Genuss als Lebensprinzip

1.000 Möglichkeiten laden täglich ein, mit allen Sinnen zu genießen. „Savoir vivre“ nennen es die Franzosen – die Kunst, das Leben zu feiern. Die Welt des Genusses steht jedem von uns offen. Jeden Tag. Eintritt frei!

Ein Genießer ist ein Mensch, für den der Augenblick zählt. Er lebt im Hier und Jetzt. Er ist sich seiner Umgebung bewusst: eine Melodie, ein Gaumenkitzler, ein Kinderlachen, eine Berührung… einfach innehalten, wahrnehmen, wertschätzen – das ist das Geheimnis des Genusses. Nicht mehr und nicht weniger.

Was ist Genuss eigentlich?

Ganz nüchtern ausgedrückt, ist Genuss eine positive Sinnesempfindung, die mit dem Gefühl des Wohlbehagens verbunden ist. Die fünf Sinne werden dabei angesprochen: sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen sind dafür verantwortlich, dass wir Genuss verspüren. Das eröffnet eine unglaubliche Vielzahl von Möglichkeiten, es sich jeden Tag gut gehen zu lassen, denn unsere „Genusswerkzeuge“ sind jederzeit einsatzbereit.

Sehen: Achtsamkeit für die kleinen Dinge

„Schönheit ist der Sinn der Welt. Schönheit genießen heißt: die Welt verstehen.“ Otto Julius Bierbaum.

Mit unseren Augen haben wir in vielerlei Hinsicht die Möglichkeit, uns Genuss zu verschaffen: beim Lesen eines Gedichts, beim Schmökern in einem Roman, beim Blättern in einem Bildband, beim Betrachten unserer Urlaubsfotos. Ein schöner Kinofilm, ein Besuch in einer Gemäldegalerie, ein Stadtrundgang – unsere Augen sind jederzeit bereit, uns Freude zu bereiten.

Die Kunst des visuellen Genießens liegt vor allem darin, auch die kleinen Dinge wahrzunehmen, sie nicht für selbstverständlich zu halten, sie als Wunder zu begreifen: Wer zum Frühlingsanfang durch die noch nicht ganz so grünen Wiesen streift, der entdeckt Schneeglöckchen, Krokusse und die ersten Knospen an Büschen und Bäumen.

Hören: Ohrenschmaus

„Je stiller du bist; desto mehr kannst du hören“. Chinesische Weisheit

„Rondo Veneziano“ aus Kaufhauslautsprechern, Autos, die sich von Ampel zu Ampel schieben und absurde Handyklingeltöne bestimmen die Geräuschkulisse unseres Alltags. Aber wie steht es eigentlich um die kleinen, feinen Geräusche dahinter? Knisterndes Kaminfeuer, beruhigende Regentropfen, das Schnurren einer Katze, das Lachen eines Kindes, das Rascheln der Blätter im Wind, Vogelgezwitscher ? Uns steht eine Welt an akustischen Genüssen offen, wir müssen nur eintreten.

Und wenn sich Alltagsgeräusche nicht ausblenden lassen, dann hilft immer noch die Konserve: der Regenwald oder Meeresrauschen von CD oder einfach Musik, die unserer Stimmung entspricht.

Schmecken: Hingabe beim Essen

„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst“. François de La Rochefoucauld

Kulinarisches wird am häufigsten mit dem Begriff „Genuss“ verbunden: Ein saftiges Steak, ein kühles Bier, zart schmelzende Schokolade oder knuspriges Brot. Die Bandbreite der kulinarischen Genüsse ist ebenso groß wie die Vorlieben. Ein Feinschmecker ist ein Genießer im wörtlichen Sinne. Er bedarf weder britischer Austern noch nordafrikanischen Straußenfilets – ihm genügt auch ein Butterbrot, denn es kommt nicht auf größtmögliche Raffinesse oder Exotik der Speisen an, sondern auf das Wie des Genießens. Sich Zeit nehmen. In Ruhe essen. Sich ganz auf den Geschmack konzentrieren.

Riechen: Der Duft der Erinnerung

„Der Mund ist die Werkstatt und die Nase der Schornstein.“ Jean Anthèlme Brillat-Savarin

Das Zitat des berühmten Gastrosophen und Genießers zeigt die enge Verbindung von Geschmacks- und Geruchssinn. Der Duft von frischgebackenem Kuchen oder Brot lässt uns das Wasser im Mund zusammen laufen. Die Nase nimmt teil am Genuss von Speisen und Getränken.

Aber nicht nur daran. Unseren 10 Millionen Riechzellen und 80 Millionen Riechhärchen entgeht nichts. Sie sind in der Lage, bis zu 10.000 Gerüche wahrzunehmen. Düfte sind in unserem Gedächtnis gespeichert und jederzeit abrufbar. Ein Hauch von irgendetwas in der Luft kann daher eine ganze Welle von Erinnerungen auslösen.

Morgendliche Frühlingsluft, feuchter Waldboden, frisch gemähtes Gras, ein Topf Basilikum, getrockneter Lavendel – all das kann dazu beitragen, dass wir uns wohlfühlen. Die Aromatherapie hat längst erkannt, wie sich unser Wohlbefinden durch die Nase steuern lässt.

Fühlen: Nonverbale Kommunikation

„Wie leicht kann eine einfache Berührung unsere Seele zum Klingen zu bringen.“ Patrice Jeancourt

Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan. Sanfte Berührungen streicheln aber nicht nur die Körperoberfläche, sondern auch die Seele. Wer keinen Partner hat, mit dem er regelmäßig Streicheleinheiten austauschen kann, der kann sich ab und zu eine Massage gönnen. Zum Fühlen gehört übrigens nicht nur das Empfangen von Streicheleinheiten, sondern auch das Geben. In der Tier-Therapie hat sich gezeigt, dass auch der Körperkontakt mit Haustieren beruhigt und Stress abbaut.

Aber der Austausch von Zärtlichkeiten ist nur ein Aspekt der haptischen Genüsse. Die Welt des Fühlens geht weit darüber hinaus: Die ersten Schneeflocken auf der Haut, ein frühsommerlicher Sonnenstrahl, eine frische Meeresbrise, eine kuschelige Decke, Gras unter unseren Fußsohlen – Genuss liegt nicht im Besonderen, sondern im Alltäglichen.

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