Gespräch mit einem Herztransplantierten – Lebensqualität mit neuem Herzen

Im Jahr 2002 erzählte Rainer W. in einem Gespräch mit der Autorin aus seinem Leben vor und nach seiner Herztransplantation.

Mit nur 35 Jahren hatte Rainer W. 1977 den ersten Herzinfarkt, sieben Jahre später erlitt er den zweiten. Dann wurde bei ihm eine Kardiomyopathie festgestellt, eine Herzmuskelerkrankung, die das Herz wachsen ließ und zu schweren Atemproblemen führte.

Tiefpunkt vor der Transplantation

Sein Leben hatte zu dieser Zeit den absoluten Tiefpunkt erreicht. Eine Scheidung lag hinter ihm und eine andere Beziehung, aus der er zwei Kinder hatte, war kurz zuvor in die Brüche gegangen. Rainer nahm keine Rücksicht auf sein krankes Herz, lebte ungesund und trank viel. Er sah keine Perspektive für sein Leben.

Dann lernte er 1987 bei einem seiner vielen Kneipenbesuche die 28 Jahre jüngere Veronika kennen, die ihrer Mutter beim Ausschank half. „Ich dachte gar nicht an eine Beziehung und hätte mich auch nie getraut. Sie war ja noch so jung. Doch sie ließ nicht locker, bis sie mich hatte“, erzählte er, mit einer Mischung aus Staunen und Stolz in der Stimme. Nun gab es wieder eine Perspektive für ihn. Er machte Schluss mit seinem bisherigen ungesunden Lebenswandel und ließ auch die Finger vom Alkohol.

Lebensrettende Operation

Die Krankheit seines Herzens schritt weiter voran. Schließlich hatte es die Größe eines Handballs erreicht. Rainer bekam kaum noch Luft und drohte zu ersticken. Der letzte Ausweg war ein neues Herz, doch Rainer war nicht der ideale Kandidat für eine Herztransplantation. Spenderherzen gingen vorrangig an junge Familienväter. Rainer war damals schon 47, sein Lebensstil der vorangegangenen Jahre nicht gerade vorbildlich und er war nicht verheiratet.

Sein einziger Pluspunkt zu dieser Zeit war Veronika. „Ohne sie hätte ich das Herz nie bekommen“. Die junge Frau übernahm eine große Verantwortung und konnte die Ärzte davon überzeugen, dass Rainer und ihre Beziehung es wert waren, oben auf der Warteliste für ein neues Herz zu stehen. Im August 1989 war es dann soweit. Im Herztransplantationszentrum in Bad Oeynhausen bekam Rainer ein neues Herz.

Nach der Transplantation

Dieses einschneidende Erlebnis veränderte sein Leben abermals. Er war dankbar für die neu gewonnene Zukunft. Ins Arbeitsleben konnte er zwar nicht mehr zurück (er war jetzt Frührentner), doch er jobbte ab und zu, wenn sich die Gelegenheit bot und er sich fit genug fühlte. Und er wollte etwas zurückgeben. Er begann Patienten zu betreuen, die auf der Warteliste für ein neues Herz standen oder unentschlossen waren, diesen Schritt tatsächlich zu tun.

Viele Patienten haben Angst. Angst, die Wartezeit nicht zu überleben, Angst vor der Operation selbst oder der Zeit danach. Das Ungewisse ist eine riesige Belastung für sie selbst und ihre Familien. Rainer sprach mit Patienten, erzählte von seinen Erfahrungen und überzeugte sie von der Lebensqualität eines Transplantierten, wofür er selbst das beste Beispiel war. Er versuchte, Ängste zu nehmen und durch seine eigenen Erlebnisse aufzuklären, soweit es ihm möglich war. 1994 heirateten Veronika und Rainer.

Leben mit neuem Herzen

Ein neues Herz bedeutet nicht, dass der Transplantierte nun völlig gesund ist. Es kann zu Abstoßungsreaktionen kommen, nach Angaben der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) überleben ungefähr 20 % Prozent der Patienten nicht das erste Jahr. Ein Transplantierter muss für den Rest seines Lebens Medikamente, Immunsuppressiva, einnehmen, um die Abwehr des Körpers gegen das fremde Organ zu unterdrücken. Diese Medikamente können eine Reihe von starken Nebenwirkungen verursachen. Und es sind regelmäßige Nachuntersuchungen mit Krankenhausaufenthalten notwendig. Es kann zu psychischen Problemen kommen, denn für manche ist die Vorstellung, das Herz eines anderen in sich zu haben, nicht leicht zu verkraften.

Sieht man von diesen Einschränkungen einmal ab, können Herztransplantierte in der Regel ein relativ normales Leben führen. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach einer Herztransplantation beträgt zwölf Jahre.

Bei Rainer waren es fünfzehn. Er starb im August 2004.

Organspende

Die DSO sieht die Organspende als Aufgabe der Gesellschaft an. Um die 12.000 schwer kranke Deutsche hoffen derzeit auf ein Organ, zu wenig Spender stehen zur Verfügung. Wer helfen und seine Organe anderen zur Verfügung stellen möchte, sollte dies schriftlich festhalten und auch mit Angehörigen besprechen, damit diese den Willen des Verstorbenen ausführen können.

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