles, bloß nix Schnuckeliges.

Diminutive sind tödlich. So nett sie auch gemeint sein mögen, Verkleinerungsformen haben in einer erotischen Beziehung nichts zu suchen. Vornamen + -chen oder + -lein sind absolute No-Go’s. Wer diese Regeln beachtet, bei dem wird es auch schnell im Bett wieder prickeln. Aber vielleicht brauchen manche Paare einfach keinen Sex mehr und freuen sich über ihre liebevolle Kuschelbeziehung. Dann sind Schnuffelbärchen und Mausezähnchen selbstverständlich restlos glücklich und das ist auch gut so.

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