Essen auf dem Jakobsweg: Ein Hoch auf Doña Remedios´ Bar do Poio

Was das Essen angeht, sind die Jakobspilger generell nicht sonderlich verwöhnt. Man isst, was angeboten wird, auch weil es in manchem Bauernnest einfach keine Alternativen gibt. Entweder hungern oder das immergleiche öde Pilgermenü bestellen. Heißt: Pommes mit Fleisch und Brot. Fettig und lieblos, aber dafür überteuert – so gestalten sich die meisten der Gerichte des „Menu del Pelegrino“. Viele der Gasthäuser entlang des spanischen Jakobsweges machen sich keine besondere Mühe, um auf die Bedürfnisse der Pilger einzugehen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Plätze, an denen die Pilger wie ein Familienmitglied behandelt werden und Wärme und Herzlichkeit erfahren. Ein solcher Ort ist die Bar do Poio am Bergpass Alto do Poio von Doña Remedios.

Bar do Poio am Alto do Poio am Camino Frances in Galicien

Die Wirtin Doña Remedios empfängt seit mehr als 40 Jahren Jakobspilger aus aller Welt und ist trotz ihrer 78 Jahre täglich vom Morgengrauen bis Mitternacht auf den Beinen. Sie selbst bereitet die Gerichte zu und ihr „Guizado de Ternero“ = Schmortopf aus zartestem Kalbfleisch mit aromatischen Kartoffeln, ist ein Hit. Das Fleisch stammt von den Bauern der Region und Weidetieren vor der Haustür. Das schmeckt man auch. Biofleisch pur. Die Kartoffeln sind ebenso heimisch und die Art, wie sie Doña Remedios zubereitet, ist unschlagbar. Geschmort mit dem Fleisch, zergehen sie auf der Zunge wie Butter und sind doch kräftig im Biss. Dazu auf den Punkt gewürzt. „Ach, das Rezept ist ganz einfach, kein Hexenwerk“, meint die herzliche Señora, während sie mit einem weiteren riesigen Topf aus der Küche kommt.

Das Fleisch legt sie schon vorher ein, das ganze wird mit Salz, Knoblauch, Kräutern und etwas Weißwein abgeschmeckt. Wer mittags seine Wanderpause einlegt, hat Glück und kommt in den Genuss dieser Hausspezialität. Sofern es sich nicht um einen Vegetarier handelt. Aber auch sonst wartet immer eine wärmende Suppe, ein heißer Tee oder ein starker Kaffee und belegte Brote auf die erschöpften Ankommenden. Denn die Pilger haben eine der härtesten Etappen hinter sich, wenn sie den Alto do Poio erklommen haben. Der Aufstieg hat es in sich und die meisten sind erst mal erledigt. Am Bergpass herrschen zudem bis in den Mai hinein kühle Temperaturen, es kann empfindlich kalt werden und auch kräftig regnen. Nicht immer gemütlich, aber Doña Remedios ist darauf vorbereitet.

Stärkung für Leib und Seele in der Bar von Dona Remedios am Jakobsweg

Die agile Señora hat stets ein aufmunterndes Wort für die Wanderer, die nicht selten einen Durchhänger haben und am liebsten aufhören würden. Es gibt solche stillen Helden entlang des Jakobsweges, die die Pilger gerne die „Engel des Camino“ nennen. Menschen wie Doña Remedios, die ein offenes Ohr und ein einfühlsames Wort für ihre Gäste haben. Sie sind nicht die Regel und deshalb umso wertvoller. Doña Remedios ist wie eine Pilgermutter. Sie hat auch eine kleine Pilgerpension mit einer Handvoll Zimmern. Alles ist sehr einfach und rustikal.

Auch unter der Küche darf man sich keine Novelle Cousine vorstellen. Das Essen ist schmackhaft, nahrhaft und üppig. Die Qualität der Zutaten stimmt und ist im Vergleich zu anderen Gaststätten noch recht günstig. Wenn dann das Kaminfeuer im Speisesaal heimelig knistert und die müden Knochen wärmt, dann kommt die Energie zurück. Bei gutem Wetter legen die Pilger in der Sonne für eine Weile die Beine hoch und tanken neuen Schwung bei einem Glas Wein oder einem kräftigen café solo. Dann kann es wieder weiter gehen zur nächsten Etappe. Manche bleiben auch einfach hier und laufen erst am nächsten Tag weiter.

Ein Leben für den Jakobsweg

Doña Remedios kann sich gar nicht vorstellen, etwas anderes zu tun, als Pilger am Alto do Poio zu bewirten. Wie viele tausend Wanderer und Rad-Pilger schon bei ihr ein- und ausgegangen sind, vermag sie nicht zu sagen. Aber sie hat nur Lob für die Gäste aus der ganzen Welt. „Die Mehrheit der Pilger sind gute Menschen“, meint sie. „Und viele schicken mir Bilder als Andenken oder Briefe“. Wahrlich, das Regal in der Glasvitrine ist gefüllt mit Schnappschüssen von ihr und immer anderen Pilgern. Auf dem rustikalen Holztisch, wo auch der Stempel für den Pilgerpass steht, stapeln sich die Gästebucher von 1989 bis heute. Unglaublich, wie viele Eintragungen, wie viele Gedanken, Emotionen und Dankesworte hier stehen.

Alle Nationen der Erde schriftlich verewigt in der kleinen rustikalen Bar do Poio von Doña Remedios! Manche malen gar richtige Kunstwerke in die mit Kunstleder eingebundenen Bücher oder hinterlassen nachdenkliche Gedichte. „Muchas Gracias Remedios!, Merci Madame Remedios! , Vielen Dank für alles!, Thank you for your great food and warm heart!“ ist da zu lesen. Doña Remedios ist bei all dem eine einfache Frau geblieben, sie wohnt bescheiden und ohne großen Komfort. Ihre Kinder arbeiten in der Provinzhauptstadt Lugo und könnten sich so ein Leben wohl kaum vorstellen. So manch ein Pilger fragt sich: Was wird einmal nach Doña Remedios ? Um wie viel ärmer wäre dann der Jakobsweg. Muchas Gracias, Dona Remedios! Auf noch viele Jahre.

Lage der Bar do Poio

Der Pass Alto do Poio ist mit 1.337 Metern Höhe die höchste Erhebung des Camino Frances(Französischer Jakobsweg von St. Jean-Pied-de Port bis Santiago de Compostela) in Galicien. Die Landschaft der umliegenden Berge und Panoramen ist eine der schönsten des gesamten Weges und ab hier geht es nur noch bergab. Der Alto do Poio liegt zwischen der Etappe O Cebreiro – Triacastela, fast genau in der Mitte. Doña Remedios Bar fällt den Pilgern sozusagen vor die Wanderstiefel, denn sie liegt genau am Ende des Aufstiegspfads rechter Hand. „Bar o Poio“ steht in schon verwitterten Lettern auf der ausgebleichten Markise. Die Bar ist auch kaum zu verfehlen, denn immer sitzen Jakobspilger im Freien auf den Plastikstühlen oder drinnen, um sich aufzuwärmen – je nach Wetterlage. So mancher Nachtpilger kommt auch schon morgens um 6 Uhr an, und bekommt hier ein kräftiges Frühstück und seinen Stempel für den Pilgerpass.

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